Am Dienstag, den 7. April 2026, hat die vietnamesische Nationalversammlung To Lam einstimmig zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Damit vereint Lam erstmals in einem regulären Verfahren das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei und das des Staatsoberhaupts in Personalunion. Insgesamt stimmten 495 anwesende Abgeordnete für die Nominierung der Partei.

Historische Machtfülle

To Lam vereint als erster Führer in Vietnams moderner Ära regulär die Ämter des Parteichefs und des Staatspräsidenten.

Abkehr vom Kollektivmodell

Das seit den 1980er Jahren bestehende System der Machtverteilung auf vier Führungspersonen wird zugunsten einer zentralisierten Struktur aufgegeben.

Ehrgeizige Wirtschaftsziele

Lam strebt ein zweistelliges Wirtschaftswachstum an und will die Abhängigkeit von ausländischen Direktinvestitionen durch Stärkung des Privatsektors verringern.

Verschlankung des Staates

Umfassende Verwaltungsreformen führten zur Auflösung von acht Ministerien und zum Abbau tausender Stellen im öffentlichen Sektor.

Die vietnamesische Nationalversammlung hat To Lam am Dienstag, den 7. April 2026, einstimmig zum Staatspräsidenten gewählt. Damit werden die Rollen des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei und des Staatsoberhaupts zum ersten Mal im Rahmen eines regulären Auswahlprozesses in einer Person vereint. Alle 495 (Abgeordneten) — anwesenden Abgeordneten der Nationalversammlung stimmten für den Vorschlag der Kommunistischen Partei; fünf Parlamentarier blieben der Sitzung fern. Dieser Schritt beendet formell das jahrzehntealte Modell der kollektiven Führung Vietnams, bei dem die höchsten Partei- und Staatsämter von verschiedenen Personen besetzt wurden, und zieht direkte Vergleiche zur Regierungsstruktur des benachbarten Chinas unter Xi Jinping. Der 68-jährige To Lam bekleidet nun zwei der vier Spitzenpositionen im vietnamesischen Führungssystem, zu dem auch der Premierminister und der Vorsitzende der Nationalversammlung gehören. Die Nationalversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Tran Thanh Man gab das Wahlergebnis im Anschluss an die Abstimmung bekannt.

„Hundert Prozent der Abgeordneten der Nationalversammlung haben der Resolution über die Wahl des Genossen To Lam zum Präsidenten für die Mandatsperiode 2026-2031 zugestimmt” — Tran Thanh Man via Notícias ao Minuto

Vietnam agierte seit den Doi Moi-Reformen der 1980er Jahre unter einem System der kollektiven Führung, bei dem die Macht auf vier Spitzenpositionen verteilt war: den Parteigeneralsekretär, den Staatspräsidenten, den Premierminister und den Vorsitzenden der Nationalversammlung. To Lam hielt bereits im Jahr 2024 nach dem Tod von Generalsekretär Nguyen Phu Trong kurzzeitig sowohl das Amt des Parteichefs als auch das des Präsidenten inne, bevor er die Präsidentschaft im Oktober desselben Jahres an Armeegeneral Luong Cuong abgab. Im Januar 2026 wurde er erneut zum Generalsekretär gewählt. Die aktuelle Wahl markiert das erste Mal, dass ein vietnamesischer Führer formell durch reguläre Parteiprozesse und nicht durch eine Nachfolgeregelung infolge eines Todesfalls zeitgleich für beide Ämter gewählt wurde.

Analysten warnen vor Autoritarismus, sehen aber Chancen für schnellere Reformen Politische Analysten äußerten sich geteilter Meinung zur Machtkonzentration und nannten sowohl Risiken als auch potenzielle Vorteile für Vietnams Reformagenda. Le Hong Hiep, leitender Mitarbeiter am ISEAS-Yusof Ishak Institute in Singapur, warnte, dass die Konzentration der Autorität auf eine Person den Autoritarismus innerhalb des Einparteienstaates verstärken könnte.

