Ein französisches Gericht hat den früheren Polizisten Gilles Guilbert wegen des Mordes an Olivio Gomes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Urteil fiel nach mehr als sechs Stunden Beratung; die Verteidigung kündigte umgehend Berufung an. Der Fall dreht sich um die Erschießung eines 28 Jahre alten Familienvaters nach einer Verfolgungsfahrt im Oktober 2020.
Zehn Jahre Haft wegen Mordes
Das Assisengericht von Versailles verurteilte Gilles Guilbert wegen der Tötung von Olivio Gomes zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren.
Notwehr nicht anerkannt
Gerichtspräsident Didier Safar erklärte, die Voraussetzungen der Notwehr seien nach objektiven Tatsachen nicht erfüllt gewesen.
Berufung angekündigt
Verteidiger Laurent-Franck Liénard legte direkt nach der Urteilsverkündung Berufung ein.
Ein französisches Gericht verurteilte den früheren Polizisten Gilles Guilbert am Freitag, dem 27. März, wegen des Mordes an Olivio Gomes zu zehn Jahren Haft. Gomes war 28 Jahre alt, Vater von drei Kindern und wurde in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober 2020 am Steuer seines Renault Clio in Poissy im Département Yvelines erschossen. Das Assisengericht von Versailles verkündete das Urteil nach mehr als sechs Stunden Beratung. Gerichtspräsident Didier Safar erklärte, die Voraussetzungen für Notwehr seien auf Grundlage objektiver Tatsachen nicht erfüllt. Das Urteil ist zwar für einen aktiven oder ehemaligen Beamten selten, bleibt aber deutlich unter der nach französischem Recht möglichen Höchststrafe von 30 Jahren wegen Mordes. Guilbert erhielt außerdem ein dauerhaftes Verbot, ein öffentliches Amt auszuüben, sowie ein Waffenführungsverbot. Sein Anwalt Laurent-Franck Liénard kündigte am Ende der Verhandlung sofort Berufung an.
Videoaufnahmen widersprachen der Polizeidarstellung zu riskantem Fahren Im Mittelpunkt des Verfahrens stand eine nächtliche Verfolgung, die auf dem Pariser Autobahnring begann und sich über etwa 20 Kilometer auf der Autobahn A13 bis zur Wohnsiedlung Beauregard in Poissy erstreckte, wo Gomes lebte. Guilbert und zwei Kollegen von der Anti-Kriminalitäts-Brigade verfolgten Gomes' Clio in einem schwarzen zivilen Passat ohne eingeschaltetes Blaulicht und ohne Sirene, nachdem das Fahrzeug sie überholt hatte. Die Polizei erklärte, Gomes sei mit hoher Geschwindigkeit und in Schlangenlinien gefahren. Von der Videoüberwachung ausgewertete Aufnahmen zeigten während der Verhandlung jedoch, dass das Fahrzeug zwar schnell unterwegs war, aber gegen die Straßenverkehrsordnung nicht verstieß. Am Fuß seines Wohnhauses hielt Gomes an und stellte den Motor ab. Guilbert verließ das Polizeifahrzeug und richtete seine Waffe auf Gomes, der daraufhin wieder losfuhr. Es fielen drei Schüsse; die zweite, tödliche Kugel durchschlug beide Lungen und die Brustschlagader von Gomes und tötete ihn noch am Tatort. „Gerechtigkeit für die Gesellschaft, das Opfer in diesem Fall des Verlusts eines der ihren in einem gewaltsamen Kontext, durch den Missbrauch seiner Vorrechte durch einen seiner Garanten.” — David Sénat via BFMTV
Die Anklage legte die Notwehrdarstellung des Beamten Punkt für Punkt auseinander Guilbert blieb während des gesamten Verfahrens bei seiner Darstellung, er habe befürchtet, überfahren zu werden, und habe deshalb keine andere Wahl gehabt, als zu schießen. „Ich habe keinen Grund, der Version der Polizei zu glauben, weil sie im Verfahren so viel gelogen hat, um Beweise zu konstruieren. Lügen über zu hohe Geschwindigkeit, über Schlangenlinien, über Blinker, über Verkehrsdichte, die betrügerische Absprache nach den Schüssen.” — David Sénat via 20minutes Der Staatsanwalt argumentierte, Gomes habe sein Fahrzeug nicht eingesetzt, um den Beamten anzugreifen, sondern um zu fliehen, und sagte dem Gericht, Gomes habe „der Polizei entkommen“ wollen. Gerichtspräsident Didier Safar erklärte bei der Urteilsverkündung unmittelbar, Guilbert habe zwar „immer behauptet, er habe sich sterben sehen“, die Voraussetzungen der Notwehr, die sich an objektiven Tatsachen messen lassen müssten, seien jedoch nicht erfüllt. Die Entscheidung der Jury, wegen Mordes und nicht wegen einer geringeren Straftat zu verurteilen, markiert ein erhebliches Ergebnis in einem Land, in dem Verfahren gegen Polizisten wegen Tötungen im Dienst selten sind. Le Monde bezeichnete die Verurteilung als historisch.
