
Alphaville lehnt Wiedereinladung zum Glücksgefühle-Festival ab und spendet Gage
Die deutsche Band Alphaville wird trotz einer öffentlichen Entschuldigung der Veranstalter nicht beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring auftreten und stattdessen ihre Gage spenden.
Ausladung wegen Bühnenaussagen
Die deutsche Synthie-Pop-Band Alphaville hat eine Wiedereinladung zum Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring abgelehnt und damit einen öffentlichen Streit über politische Äußerungen auf der Bühne beendet. Der Festivalveranstalter, Markus Krampe Entertainment Group, hatte den für Freitag geplanten Auftritt der Band zunächst abgesagt, nachdem man sich nicht auf eine Vereinbarung über Bühnenkommentare einigen konnte. Der Kontroverse vorausgegangen war ein Auftritt Mitte Juli beim Die-80er-live-Festival in Hamburg zusammen mit Künstlern wie Kim Wilde und Boy George, bei dem der 72-jährige Frontmann Marian Gold gegen die Partei Alternative für Deutschland (AfD) Stellung bezog und während des Songs 'Carry Your Flag' eine Regenbogenfahne zeigte. Die Veranstalter verteidigten die Absage am Mittwoch mit der Begründung, das Festival sei strikt unpolitisch und einzig für Glück und gemeinsame Unterhaltung konzipiert. Gold kritisierte die Absage in den sozialen Medien und verglich die Einschränkung mit einem Maulkorb.
Dass eine solche Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun bei einem der größten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut inakzeptabel und bedrückend.
Solidarität von Musikerkollegen
Die Entscheidung löste am Mittwoch sofortige Kritik mehrerer deutscher Musiker und Bands aus. Während eines Auftritts in der Halle Münsterland in Münster verurteilte Campino, Frontmann von Die Toten Hosen, die Ausladung und holte Gold zusammen mit Donots-Sänger Ingo Knollmann auf die Bühne. Mateo Jasik von Culcha Candela, einer Gruppe, die für Samstag auf dem Festival auftreten sollte, kritisierte das Verbot und stellte das Demokratieverständnis der Veranstalter infrage. In einem Interview mit tagesschau24 verteidigte Gold seine Aussagen und betonte, dass die Kunstfreiheit durch das Grundgesetz geschützt sei, und warnte vor dem Aufkommen rechtsextremer Tendenzen. Angesichts der breiten Kritik nahm Festivaldirektor Markus Krampe das Verbot am Donnerstag zurück und sagte der Zeitung Bild, die Absage sei ein Fehler gewesen, und sprach eine formelle Wiedereinladung aus.
Wie wir gehandelt haben, war tatsächlich ein Fehler. Das tut mir leid. Die Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, und sie muss geschützt werden.
Ablehnung der Wiedereinladung und Spende
Trotz Krampes Rücknahme und öffentlicher Entschuldigung bestätigte Alphaville am Donnerstagnachmittag, dass die Band nicht auf dem Hockenheimring auftreten werde. Gold gab über die Deutsche Presse-Agentur bekannt, dass frühere Aussagen des Festivalmanagements eine Atmosphäre geschaffen hätten, die mit einem Auftritt unvereinbar sei. Die Band bestätigte, dass die gesamte Gage des geplanten Konzerts an eine gemeinnützige Organisation gespendet werde. Der Streit beendete sieben Wochen der Auseinandersetzung nach dem Hamburger Konzert, und das Festival fand am Wochenende in Baden-Württemberg ohne die Band im Programm statt.
Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung von Veranstalter Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung der Meinungs- und Kunstfreiheit beim Glücksgefühle-Festival gebührend respektiert. Unabhängig davon haben die vorausgegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen. Die Gage für den abgesagten Auftritt wird von Alphaville an eine gemeinnützige Organisation gespendet.
- Marian Gold kritisiert die AfD während eines Festivalauftritts in Hamburg
- Glücksgefühle-Festival sagt Alphavilles Auftritt wegen politischer Bühnenaussagen ab
- Campino lädt Gold in Münster auf die Bühne, um gegen die Ausladung zu protestieren
- Festivaldirektor Markus Krampe entschuldigt sich und lädt die Band erneut ein
- Alphaville lehnt die Wiedereinladung ab und kündigt an, die Gage zu spenden


