Israels Polizei hat den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, und Francesco Ielpo am Palmsonntag vom Zugang zur Grabeskirche abgehalten. Die Patriarchatsleitung sprach von einem Vorgang ohne Vorbild in Jahrhunderten; wenig später nahm Ministerpräsident Benjamin Netanyahu die Entscheidung zurück. Auslöser waren nach Polizeiangaben Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Israel und Iran.
Polizei verweigert zunächst Zugang
Israels Polizei hielt Pierbattista Pizzaballa und Francesco Ielpo am Palmsonntag von der Grabeskirche fern und begründete das mit Sicherheitsrisiken im Krieg zwischen Israel und Iran.
Internationale Kritik folgt sofort
Vor allem Italien reagierte scharf. Auch Frankreich und Spanien kritisierten das Vorgehen, bevor Netanyahu die Entscheidung noch am selben Abend zurücknahm.
Kirche spricht von Missverständnis
Die Lateinische Patriarchie betonte, es habe nur um eine kleine private Feier ohne Publikum gegangen. Am Montagmorgen wurde ein begrenzter Gebetsrahmen genehmigt.
Israels Polizei hat Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, und Pater Francesco Ielpo, den Wächter des Heiligen Landes, am Palmsonntag, dem 29. März 2026, am Betreten der Grabeskirche gehindert. Die Lateinische Patriarchie von Jerusalem erklärte, damit sei erstmals seit Jahrhunderten ein solcher Bann gegen katholische Geistliche an diesem Ort verhängt worden. Die israelische Polizei hatte die Kirchenverantwortlichen bereits am Samstag informiert, dass wegen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem andauernden Krieg mit Iran keine Messe stattfinden dürfe. Als Gründe nannte sie auch den fehlenden Zugang für Rettungsfahrzeuge in den engen Gassen der Altstadt von Jerusalem und das Fehlen ausreichender Schutzräume. Die Patriarchie betonte, die geplante Feier sei vollständig privat gewesen; daran hätten nur wenige Geistliche teilgenommen, eine öffentliche Versammlung sei nicht vorgesehen gewesen. Kardinal Pizzaballa feierte die Messe stattdessen in einer Basilika am Fuß des Ölbergs. Der Vorfall löste umgehend internationale Kritik aus. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nahm die Entscheidung noch am selben Abend zurück und teilte auf X mit, er habe die Behörden angewiesen, dem Patriarchen sofort und vollständig Zugang zur Kirche zu gewähren.
Netanyahu verweist auf Raketenteile nahe der Kirche Die israelischen Behörden verteidigten das ursprüngliche Verbot mit der Sicherheitslage in Jerusalem seit Beginn des Kriegs mit Iran am 28. Februar 2026. Netanyahu erklärte auf X, Iran habe wiederholt heilige Stätten aller drei monotheistischen Religionen in Jerusalem mit ballistischen Raketen angegriffen, und bei einem Angriff seien Raketenteile wenige Meter von der Grabeskirche entfernt niedergegangen. Seit Kriegsbeginn haben die israelischen Behörden größere Versammlungen an religiösen Stätten untersagt, die Teilnehmerzahl auf etwa 50 Personen begrenzt und die heiligen Stätten der Altstadt für alle Religionsgemeinschaften geschlossen. Die Polizei sagte, die Beschränkungen an Heiligtümern ohne standardisierte geschützte Räume – wie der Kirche, die tief in einem Labyrinth enger Gassen liegt – sollten Gläubige vor iranischen Angriffen schützen. Die Lateinische Patriarchie wies diese Begründung zurück und verwies darauf, dass die Kirche seit Kriegsbeginn nicht öffentliche Messen ausgerichtet habe. Zudem sei nicht erkennbar, warum eine private Feier mit wenigen Geistlichen ein anderes Sicherheitsrisiko darstellen solle. Der Sprecher Farid Jubran sagte, die Kirche habe ausdrücklich nur die Genehmigung für eine kleine Zahl von Geistlichen für eine private Zeremonie beantragt, nicht für eine öffentliche Veranstaltung. „Es ist ein sehr, sehr heiliger Tag für Christen, und aus unserer Sicht gab es keine Rechtfertigung für eine solche Entscheidung oder ein solches Vorgehen” — Farid Jubran via AP News
Italien führt die Kritik an, Botschafter nach Rom einbestellt Der Vorfall löste die deutlichste diplomatische Reaktion in Italien aus, wo Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Vize-Ministerpräsident sowie Außenminister Antonio Tajani die Reaktion der Regierung anführten. Meloni bezeichnete das Verbot als Beleidigung nicht nur der Gläubigen, sondern jeder Gemeinschaft, die Religionsfreiheit anerkenne, und rief Kardinal Pizzaballa persönlich an, um ihm und der italienischen Regierung ihre Verbundenheit zu versichern. Tajani nannte das Verbot unakzeptabel und bestellte den israelischen Botschafter nach Rom ein. Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach von einem beunruhigenden und beispiellosen Vorgang. Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Entscheidung der israelischen Polizei, und auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez kritisierte das Vorgehen. Israel reagierte laut LaSexta besonders auf die Kritik aus Spanien und warf Sánchez vor, Iran zu unterstützen, statt Religionsfreiheit zu verteidigen. Der israelische Botschafter in Rom, Jonathan Peled, räumte ein, Israel hätte sich von Italien eine andere Reaktion gewünscht, bezeichnete das Verhältnis aber als offenen und ehrlichen Dialog zwischen Freunden, die unterschiedliche Ansichten haben können. Papst Leo XIV. äußerte sich während seines Angelus auf dem Petersplatz am Palmsonntag in Verbundenheit mit den Christen im Nahen Osten, die unter den Folgen eines furchtbaren Konflikts litten und die liturgischen Riten der heiligen Tage vielerorts nicht vollständig begehen könnten.
