Die Weltorganisation für Meteorologie sieht das Klimasystem der Erde so stark aus dem Gleichgewicht wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. In ihrem Bericht verweist sie auf eine beispiellose Wärmespeicherung, vor allem in den Ozeanen, sowie auf 2025 als eines der drei wärmsten Jahre seit 1850. UN-Generalsekretär António Guterres verknüpfte die Entwicklung zudem mit Fragen der Energie- und Sicherheitspolitik.
Elf wärmste Jahre in Folge seit 2015
Nach Angaben der WMO waren die Jahre von 2015 bis 2025 die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850. 2025 lag mit 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau unter 2024, gehörte aber zu den drei wärmsten Jahren überhaupt.
WMO rückt Energieungleichgewicht ins Zentrum
Erstmals hebt die WMO in ihrem globalen Klimabericht das planetare Energieungleichgewicht als zentrale Kennzahl hervor. Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Wärme werden demnach in den Ozeanen gespeichert.
Gletscher, Ozeane und Polareis unter Druck
Vorläufige Daten zeigen für 2024/25 eines der fünf schlechtesten Gletscherjahre seit Beginn der Messungen. Meereis und polare Eiskappen verzeichneten ebenfalls anhaltend hohe Verluste.
Guterres verweist auf Sicherheitsrisiken
UN-Generalsekretär António Guterres verband die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mit steigenden Energiepreisen und geopolitischer Instabilität, auch mit Blick auf die Straße von Hormus.
Die Weltorganisation für Meteorologie hat am 23. März 2026 gewarnt, das Klimasystem der Erde sei stärker aus dem Gleichgewicht geraten als jemals zuvor in der aufgezeichneten Geschichte. Zugleich veröffentlichte die Organisation einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass der Planet deutlich mehr Wärmeenergie aufnimmt, als er wieder in den Weltraum abgeben kann. Nach Angaben der WMO bilden die Jahre von 2015 bis 2025 die elf wärmsten Jahre seit Beginn der Messreihen im Jahr 1850. Im Jahr 2025 lag die globale durchschnittliche Lufttemperatur bei 1.43 (°C above pre-industrial levels) — globale Durchschnittstemperaturabweichung 2025 über dem vorindustriellen Niveau. Damit war 2025 eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Jahr 2024 fiel noch wärmer aus und erreichte etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Verstärkt wurde dies durch das Wetterphänomen El Niño. Ein vorübergehender Kühleffekt von La Niña dämpfte die Temperaturen 2025 im Vergleich zu 2024. Wissenschaftler warnen jedoch, die Erwärmung beschleunige sich inzwischen über alles hinaus, was in den instrumentellen Messreihen bislang beobachtet worden sei.
Kenngröße zum Energieungleichgewicht erscheint erstmals im WMO-Bericht Die WMO bezeichnete das „Energieungleichgewicht“ des Planeten als den umfassendsten Maßstab für die Störung des Klimasystems. In einem globalen Klimabericht stellte sie diese Kennzahl erstmals in den Vordergrund. Unter stabilen Bedingungen würde die von der Sonne eintreffende Wärmemenge in etwa der Energiemenge entsprechen, die die Erde wieder ins All abstrahlt. Treibhausgase haben dieses Gleichgewicht nach Darstellung der WMO jedoch gestört. Nach Angaben der Organisation werden mehr als 91 (%) — Anteil der überschüssigen Wärmeenergie, der in den Ozeanen gespeichert wird der überschüssigen Wärmeenergie in den Ozeanen gespeichert. Diese wirkten als Puffer gegen noch höhere Temperaturen an Land. Weitere drei Prozent der überschüssigen Energie trügen zum Abschmelzen von Gletschern und eisbedeckten Gebieten bei, fünf Prozent würden von Landflächen aufgenommen und nur ein Prozent von der Atmosphäre selbst. Die Konzentrationen von Treibhausgasen, darunter Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid, haben nach WMO-Angaben mindestens den höchsten Stand seit 800.000 Jahren erreicht. WMO-Chefin Celeste Saulo erklärte, menschliche Aktivitäten störten das natürliche Energiegleichgewicht zunehmend und die Folgen würden über Hunderte und Tausende von Jahren anhalten. „Menschliche Aktivitäten stören dieses natürliche Gleichgewicht zunehmend, und wir werden mit den Folgen über Hunderte und Tausende von Jahren leben.” — Celeste Saulo via Seznam Zprávy
Die WMO erfasst seit ihrer Gründung im Jahr 1950 globale Klimadaten und baut dabei auf Messreihen auf, die bis 1850 zurückreichen. Der El-Niño-Southern-Oscillation-Zyklus, der zwischen der warmen El-Niño- und der kühlen La-Niña-Phase wechselt, gilt seit Langem als wichtiger Treiber der Temperaturschwankungen von Jahr zu Jahr. Der aktuelle Bericht markiert das erste Mal, dass die WMO das planetare Energieungleichgewicht als zentrale Kennziffer in ihrem jährlichen Bericht zum Zustand des globalen Klimas hervorhebt. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist nach WMO-Angaben inzwischen so hoch wie seit mindestens zwei Millionen Jahren nicht mehr. Ursache sei die Verbrennung fossiler Energieträger seit der Industrialisierung.
