Ein Pariser Strafgericht hat den Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wegen der Vergewaltigung von drei Frauen zu 18 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil erging in Abwesenheit und unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nachdem der dreitägige Prozess drei Wochen gedauert hatte und Ramadan nicht erschienen war. Das Gericht verhängte zudem ein dauerhaftes Einreiseverbot für Frankreich und ordnete eine internationale Fahndung an.
18 Jahre Haft in Abwesenheit
Das Pariser Strafgericht verurteilte Tariq Ramadan wegen Vergewaltigung von drei Frauen zu 18 Jahren Haft und ordnete ein dauerhaftes Einreiseverbot für Frankreich an.
Verteidigung spricht von Justizirrtum
Ramadans Anwälte verließen den Saal und verwiesen auf seine Erkrankung, doch gerichtlich bestellte Experten stuften ihn als verhandlungsfähig ein.
Vollstreckung bleibt ungewiss
Weil die Schweiz eigene Staatsbürger nicht ausliefert, ist offen, wie das französische Urteil tatsächlich vollstreckt werden kann.
Weitere Verurteilung in der Schweiz
Bereits 2024 hatte ein Genfer Kantonsgericht Ramadan zu drei Jahren Haft wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt.
Ein Pariser Strafgericht hat den Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan am Mittwoch wegen der Vergewaltigung von drei Frauen zu 18 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil erging in Abwesenheit und unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nachdem ein dreiwöchiger Prozess abgeschlossen worden war, an dem Ramadan nicht teilgenommen hatte. Die vorsitzende Richterin Corinne Goetzmann befand den 63-Jährigen der Vergewaltigung und der Vergewaltigung einer schutzbedürftigen Person für schuldig. Die Taten sollen zwischen 2009 und 2016 begangen worden sein. Das Gericht verhängte außerdem ein dauerhaftes Verbot, französisches Hoheitsgebiet nach Verbüßung der Strafe zu betreten, stellte ihn für acht Jahre unter gerichtliche Aufsicht und untersagte ihm, mit den Opfern Kontakt aufzunehmen oder Werke und öffentliche Stellungnahmen zu den Taten zu verbreiten. Ein internationaler Haftbefehl wurde ausgestellt, da die Strafe erst vollstreckt werden kann, wenn Ramadan auf französischem Boden festgenommen wird.
Anwälte verlassen den Saal und sprechen von einer „Parodie der Justiz“Ramadans vier Anwälte verließen während der Verhandlung den Gerichtssaal und bezeichneten das Verfahren als Justizirrtum. Sein Verteidigungsteam hatte erklärt, Ramadan könne nicht erscheinen, weil er wegen einer Verschlechterung seiner Multiplen Sklerose in Genf hospitalisiert sei. Zwei vom Gericht bestellte medizinische Sachverständige bestätigten jedoch, dass sein Gesundheitszustand stabil sei und er verhandlungsfähig sei. Richterin Goetzmann ordnete daraufhin an, dass das Verfahren ohne ihn fortgesetzt werde. Ramadan hatte zudem einer Auflage zuwidergehandelt, im Großraum Paris zu bleiben, und soll sich in der Schweiz aufhalten. Einer seiner Anwälte, Ouadie Elhamamouchi, reagierte scharf auf das Urteil. „Der Prozess endet, wie er begonnen hat: eine Farce. Da die Tatsachen extrem umstritten sind, spiegelt das harte Strafmaß, ergänzt um ein dauerhaftes Verbot für französisches Hoheitsgebiet, eine unerbittliche Verfolgung von Tariq Ramadan wider.” (Der Prozess endet, wie er begonnen hat: eine Farce. Da die Tatsachen extrem umstritten sind, spiegelt das harte Strafmaß, ergänzt um ein dauerhaftes Verbot für französisches Hoheitsgebiet, eine unerbittliche Verfolgung von Tariq Ramadan wider.) — Ouadie Elhamamouchi via AFPDa die Schweiz ihre eigenen Staatsbürger nicht an andere Länder ausliefert, bleibt laut Deutsche Welle unklar, wie das Urteil vollstreckt werden soll.
