
Allianz beendet Sponsoring des Madrider Festivals nach Künstlerboykott wegen israelischer Anleihenbestände
Der deutsche Versicherer Allianz hat sein Hauptsponsoring des Madrider Festivals der Ideen ausgesetzt, nachdem mehr als 20 Kulturschaffende wegen der finanziellen Verbindungen des Unternehmens zu Israel mit einem Boykott gedroht hatten.
Sponsoringrückzug in Madrid
Der deutsche Finanzdienstleistungskonzern Allianz hat sein Hauptsponsoring des Festivals der Ideen in Madrid ausgesetzt, nachdem Boykottdrohungen von teilnehmenden Rednern laut wurden. Die Entscheidung wurde am Dienstag, dem 15. September 2026, bestätigt, zwei Tage vor dem für den 17. September geplanten viertägigen Event. Das Kulturfestival, das gemeinsam vom Círculo de Bellas Artes und der Kulturmanagementorganisation La Fábrica organisiert wird, bietet mehr als 100 eingeladene Redner an öffentlichen Orten und Kulturstätten der spanischen Hauptstadt. Die Festival-Co-Direktorinnen Marcela Vélez und Javier Moscoso bestätigten, dass die Organisation mit Allianz vereinbart habe, die kommerzielle Partnerschaft für die dritte Ausgabe der Veranstaltung zu beenden, während das vollständige Programm beibehalten wird.
Boykottkampagne und Anleihenvorwürfe
Der Streit begann am frühen Dienstag, als eine Gruppe geplanter Teilnehmer ein gemeinsames Manifest veröffentlichte, in dem sie ihre Teilnahme auf Eis legten, falls die Organisatoren die Verbindungen zu Allianz nicht kappen würden. Die Liste der Unterzeichner wuchs auf 26 bis mehr als 30 Kulturschaffende an, darunter der oscarnominierte Filmregisseur Rodrigo Sorogoyen, der Musiker Rodrigo Cuevas, die Autorin Alana S. Portero, der Philosoph Paul B. Preciado und die Fernsehmoderatorin Inés Hernand. Die Unterzeichner folgten Aufrufen der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionsbewegung (BDS) und argumentierten, dass Allianz der größte Käufer israelischer Staatsanleihen sei. Das Manifest berief sich auf einen UN-Bericht von 2025 der Sonderberichterstatterin Francesca Albanese mit dem Titel „Von der Besatzungswirtschaft zur Völkermordwirtschaft“ und forderte, dass das Festival keine Finanzierung von Institutionen annehmen dürfe, die israelische Staatsanleihen finanzieren.
Dialog und Vielfalt der Perspektiven sind Kernwerte von Allianz. Wir weisen die gegen unser Unternehmen erhobenen Vorwürfe entschieden zurück und stehen zu unseren verantwortungsvollen Geschäftspraktiken.
Finanzielle Lücke für Veranstalter
Allianz erklärte, der Rückzug solle verhindern, dass die Kontroverse die Aufmerksamkeit vom Festivalprogramm und den öffentlichen Debatten ablenke. Da die Sponsoringgelder bereits überwiesen waren, muss die Festivalorganisation den Beitrag zurückzahlen und das daraus resultierende Haushaltsdefizit direkt auffangen. Co-Direktorin Marcela Vélez erklärte, ein Ersatz des Hauptsponsors innerhalb von 48 Stunden sei nicht machbar, sodass der Círculo de Bellas Artes und La Fábrica alle Aktivitäten, einschließlich der Hauptbühne auf der Plaza de España, selbst finanzieren müssten.
Der Beitrag war bereits geleistet, und jetzt werden wir ihn zurückzahlen. Wir werden das große finanzielle Loch, das er verursacht, übernehmen, denn wir wollten das Festival nicht absagen.
Politische Reaktionen und institutionelle Streitigkeiten
Der spanische Kulturminister Ernest Urtasun äußerte sich bei einer Veranstaltung in Madrid zu dem Fall und erklärte, er lehne die Präsenz von Unternehmen mit Verbindungen zu Israel bei kulturellen Aktivitäten ab. Die Kontroverse folgt auf ähnliche Auseinandersetzungen in Irland, wo die Gaelic Athletic Association im Februar Proteste und einen gestörten Jahreskongress wegen ihrer 30-jährigen Sponsoringvereinbarung mit Allianz erlebte, bevor die GAA-Führung im August für die Beibehaltung des Vertrags stimmte. Das Madrider Festival soll bis zum 20. September an Orten wie dem Museo del Prado, dem Museo Reina Sofía und der Fundación Telefónica fortgesetzt werden, mit internationalen Gästen wie der britischen Romanautorin Zadie Smith und den mexikanischen Autorinnen Lydia Cacho und Brenda Navarro.
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