
Italien beschlagnahmt 560 Millionen Euro an gefälschten Superbonus-Steuergutschriften – 12 Personen unter Verdacht
Die italienische Finanzpolizei hat rund 560 Millionen Euro an fiktiven Steuergutschriften eingefroren, die über das Superbonus-110-Programm generiert wurden. Dabei wurde ein landesweites Netzwerk von über 60 Scheinfirmen aufgedeckt, die ohne Wissen der Eigentümer echte Immobiliendaten verwendeten.
Die italienische Finanzpolizei in Syrakus gab am 11. Juni die Beschlagnahmung von rund 560 Millionen Euro an Steuergutschriften bekannt, die im Zusammenhang mit Italiens Superbonus-110-Gebäudesanierungsprämie stehen. Zuvor war ein von den Ermittlern als hochentwickelt und gefährlich beschriebener landesweiter Betrug aufgedeckt worden. Zwölf Personen werden wegen krimineller Vereinigung, schweren Betrugs zum Nachteil des Staates, Geldwäsche, Selbstgeldwäsche und Ausstellung falscher Rechnungen untersucht. Die Beschlagnahmung, die vom Provinzkommando Syrakus der Guardia di Finanza durchgeführt wurde, folgte auf eine Untersuchung, die ein kriminelles Netzwerk mit Zweigstellen im ganzen Land enthüllte.
Der Betrugsmechanismus
Die betrügerischen Gutschriften wurden durch die Nutzung der „Forderungsabtretungs“-Plattform der Steuerbehörde (Agenzia delle Entrate) generiert. Über 60 Unternehmen, die als Scheinfirmen ohne reale Büros, Mitarbeiter oder Ausrüstung galten, gaben vor, mehrjährige Millionen-Euro-Renovierungsarbeiten an 22 Wohnanlagen in dreizehn Provinzen durchgeführt zu haben, darunter Bergamo, Como, Macerata, Messina, Monza Brianza, Padua, Pavia, Rom, Salerno, Syrakus, Varese, Vercelli und Verona. In Wirklichkeit wurden die Gebäude von völlig unrelated, legitimen Auftragnehmern saniert oder befanden sich in Sanierung. Die kriminelle Gruppe kopierte die Immobiliendaten und reichte gefälschte technische Berichte ein, um ohne Wissen der Verwalter oder Eigentümer die fiktiven Gutschriften zu erzeugen.
Der operative Ring
Die Untersuchung, die gemeinsam mit der Sondereinheit für Steuerschutz und Betrugsbekämpfung in Rom und der Abteilung für illegale Aktivitäten der Steuerbehörde durchgeführt wurde, führte die Führung der Organisation auf Fachleute in der Lombardei zurück, die Strohmänner anwarben, um die Scheinfirmen zu registrieren und die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Die Ausführung wurde von zwei Fachleuten mit Sitz in der Provinz Chieti in den Abruzzen übernommen, die Zugang zur Forderungsabtretungsplattform hatten. Laut den Ermittlungen übermittelten sie über 2.000 Einträge, jeweils gegen eine Gebühr, und setzten die gefälschten Gutschriften in die Steuerschubladen der Unternehmen ein, die als formelle Begünstigte der Steuervergünstigung erschienen.
Beschlagnahmung und Reaktion
Die Staatsanwaltschaft von Syrakus erließ fünf dringende präventive Beschlagnahmebeschlüsse, die vom Ermittlungsrichter bestätigt wurden. Gleichzeitig verhängte die Steuerbehörde eine elektronische Sperre für die Gutschriften, um die irreversible Verbreitung von Hunderten Millionen Euro zu verhindern, sobald diese in den Forderungsabtretungskreislauf gelangt waren. Die schnelle Koordination wurde als wesentlich für den Schutz öffentlicher Gelder beschrieben. Die Ermittlungen dauern an.


