Der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, hat am Mittwoch seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen bekannt gegeben. Damit beginnt unmittelbar vor dem Parteitag im Juni 2026 in Potsdam die Suche nach einer Nachfolge. Bereits am Donnerstagmorgen kündigte Luigi Pantisano, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag, seine Kandidatur an.
Rücktritt von Jan van Aken
Der Co-Vorsitzende der Linken tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück, nachdem er die Partei zu 8,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 geführt hatte.
Kandidatur von Luigi Pantisano
Der Bundestagsabgeordnete Pantisano bewirbt sich um die Nachfolge und könnte der erste Linken-Chef mit Migrationshintergrund werden.
Unterstützung durch Ines Schwerdtner
Co-Vorsitzende Schwerdtner kandidiert erneut und befürwortet eine Zusammenarbeit mit Pantisano in einer künftigen Doppelspitze.
Herausforderungen auf Landesebene
Trotz des Erfolgs im Bund scheiterte die Partei zuletzt an der Fünf-Prozent-Hürde in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Jan van Aken hat am Mittwoch seinen Rücktritt als Co-Vorsitzender der Linkspartei Die Linke aus gesundheitlichen Gründen erklärt. Dies löste umgehend einen Wettbewerb um seine Nachfolge im Vorfeld des Bundesparteitags im Juni 2026 in Potsdam aus. Luigi Pantisano, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, gab am nächsten Morgen seine Kandidatur bekannt, um van Aken an der Seite der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner zu ersetzen. Van Aken und Schwerdtner führten die Partei seit Oktober 2024 und leiteten eine Erholung ein, die bei der Bundestagswahl 2025 in einem 8.8 (Prozent) — Wähleranteil der Linken von 8,8 Prozent mündete. Damit kehrte die Partei nach einer Phase des drohenden Zerfalls in das Parlament zurück. Van Aken schloss seine Rücktrittserklärung mit einer für ihn charakteristischen Bekräftigung seiner langjährigen Position. „Im Übrigen bin ich immer noch der Meinung, dass es keine Milliardäre geben sollte.” — Jan van Aken via DIE WELT
Pantisano wäre erster Parteivorsitzender mit Migrationshintergrund Luigi Pantisano, 46, geboren in Waiblingen bei Stuttgart, erklärte seine Kandidatur formell auf seiner persönlichen Website und beschrieb diesen Schritt als eine Entscheidung, die er mit „großer Demut“ treffe. Er gehört dem Bundestag seit 2025 an und bekleidet das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion. Pantisanos Eltern wanderten 1979, dem Jahr seiner Geburt, aus Italien aus, um ihren vier Kindern bessere Chancen zu ermöglichen. Sie arbeiteten in Fabriken und stellten, wie er schrieb, „die Bücher her, die sie selbst nie lesen durften“. Sollte er auf dem Potsdamer Parteitag gewählt werden, wäre er der erste Vorsitzende der Linken mit Migrationshintergrund – ein Merkmal, das mehrere Medien als Ausdruck der sich wandelnden Identität der Partei werteten. Pantisano nannte den jüngsten Mitgliederzuwachs als Beleg für eine Dynamik, auf der man aufbauen müsse. Er formulierte das Ziel, die Partei auf 200.000 Mitglieder zu erweitern, und kündigte eine bundesweite Tournee durch Kreisverbände und Betriebe an. „Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert. Wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.” — Luigi Pantisano via N-tv
Schwerdtner unterstützt Pantisano, Wahl auf Parteitag bleibt jedoch offen Ines Schwerdtner, die seit Oktober 2024 als Co-Vorsitzende fungiert und seit 2025 ein direkt gewonnenes Bundestagsmandat hält, bestätigte ihre Absicht, beim Parteitag im Juni erneut zu kandidieren. Sie sprach sich für Pantisano aus und erklärte gegenüber der Berliner Zeitung, sie könne sich eine Doppelspitze mit ihm „sehr gut vorstellen“, wobei sie auf ein bestehendes Vertrauensverhältnis verwies. Den Abschied van Akens bezeichnete Schwerdtner als „traurig“, betonte jedoch, dass die Gesundheit Vorrang haben müsse. „Gesundheit geht vor, auch vor gemeinsamen politischen Projekten.” — Ines Schwerdtner via DIE WELT Sie schrieb den Aufschwung der Partei einer kollektiven Anstrengung zu und erklärte, die gemeinsame Zeit an der Spitze habe sie zusammengeschweißt. Die endgültige Entscheidung liegt bei den Delegierten in Potsdam; bis Donnerstagmorgen waren keine weiteren Kandidaturen öffentlich bekannt. Pantisanos Hintergrund als Mitbegründer des Netzwerks „Linkskanax“ und seine frühere Tätigkeit als Referent des ehemaligen Parteivorsitzenden Bernd Riexinger wurden von der Berliner Zeitung als prägende Stationen seines politischen Profils hervorgehoben.
