Beim EU-Gipfel hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán seine Zustimmung zu einem 90 Milliarden Euro schweren Kredit für die Ukraine verweigert. Aus Berlin, Paris und von der EU-Kommission kam umgehend scharfe Kritik. Während Kanzler Friedrich Merz von einem erheblichen Vertrauensbruch sprach, kündigte Ursula von der Leyen an, der Kredit werde „so oder so“ zustande kommen.
Orbán verweigert Zustimmung
Ungarns Ministerpräsident blockierte beim EU-Gipfel einen 90 Milliarden Euro schweren Kredit für die Ukraine, für den Einstimmigkeit erforderlich ist.
Kritik aus Berlin, Paris und Brüssel
Friedrich Merz sprach von einem „schwerwiegenden Vertrauensbruch“, Emmanuel Macron forderte eine Umsetzung „ohne Verzögerung“, und Ursula von der Leyen kündigte eine Alternative an.
Kommission sucht Ausweg
Von der Leyen sagte, die EU werde den Kredit für Kyjiw „so oder so“ garantieren, nannte aber keinen konkreten rechtlichen oder finanziellen Mechanismus.
Orbán verweist auf Energiepolitik
Er begründete sein Nein mit der Abhängigkeit von russischem Öl und warnte vor einem „Energieschock“, falls die EU ihren Kurs fortsetzt.
Meloni-Bericht dementiert
Der Palazzo Chigi wies einen Politico-Bericht zurück, wonach Giorgia Meloni Verständnis für Orbáns Position geäußert haben soll.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat bei einem EU-Gipfel seine Zustimmung zu einem 90 Milliarden Euro schweren Kredit für die Ukraine verweigert und damit deutliche Kritik aus Deutschland, Frankreich und von der Europäischen Kommission ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete Orbáns Haltung als einen „schwerwiegenden Vertrauensbruch“ und als einen „Akt erheblicher Illoyalität“, der Folgen haben werde. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verlangte, die Entscheidung über das 90 Milliarden Euro umfassende Hilfspaket für Kyjiw müsse „ohne Verzögerung“ umgesetzt werden. Treffen des Europäischen Rates dieser Art erfordern Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten. Damit verfügt jede einzelne Regierung faktisch über ein Vetorecht bei gemeinsamen finanziellen Verpflichtungen. Die Auseinandersetzung ließ Orbán unter seinen EU-Kollegen isoliert erscheinen, doch nach einem Bericht der ANSA hielt er seine Position die ganze Nacht über aufrecht.
Von der Leyen kündigt an, dass der Kredit dennoch kommen soll Präsidentin Ursula von der Leyen von der Europäischen Kommission erklärte, die EU werde den Kredit für Kyjiw „so oder so“ garantieren. Das deutet darauf hin, dass Brüssel einen Weg finden will, auch ohne einstimmige Zustimmung voranzukommen. Ihre Aussage spiegelte die breitere Entschlossenheit der großen EU-Staaten wider, nicht dauerhaft zuzulassen, dass ein einzelner Mitgliedstaat die finanzielle Unterstützung für die Ukraine blockiert. Die Summe von 90 Milliarden Euro ist erheblich und als Kredit, nicht als direkter Zuschuss, konstruiert. Von der Leyen erläuterte in ihren öffentlichen Äußerungen nicht, auf welchen alternativen rechtlichen oder finanziellen Mechanismus sich die Kommission dabei stützen könnte. Ihre Bemerkungen fielen, während andere Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel noch in Beratungen waren. 90 (billion euros) — EU-Kreditpaket für die Ukraine von Ungarn blockiert
Orbán warnt vor Energieschock bei einem Stopp russischen Öls Orbán begründete seine Ablehnung damit, dass die Europäische Union wirtschaftlich ohne russisches Öl nicht bestehen könne. Zugleich warnte er vor einem „Energieschock“, falls die Union auf ihrem derzeitigen Kurs bleibe. Damit stellte er sich gegen die deutliche Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten, die seit Russlands großangelegtem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 daran arbeitet, die Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern. Russland begann im Februar 2022 seinen großangelegten Angriff auf die Ukraine. Daraufhin verabschiedete die Europäische Union mehrere Sanktionspakete gegen Moskau, darunter Maßnahmen gegen russische Energieexporte. Die EU-Mitgliedstaaten verfolgen seither unterschiedliche Strategien, um ihre Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu senken. Länder in Mittel- und Osteuropa, darunter Ungarn, waren wegen bestehender Pipeline-Infrastruktur historisch stärker auf russische Energielieferungen angewiesen. Orbán argumentiert seit Langem, die Kosten der Energieumstellung träfen Länder wie Ungarn überproportional, weil sie weiter an russische Lieferketten gebunden seien. Seine Regierung hat zudem engere diplomatische Beziehungen zu Moskau aufrechterhalten als jeder andere EU-Mitgliedstaat. Diese Haltung hat Budapest wiederholt in Konflikt mit Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten gebracht. Trotz des Drucks wich Orbán laut ANSA bis zum Ende der Gipfelsitzung nicht von seiner Position ab.
Melonis Büro weist Bericht über Verständnis für Orbán zurück Ein Bericht von Politico hatte behauptet, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni habe den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel gesagt, sie „verstehe“ Orbáns Haltung zur Ukraine. Das hätte auf ein gewisses Maß an Übereinstimmung zwischen Rom und Budapest in dieser Frage hingedeutet. Der Palazzo Chigi, das Amtssitz- und Regierungsbüro der italienischen Ministerpräsidentin, wies den Politico-Bericht zurück. Das Dementi unterstrich, wie sensibel jede wahrgenommene Annäherung an Orbáns Position in einem Moment ist, in dem die Geschlossenheit der EU bei der Unterstützung der Ukraine besonders genau beobachtet wird. Meloni hat in der EU bereits mehrfach eine heikle Balance halten müssen: Sie unterstützt die Ukraine formal, führt zugleich aber eine rechte Koalition, zu der Parteien mit historischen Verbindungen nach Moskau gehören. Die Episode verdeutlichte den politischen Druck auf Regierungschefs, die intern womöglich Vorbehalte gegen Tempo oder Umfang der finanziellen Zusagen der EU für Kyjiw haben. Die Wortwahl von Merz, der in getrennten Äußerungen sowohl von einem „Vertrauensbruch“ als auch von „erheblicher Illoyalität“ sprach, deutet darauf hin, dass Berlin Orbáns Vorgehen nicht nur als politischen Dissens wertet, sondern als Herausforderung für den Zusammenhalt des europäischen Bündnisses.
Mentioned People
- Viktor Orbán — premier Węgier od 2010 roku
- Friedrich Merz — kanclerz Niemiec od maja 2025 roku
- Emmanuel Macron — prezydent Francji i współksiążę Andory od 2017 roku
- Ursula von der Leyen — przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
- Giorgia Meloni — premier Włoch