Gletscher und Polareis verzeichneten 2025 Verluste nahe Rekordniveau Neben den Temperaturrekorden verwies die WMO auf eine Reihe physischer Indikatoren, die auf beschleunigte Veränderungen in den Erdsystemen hindeuten. Vorläufigen Daten zufolge erlebten die Gletscher weltweit im Zeitraum 2024/25 eines ihrer fünf schlechtesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Zugleich blieb das Meereis an beiden Polen während des größten Teils des Jahres 2025 auf oder nahe seinen Minimalständen. Die Ozeane erwärmten sich im vergangenen Jahr auf beispiellose Werte. Ausschlaggebend sei das rekordhohe Energieungleichgewicht gewesen. Auch die polaren Eiskappen schmolzen weiter mit erhöhter Geschwindigkeit. Wissenschaftler räumen ein, dass die genauen Mechanismen hinter dem Ausmaß der Wärmeakkumulation im vergangenen Jahrzehnt noch untersucht würden. Daran, dass wärmespeichernde Treibhausgase die Hauptursache sind, bestehe aus ihrer Sicht jedoch kein Zweifel. Der WMO-Bericht bezeichnete die CO2-Konzentration als die höchste seit mindestens zwei Millionen Jahren und führte den Anstieg auf menschliche Aktivitäten zurück, darunter die Verbrennung fossiler Energieträger.
2024: 1.55, 2025: 1.43
Guterres verknüpft Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mit Nahostkonflikt und Energiepreisen UN-Generalsekretär António Guterres reagierte auf den WMO-Bericht mit einer ungewöhnlich scharf formulierten Videobotschaft. Darin forderte er die Staaten auf, fossile Energieträger zugunsten erneuerbarer Energien aufzugeben, um Klima-, Energie- und nationale Sicherheit zugleich zu stärken. „Der Planet Erde wird über seine Belastungsgrenzen hinausgedrängt. Alle zentralen Klimaindikatoren stehen auf Rot.” — António Guterres via BBC Guterres stellte zudem einen direkten Zusammenhang zwischen der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und geopolitischer Instabilität her. Er verwies darauf, dass die Öl- und Erdgaspreise in den vergangenen Wochen stark gestiegen seien, nachdem es zu amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran gekommen war und anschließend die Straße von Hormus blockiert worden sei, eine zentrale Schifffahrtsroute für den Transport fossiler Energieträger. „Die Klimabelastung in dieser Kriegsphase zeigt noch eine weitere Wahrheit: Unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern destabilisiert sowohl das Klima als auch die globale Sicherheit.” — António Guterres via Seznam Zprávy Mit Blick nach vorn prognostizieren Wissenschaftler, dass Ende 2026 eine neue El-Niño-Phase beginnen dürfte. Das könnte die globalen Temperaturen auf neue Höchststände treiben und die in dem aktuellen WMO-Bericht dokumentierten Trends zusätzlich verstärken. Die Kombination aus einem zurückkehrenden El-Niño-Zyklus und dem zugrunde liegenden Energieungleichgewicht veranlasst Forscher zu der Warnung, dass die kommenden Jahre selbst die extremen Werte von 2024 noch übertreffen könnten.
Mentioned People
- António Guterres — Portugalski polityk i dyplomata, który od 2017 roku pełni funkcję dziewiątego sekretarza generalnego Organizacji Narodów Zjednoczonych.
Sources: 2 articles
- Klima se vychyluje z rovnováhy, varuje Světová meteorologická organizace (ČT24 - Nejdůvěryhodnější zpravodajský web v ČR - Česká televize)
- Clima da Terra está mais instável do que nunca, e El Niño pode levar a novos recordes de temperatura, alerta agência da ONU - BBC News Brasil (BBC)
- Klima na Zemi se stále více vychyluje z rovnováhy, varují meteorologové (Seznam Zprávy)
- Earth's heat imbalance hits record high as UN warns of lasting climate impact (RFI)
- WMO confirms hottest decade on record (SWI swissinfo.ch)
- Hazards mount for coastal areas as Earth's climate imbalance worsens (The Irish Times)
- UN warns planet is 'in a state of emergency' as global heat levels hit record high (TheJournal.ie)
- Earth's climate shows record energy imbalance - WMO (RTE.ie)
- Oceans take in a lot of heat as Earth's energy imbalance hits record (Financial Times News)
- El desequilibrio térmico del planeta crece: el 91% del calor extra se acumula en el océano (LaVanguardia)