Die Linke entstand im Juni 2007 durch den Zusammenschluss der WASG, einer Abspaltung der SPD, und der Linkspartei.PDS, die ihrerseits aus der SED hervorgegangen war. Van Aken, ein promovierter Biologe, der zwischen 2004 und 2006 als UN-Biowaffeninspektor tätig war, gehörte dem Bundestag von 2009 bis 2017 an und kehrte 2025 in das Parlament zurück. Er und Schwerdtner wurden im Oktober 2024 zu einem Zeitpunkt als Doppelspitze gewählt, als die Partei in Umfragen lediglich bei zwei bis drei Prozent lag.
Rückschläge bei Landtagswahlen trüben die positive Bilanz Der Führungswechsel erfolgt in einer Phase widersprüchlicher Signale für die Linke. Das Ergebnis von 8,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 unter van Aken und Schwerdtner stellte eine erhebliche Erholung gegenüber den Umfragetiefs vor ihrer Wahl dar. Dennoch scheiterte die Partei anschließend an der Fünf-Prozent-Hürde bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dieser Rückschlag verdeutlichte die Grenzen der bundesweiten Erholung auf regionaler Ebene. Pantisano interpretierte seine Kandidatur ausdrücklich als Fortsetzung des Kurses von van Aken und Schwerdtner. Er versprach, soziale Ungleichheit zu bekämpfen, rechten Tendenzen entgegenzutreten und die wirtschaftlichen Sorgen der Arbeitnehmer in den Fokus zu rücken. Er bezeichnete die Linke als das „Comeback des Jahres bei der Bundestagswahl“ und erklärte, es gelte nun, das Leben für arbeitende Menschen „wieder bezahlbar“ zu machen. Die Süddeutsche Zeitung merkte an, dass die notwendige Neuorganisation der Führung Risiken für eine Partei berge, die sich erst vor kurzem wieder stabilisiert habe. Der Parteitag in Potsdam Ende Juni 2026 wird darüber entscheiden, ob Pantisano das Vertrauen der Delegierten gewinnt, um die Partei künftig gemeinsam mit Schwerdtner zu führen.
Mentioned People
- Jan van Aken — Niemiecki polityk i poseł do Bundestagu od 2025 roku, ustępujący współprzewodniczący Die Linke
- Ines Schwerdtner — Współprzewodnicząca Die Linke od października 2024 roku i posłanka do Bundestagu z mandatem bezpośrednim od 2025 roku
- Luigi Pantisano — Poseł do niemieckiego Bundestagu od 2025 roku i wiceprzewodniczący frakcji Lewicy
Sources: 14 articles
- Linken-Vorsitz: Abgeordneter Pantisano kandidiert und will van Aken beerben (stern.de)
- Linke: "Aus gesundheitlichen Gründen" - Jan van Aken will Parteivorsitz niederlagen - WELT (DIE WELT)
- Deutschland-Blog: Linksfraktionsvize Pantisano kandidiert für Parteivorsitz (Frankfurter Allgemeine)
- Bundestagsabgeordneter Pantisano kandidiert für Linken-Vorsitz (stern.de)
- Der Tag: Erster Kandidat für Van Aken-Nachfolge wirft seinen Hut in den Ring (N-tv)
- Die Linke: Luigi Pantisano will Linken-Chef werden (Spiegel Online)
- Machtwechsel bei der Linken? Luigi Pantisano tritt für Parteichef-Posten an (Berliner Zeitung)
- Linksfraktionsvize Pantisano kandidiert für Parteivorsitz - WELT (DIE WELT)
- Linkspartei: Jan van Aken gibt sein Amt als Parteichef ab - Pantisano will Nachfolger werden (Süddeutsche Zeitung)
- Linksfraktionsvize Pantisano kandidiert für Parteivorsitz (stern.de)