Aussagen der Betroffenen: erst Zustimmung, dann Gewalt – und ein veröffentlichter Name trotz VerbotRichterin Goetzmann erläuterte bei der Begründung des Urteils, dass die Betroffenen in Ermittlungen und Anhörungen sexuelle Kontakte geschildert hätten, die zunächst einvernehmlich gewesen und dann aggressiv geworden seien. Der erste Fall betraf eine schwere Vergewaltigung unter Gewaltanwendung an einer schutzbedürftigen Person, die im Oktober 2009 in Lyon begangen worden sein soll. Eine Frau habe Ramadan nach einem seiner Vorträge in einer Hotelbar kennengelernt und sei in sein Zimmer gelockt worden. Der zweite Fall betrifft eine Vergewaltigung im Jahr 2012 in Paris gegen die frühere Salafistin und später säkulare Aktivistin Henda Ayari, die im Oktober 2017 Strafanzeige stellte und nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen einen MeToo-Moment unter jungen muslimischen Frauen auslöste. Ein dritter Fall betrifft eine weitere Frau und Ereignisse aus dem Jahr 2016. In einem gesonderten Verfahren wurde Ramadan zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem sein Buch „Duty to Truth“ Christelles echten Namen trotz eines gerichtlichen Verbots 84-mal genannt hatte. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit auch deshalb statt, weil eine Betroffene, die unter dem Pseudonym Christelle auftrat, Drohungen und Angriffe von Ramadans Unterstützern befürchtete. „Die Zustimmung zu sexuellen Handlungen bedeutet nicht, dass man jeder sexuellen Handlung zustimmt, ganz gleich, welcher Art sie ist.” — Corinne Goetzmann via SWI swissinfo.ch
Schweizer Verurteilung liegt bereits vor, Auslieferung wegen Staatsbürgerschaft blockiertDas Pariser Urteil ist nicht Ramadans erste strafrechtliche Verurteilung. Ein Schweizer Genfer Kantonsgericht befand ihn im August 2024 der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung einer Frau schuldig, die er im Oktober 2008 in einem Genfer Hotel kennengelernt hatte, und verurteilte ihn zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr auf Bewährung. Im Sommer 2025 wies das Schweizer Bundesgericht Ramadans Berufung gegen dieses Urteil zurück. Ramadan war seit Ende 2017 von seiner Professur für zeitgenössische Islamwissenschaften an der Universität Oxford beurlaubt, nachdem die Vorwürfe sexueller Übergriffe erstmals öffentlich geworden waren. Er ist der in Genf geborene Enkel von Hassan al-Banna, der in Ägypten die Muslimbruderschaft gegründet hatte. Ramadan hat alle Vorwürfe durchgehend bestritten und sich nach eigenen Worten als den „Dreyfus“ seiner Zeit bezeichnet. Zugleich warf er den französischen Behörden Islamfeindlichkeit vor.Wichtige Daten in den Verfahren gegen Tariq Ramadan: — ; — ; — ; — ; — ; — ; — ; — 18 (years) — Vom Pariser Strafgericht verhängte HaftstrafeDer Fall Ramadan entwickelte sich zu einem der prominentesten Strafverfahren aus der weltweiten Welle von Vorwürfen sexueller Übergriffe, die nach 2017 an Dynamik gewann. Henda Ayaris Anzeige vom Oktober 2017 gehörte zu den ersten, die sich gegen eine bekannte muslimische Persönlichkeit in Frankreich richteten, und ermutigte weitere Frauen, sich zu melden. Ramadan war über Jahre hinweg ein gefeierter Redner in Frankreichs muslimischen Einwanderercommunities, besonders unter jungen Menschen in den Banlieues, und hatte akademische Positionen in Oxford sowie Gastrollen an Universitäten in Katar und Marokko inne. Sein Großvater Hassan al-Banna gründete in den 1920er Jahren die Muslimbruderschaft in Ägypten, eine Organisation, die zu den einflussreichsten islamistischen Bewegungen weltweit wurde. Ramadan verbrachte zehn Monate in französischer Untersuchungshaft, bevor er freikam.
Mentioned People
- Tariq Ramadan — Szwajcarski muzułmański wykładowca, filozof i pisarz, profesor współczesnych studiów nad islamem na Uniwersytecie Oksfordzkim
- Corinne Goetzmann — Przewodnicząca składu sędziowskiego sądu karnego w Paryżu
- Henda Ayari — Była salafitka i świecka aktywistka, która złożyła pierwsze zawiadomienie o przestępstwie w 2017 roku
- Hassan al-Banna — Egipski nauczyciel i imam, najbardziej znany jako założyciel Bractwa Muzułmańskiego
- Ouadie Elhamamouchi — Adwokat reprezentujący Tariqa Ramadana
Sources: 10 articles
- Tribunal condena Tariq Ramadan à revelia a 18 anos de prisão por violação (Notícias ao Minuto)
- Tariq Ramadan: Islamforscher wegen mehrfacher Vergewaltigung zu 18 Jahren Haft verurteilt - WELT (DIE WELT)
- France: Islamic scholar Tariq Ramadan gets 18 years for rape (Deutsche Welle)
- Islamoloog Tariq Ramadan krijgt in Parijs 18 jaar cel voor verkrachtingen (Telegraaf)
- Tariq Ramadan: 18 Jahre Haft wegen Vergewaltigung (Frankfurter Allgemeine)
- Islamforscher Ramadan wegen Vergewaltigung zu 18 Jahren Haft verurteilt (stern.de)
- Islamwissenschaftler Ramadan wegen Vergewaltigung verurteilt (SWI swissinfo.ch)
- France: l'islamologue Tariq Ramadan condamné par défaut à une peine de 18 ans pour viols (La Libre.be)
- Urteil in Paris: Prediger Ramadan wegen Vergewaltigung verurteilt (RP Online)
- Tariq Ramadan wegen Vergewaltigung zu 18 Jahren Haft verurteilt (Neue Zürcher Zeitung)