„Die Konzentration größerer Macht in den Händen von To Lam könnte Risiken für Vietnams politisches System bergen, wie beispielsweise einen zunehmenden Autoritarismus” — Le Hong Hiep via Reuters

Alexander Vuving vom Asia-Pacific Center for Security Studies erklärte, dass das Doppelmandat die Innenpolitik Vietnams in eine neue Normalität überführen werde, wodurch alte Annahmen über eine kollektive Führung hinfällig würden. Nguyen Khac Giang, Gaststipendiat ebenfalls am ISEAS-Yusof Ishak Institute, bezeichnete das entstehende Modell als eine asymmetrische Form der kollektiven Führung, bei der eine Person die Richtung vorgibt und die Umsetzung vorantreibt – eine Struktur, die die Entscheidungsfindung beschleunigen und entschlossener gestalten könnte, gerade während Vietnam ehrgeizige Reformen verfolgt. Giang gab jedoch zu bedenken, dass diese Reformen vom ersten Tag an die Unterstützung aller Fraktionen und des Staatsapparats benötigen würden. Die Konsolidierung verschaffe To Lam ein stärkeres Mandat und mehr politischen Spielraum für seine Agenda als jedem anderen vietnamesischen Führer seit den 1980er Jahren, so Nguyen Khac Giang.

Umfassende Reformen und zweistellige Wachstumsziele prägen Lams Agenda To Lam baute seine politische Karriere als Leiter des Ministeriums für öffentliche Sicherheit auf, wo er eine umfassende Antikorruptionskampagne leitete, die zur Verhaftung hunderter Bürokraten und hoher Beamter führte. Kritiker warfen ihm vor, das Vorgehen gegen politische Rivalen genutzt zu haben, obgleich er von ausländischen Investoren weithin als wirtschaftsfreundlich angesehen wird. Als Parteichef initiierte er weitreichende Verwaltungsreformen, legte Provinzen zusammen, strich acht Ministerien und baute im Zuge einer Umstrukturierung tausende Stellen im öffentlichen Sektor ab – eine Maßnahme, die in der Öffentlichkeit unterschiedlich aufgenommen wurde. Er hat Gesetze auf den Weg gebracht, um den Privatsektor zur wichtigsten Wirtschaftskraft des Landes zu machen, die Abhängigkeit von ausländischen Direktinvestitionen zu verringern und ein neues Wachstumsmodell anzusteuern, das in den nächsten fünf Jahren ein zweistelliges jährliches Wachstum anstrebt. Zudem unterstützte er den Ausbau privater Konglomerate, während er gleichzeitig Richtlinien erließ, die die Rolle staatseigener Unternehmen betonten, um Parteitraditionalisten zu beruhigen. Seine Unterstützung für nationale Vorzeigeunternehmen hat bei einigen Analysten Besorgnis über Begünstigungen, Korruptionsrisiken und das Potenzial für Spekulationsblasen hervorgerufen.

„Unser Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, damit alle an den Vorteilen der Entwicklung teilhaben können” — To Lam via Deutsche Welle

Der Aufstieg von To Lam zur konsolidierten Macht: — ; — ; — ; — ; — Wahl eines neuen Premierministers in derselben Sitzung Die Nationalversammlung sollte am Dienstag zudem einen neuen Premierminister wählen, um den scheidenden Pham Minh Chinh zu ersetzen, der seit 2021 im Amt war. Die Wahl eines neuen Regierungschefs war Teil der umfassenderen personellen Neuausrichtung, die mit To Lams formeller Übernahme der Präsidentschaft einherging. Auf internationaler Bühne, so Analysten, werde To Lam vor der Herausforderung stehen, Vietnams sogenannte Bambus-Diplomatie beizubehalten – das geschickte Balancieren der Beziehungen zwischen den USA und China, deren Rivalität das strategische Umfeld für südostasiatische Nationen zunehmend prägt. Vietnam hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Standorte für Hersteller entwickelt, die ihre Produktion aus China abziehen, weshalb politische Stabilität für ausländische Investoren ein zentrales Anliegen ist. In seiner Rede nach der Vereidigung beschrieb To Lam sein Doppelmandat als nationale Pflicht.

„Die Verantwortung als Generalsekretär und Präsident zu übernehmen, ist für mich eine immense Ehre... eine Verantwortung sowie eine heilige und edle Pflicht” — To Lam via La Libre.be

Mentioned People

  • To Lam — Sekretarz Generalny Komunistycznej Partii Wietnamu i 15. Prezydent Wietnamu
  • Tran Thanh Man — 13. Przewodniczący Zgromadzenia Narodowego Wietnamu
  • Pham Minh Chinh — Ósmy Premier Wietnamu
  • Le Hong Hiep — Ekspert z Instytutu ISEAS-Yusof Ishak

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