Das Urteil folgt auf jahrelange Verfahren wegen der Schüsse von 2020 In Frankreich wird seit mindestens 2017 dauerhaft über Polizeigewalt und Rechenschaftspflicht gestritten. Mehrere viel beachtete Fälle mit Todesopfern bei Polizeieinsätzen lösten Proteste und Forderungen nach Reformen aus. Die Anti-Kriminalitäts-Brigade stand wegen ihrer Methoden mehrfach im Zentrum von Kontroversen. Das französische Recht zum Einsatz tödlicher Gewalt durch die Polizei wurde 2017 ausgeweitet; Beamte durften seither in einem größeren Kreis von Situationen schießen, was Kritiker als Beitrag zu mehr tödlichen Polizeischüssen werteten. Der Fall Gomes aus dem Oktober 2020 wurde zu einer der prominentesten juristischen Auseinandersetzungen mit dem Notwehrrahmen, auf den sich Beamte nach solchen Vorfällen berufen. Olivio Gomes war zum Zeitpunkt seines Todes 28 Jahre alt und hinterließ nach Angaben von Le Parisien drei Kinder. Der Prozess hatte am vorangegangenen Montag begonnen, das Urteil fiel am letzten Freitag der einwöchigen Verhandlung. Guilbert, den 20minutes als leidenschaftlichen Sportschützen beschreibt, sah sich der Höchststrafe von 30 Jahren gegenüber; das Gericht verhängte zehn Jahre. Dass Guilbert nach der Urteilsverkündung unmittelbar mit einem Haftbefehl in Gewahrsam genommen wurde, bedeutete, dass er noch im Gerichtssaal festgesetzt wurde. Zwei Polizisten begleiteten ihn dabei in den gläsernen Bereich des Assisengerichts und setzten ihn dort, wie Le Monde berichtete, auf eine Bank. Die von Laurent-Franck Liénard angekündigte Berufung bedeutet, dass der Fall vor ein höheres Gericht kommt und das endgültige juristische Ergebnis offen bleibt.
Wichtige Stationen im Fall Olivio Gomes: — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Gilles Guilbert — Były funkcjonariusz brygady antyprzestępczej (BAC) skazany za zabójstwo
- Olivio Gomes — 28-letnia ofiara zastrzelona przez policję w październiku 2020 roku
- David Sénat — Prokurator, który określił sprawę jako nadużycie prerogatyw
- Didier Safar — Przewodniczący sądu przysięgłych w Wersalu
- Laurent-Franck Liénard — Adwokat Gilles’a Guilberta
Sources: 7 articles
- "Les conditions de la légitime défense (...) ne sont pas réunies": le policier qui a tué Olivio Gomes condamné à 10 ans de prison pour meurtre (BFMTV)
- Mort d'Olivio Gomes : condamnation historique d'un policier pour un " meurtre " suite à un refus d'obtempérer (Le Monde.fr)
- Le policier jugé pour le meurtre de l'automobiliste Olivio Gomes condamné à 10 ans de prison pour meurtre (Le Figaro.fr)
- Le policier qui a tué Olivio Gomes condamné à 10 ans de prison pour meurtre (Mediapart)
- Dix ans de prison pour le policier qui a tué un automobiliste en 2020 (20minutes)
- Olivio Gomes, un " mort en trop " : après la filature tragique d'octobre 2020, 10 ans de réclusion pour le policier de la BAC (Le Parisien)
- Au procès sur la mort d'Olivio Gomes, le policier condamné à dix ans de prison pour meurtre (Le Monde.fr)