Fischer setzen 74.000 junge Aale in die Schlei aus, um Ostseebestände zu stützen
Berufsfischer und Angler haben am Donnerstag mehr als 74.000 junge Aale in die Schlei ausgesetzt und damit die Gesamtzahl der Aalbesätze im Fjord im Jahr 2026 auf 854.000 Tiere bei Kosten von 98.000 Euro gebracht.
Aussetzaktionen in der Schlei
Berufsfischer und Freizeitangler haben am Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, mehr als 74.000 junge Aale in die Schlei ausgesetzt. Die Besatzmaßnahme war Teil der 17. jährlichen Kampagne „Aalutsetten in de Schlie“, die von Berufsfischern und Angelverbänden gemeinsam organisiert wird. Die Aktionen fanden an mehreren Küstenstandorten entlang des Gewässers statt, wobei die Aussetzarbeiten am frühen Tag in Arnis und Kappeln begannen und am Hafen von Maasholm endeten. Spezialisierte Transporttanks brachten die Jungaale von einer eigens dafür eingerichteten Fischzucht direkt zum Hafen, wo die Helfer sie in wassergefüllte Transportbehälter an Bord von Booten umluden, um sie im Gewässer zu verteilen. Schleswig-Holsteins Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg half vor Ort beim Wiegen und Aussetzen der Fische. Jeder besetzte Aal wog etwa 5 Gramm, und nach Angaben der Fischereibehörden benötigen die Tiere mindestens drei bis vier Jahre in den heimischen Gewässern, um die gesetzliche Mindestfanggröße von 45 Zentimetern zu erreichen.
Jährliche Besatzmengen und regionale Programme
Die Herbstverteilung am Donnerstag ergänzte größere Besatzmaßnahmen, die im Jahresverlauf in ganz Norddeutschland durchgeführt wurden. Im Frühjahr 2026 setzten regionale Fischereigruppen 1,05 Millionen Glasaale mit einem Durchschnittsgewicht von rund 0,33 Gramm in neun verschiedenen Binnen- und Küstengewässern in ganz Schleswig-Holstein aus. Etwa 780.000 dieser Glasaale aus dem Frühjahr wurden direkt in die Schlei eingesetzt. Der Schleifischer Olaf Jensen erklärte in Maasholm, dass durch die saisonalen Aussetzungen im Jahr 2026 insgesamt 854.000 junge Aale in das Gewässer gelangten, was einem Gesamtmarktwert von 98.000 Euro ohne Mehrwertsteuer entspricht. Ähnliche Besatzprogramme laufen auch in anderen deutschen Bundesländern, darunter Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die besetzten Tiere stammen aus wild gefangenen Glasaalen, die entlang der europäischen Atlantikküste gefangen und in spezialisierten Aquakulturanlagen aufgezogen werden, um die Überlebensrate vor dem Aussetzen in natürliche Lebensräume zu erhöhen.
- Frühjahr (Glasaale, ~0,33 g)
- 780000 Fische
- Oktober (Jungaale, ~5 g)
- 74000 Fische
Bestandskollaps und Belastungen der Binnenlebensräume
Der Europäische Aal war früher eine grundlegende Fangart für die Binnen- und Küstenfischerei in Nordeuropa. Nach Angaben des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV) machte die Art einst etwa die Hälfte der gesamten Binnenfischbiomasse in europäischen Gewässern aus. Daten des World Wide Fund for Nature (WWF) zeigen jedoch, dass die Menge der an den europäischen Küsten ankommenden jungen Glasaale seit den 1970er Jahren um 98 Prozent zurückgegangen ist. Biologen und Fischereiexperten führen diesen starken Rückgang auf mehrere sich verstärkende Faktoren zurück, darunter industrielle Schadstoffe, die strukturelle Veränderung und Aufstauung von Flüssen und Seen, kommerzielle Überfischung und den Klimawandel. Lokale Fischer nennen zudem erhebliche zusätzliche Verluste durch Wasserkraftanlagen und natürliche Fressfeinde, insbesondere Kormorane.
- WWF dokumentiert den Beginn eines Rückgangs der Glasaal-Rekrutierung in Europa um 98 Prozent
- Europäische Union verabschiedet eigene Aalverordnung zur Wiederherstellung der erschöpften Bestände
- EU-Bewertung bestätigt, dass die Aalverordnung weiterhin relevant und funktionsfähig ist
- Fischer setzen 1,05 Millionen Glasaale in neun regionalen Gewässern aus
- Fischer setzen 74.000 junge Aale bei Maasholm, Kappeln und Arnis aus
EU-Regulierung und Grenzen des Lebenszyklus
Als Reaktion auf die schwindenden Bestände führte die Europäische Union im Jahr 2007 die Aalverordnung ein. Der Europäische Aal ist die einzige Fischart in ganz Europa, für die ein eigener EU-Rechtsrahmen gilt, der nationale Wiederauffüllungspläne und regelmäßige Besatzmaßnahmen vorschreibt. Eine offizielle EU-Fitnessprüfung aus dem Jahr 2020 bestätigte, dass die Verordnung als politisches Instrument zur Wiederherstellung der Aalbiomasse weiterhin relevant und funktional angemessen ist. Die kommerzielle Zucht Europäischer Aale in Gefangenschaft bleibt wissenschaftlich unmöglich, da alle europäischen und amerikanischen Aale ausschließlich in der Sargassosee vor der Küste Floridas in Meerestiefen von über 6.000 Metern entstehen. Die Larven treiben zwei Jahre lang ostwärts über den Atlantik, bevor sie in die europäischen Flusssysteme aufsteigen. Lokale Fischer berichten, dass besetzte Aale zunehmend häufiger in Reusen und an Angelhaken in der Schlei auftauchen.