Begrenzter Gebetsrahmen bis Montagmorgen genehmigt Spät am Sonntagabend schrieb Netanyahu auf X, er habe die zuständigen Behörden persönlich angewiesen, Kardinal Pizzaballa vollen und sofortigen Zugang zur Grabeskirche zu gewähren. Er stellte seine Kehrtwende als Reaktion auf die Kenntnis des Vorfalls dar. „Ich habe die zuständigen Behörden angewiesen, damit Kardinal Pierbattista Pizzaballa, lateinischer Patriarch, voller und sofortiger Zugang zur Grabeskirche in Jerusalem gewährt wird” — Benjamin Netanyahu via ANSA.it Am frühen Montagmorgen teilte die israelische Polizei einen begrenzten Gebetsrahmen für das Heiligtum mit, der in Abstimmung mit der Lateinischen Patriarchie entwickelt worden sei und nach ihren Angaben die Religionsausübung ermöglichen solle, ohne die Sicherheitsmaßnahmen aufzugeben. Kardinal Pizzaballa selbst sprach von einem Missverständnis und sagte, die Patriarchie habe nichts Öffentliches beantragt, sondern nur eine kurze und kleine private Zeremonie, um die Idee der Feier an der Grabeskirche aufrechtzuerhalten. Der Vorfall ereignete sich in der Karwoche, der wichtigsten Zeit im christlichen Kirchenjahr, in der der Palmsonntag den Beginn der Feiern markiert, die zu Ostern führen. Die Grabeskirche, errichtet an dem Ort, an dem Christen die Kreuzigung und die Bestattung Jesu verorten, gilt als die heiligste Stätte des Christentums.
Die Grabeskirche ist seit Jahrhunderten ein Mittelpunkt christlicher Pilgerfahrten und religiöser Praxis. Die traditionelle Palmsonntagsprozession in Jerusalem zieht normalerweise Zehntausende Christen aus aller Welt an, die vom Ölberg durch die Straßen der Altstadt zur Kirche ziehen. Der Status quo für den Zugang zu Jerusalems heiligen Stätten ist eine seit langem bestehende Regelung, die die Rechte verschiedener Religionsgemeinschaften an gemeinsam genutzten heiligen Orten festlegt, und jeder wahrgenommene Verstoß dagegen hat erhebliches diplomatisches und religiöses Gewicht. Der Krieg zwischen Israel und Iran, der am 28. Februar 2026 begann, hat die israelischen Behörden dazu veranlasst, weitreichende Beschränkungen für Versammlungen an religiösen Stätten in ganz Jerusalem zu verhängen, von denen muslimische, jüdische und christliche Gemeinschaften gleichermaßen betroffen sind.
Mentioned People
- Pierbattista Pizzaballa — Włoski hierarcha katolicki, który od 2020 roku pełni funkcję łacińskiego patriarchy Jerozolimy
- Francesco Ielpo — Gwardian Ziemi Świętej i członek zakonu braci mniejszych
- Benjamin Netanyahu — Premier Izraela
- Giorgia Meloni — Prezes Rady Ministrów Republiki Włoskiej od października 2022 roku
- Antonio Tajani — Wicepremier Włoch i minister spraw zagranicznych od października 2022 roku
- Emmanuel Macron — Prezydent Francji
- Pedro Sánchez — Premier Hiszpanii
- Leo XIV — Papież Kościoła katolickiego od maja 2025 roku
Sources: 59 articles
- Jerusalem: Kein Zutritt zur Grabeskirche - ein Affront für Christen weltweit (SRF News)
- Gerusalemme, il cardinale Pizzaballa bloccato dalla polizia israeliana prima della Messa al S. Sepolcro: "Non è mai successo,"dispiace che questo sia accaduto" (Tgcom24)
- Einigung nach Eklat um Zugang zu Grabeskirche für Kardinal Pizzaballa (Frankfurter Allgemeine)
- Nach Kritik: Kardinal kann jetzt doch in Grabeskirche (Deutsche Welle)
- Netanyahu recula y permite al jefe de la Iglesia Católica acceder al Santo Sepulcro tras un "malentendido" (LaSexta)
- Eklat in Jerusalem - Kardinal darf nun doch in Grabeskirche (Bayerischer Rundfunk)
- Policía israelí impide a líderes católicos celebrar misa de Domingo de Ramos en iglesia de Jerusalén (AP NEWS)
- Santo Sepolcro vietato a Pizzaballa. Ira della Meloni, le scuse di Israele (il Giornale.it)
- Pizzaballa, Netanyahu concede accesso al Santo Sepolcro. Polizia: "Cerimonie Pasqua solo simboliche" (Adnkronos)
- Mideast: Latin Patriarch allowed to enter Jerusalem holy site after Italy, other western nations deplore police ban on Palm Sunday (Adnkronos)