Die EU-Kommission hat am Donnerstag, 26. März 2026, ein formelles Verfahren gegen Snapchat nach dem Digital Services Act eingeleitet. Im Zentrum stehen Vorwürfe, die Plattform schütze Minderjährige nicht ausreichend vor Grooming, sexueller Ausbeutung und dem Zugang zu illegalen Produkten. Es ist das erste formelle Verfahren der Kommission gegen Snapchat.
Erstes formelles EU-Verfahren gegen Snapchat
Die Kommission ermittelt nach dem Digital Services Act gegen Snapchat und verweist auf Risiken für Minderjährige.
Fünf Problemfelder im Fokus
Geprüft werden Altersprüfung, Kontaktmöglichkeiten, Datenschutzeinstellungen, illegale Inhalte sowie Dark Patterns.
Auch Pornhub und weitere Portale betroffen
Gegen Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos liegen vorläufige Feststellungen wegen unzureichenden Jugendschutzes vor.
Die Europäische Kommission hat am Donnerstag, 26. März 2026, ein formelles Verfahren gegen Snapchat nach dem Digital Services Act eingeleitet. Die Brüsseler Behörde verwies auf Bedenken, die Plattform schütze Minderjährige nicht ausreichend vor Grooming, sexueller Ausbeutung und der Konfrontation mit illegalen Produkten. Es ist das erste formelle Verfahren der Kommission gegen Snapchat. Die Aufseher vermuten, dass Erwachsene die Plattform missbrauchen, indem sie sich als Minderjährige ausgeben, um Kinder in sexuelle Ausbeutung und kriminelle Aktivitäten zu locken. Die Kommission stellte außerdem fest, dass die Werkzeuge zur Moderation von Inhalten nicht wirksam genug seien, um die Verbreitung von Informationen zu verhindern, die Nutzer zu illegalen Produkten wie Drogen oder zu altersbeschränkten Produkten wie Vapes und Alkohol führen. Snapchat meldet 94.7 (million) — monatlich aktive Nutzer in der Europäischen Union und gehört damit zu den am weitesten verbreiteten Plattformen unter Jugendlichen in der Union.
Fünf konkrete Mängel rücken Snapchat in den FokusDie Untersuchung betrifft fünf getrennte Punkte, die EU-Aufseher benannt haben. Erstens hielt die Kommission das Altersprüfungs-Tool von Snapchat für unzureichend, bei dem Nutzer lediglich angeben müssen, mindestens 13 Jahre alt zu sein, ohne dass es eine unabhängige Überprüfung gibt. Zweitens monierten die Regulierer unzureichende Maßnahmen, um zu verhindern, dass Minderjährige von Nutzern mit schädlichen Absichten kontaktiert werden, darunter von Personen, die Kinder sexuell ausbeuten oder für kriminelle Aktivitäten anwerben wollen. Drittens stellte die Kommission die standardmäßigen Datenschutzeinstellungen von Snapchat in Frage, die jüngere Nutzer aus Sicht der Aufseher nicht ausreichend schützen. Viertens untersucht das Verfahren die mutmaßliche Verbreitung von Inhalten, die den Verkauf illegaler Produkte und altersbeschränkter Waren fördern. Fünftens identifizierten die Aufseher Probleme mit den Mechanismen von Snapchat zum Melden illegaler Inhalte sowie mit Dark Patterns im Design der Plattform und kamen zu dem Schluss, dass diese nicht ausreichend nutzerfreundlich seien. Im Zuge der Untersuchung teilte die Kommission mit, sie werde ein Verfahren übernehmen, das niederländische Aufseher im September 2025 wegen des Verkaufs illegaler Vapes an Kinder auf Snapchat eröffnet hatten. „Von Grooming und der Konfrontation mit illegalen Produkten bis zu Kontoeinstellungen, die die Sicherheit von Minderjährigen untergraben, scheint Snapchat übersehen zu haben, dass der Digital Services Act hohe Sicherheitsstandards für alle Nutzer verlangt” — Henna Virkkunen via Reuters
Pornhub und drei weitere Erwachsenenportale drohen vorläufige VerstößeIn einer getrennten, aber damit zusammenhängenden Mitteilung am selben Tag veröffentlichte die Kommission vorläufige Feststellungen gegen vier große pornografische Websites — Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos. Sie kam zu dem Schluss, dass diese gegen EU-Recht verstoßen hätten, weil sie Minderjährigen keinen Zugang zu Inhalten für Erwachsene wirksam versperrten. Die Kommission sei zu der Auffassung gelangt, die vier Plattformen hätten „die Risiken, die ihre Plattformen für Minderjährige darstellen, nicht sorgfältig ermittelt und bewertet“, berichtete The Guardian. Der von allen vier Seiten genutzte Altersnachweis bestand aus einem einfachen Selbsterklärungs-Button, mit dem Nutzer bestätigen konnten, über 18 zu sein; dieses System hielten die Aufseher für unwirksam. Den vorläufigen Feststellungen gegen die pornografischen Plattformen war eine im Mai 2025 eingeleitete Untersuchung vorausgegangen. Sowohl das Verfahren gegen Snapchat als auch die vorläufigen Feststellungen gegen die Erwachsenenportale wurden auf Grundlage des DSA geführt, der seit seinem Inkrafttreten auch von US-Präsident Donald Trump kritisiert wird. Verstöße gegen den DSA können zu Geldbußen von bis zu 6 (percent of global annual revenue) — maximalen DSA-Strafe für nicht konforme Plattformen führen.
Der Digital Services Act trat 2022 in Kraft und ist die umfassendste Reform der EU-Regeln für Online-Plattformen. Das Gesetz verpflichtet große Plattformen zu Risikobewertungen, zur Umsetzung von Systemen zur Inhaltsmoderation und zu mehr Transparenz bei algorithmischen Empfehlungen. Die Kinderschutzvorgaben des DSA zielen insbesondere auf Cybermobbing, den Zugang zu Inhalten für Erwachsene und die Bewerbung illegaler Produkte. Das Vorgehen der Kommission gegen Snapchat und die vier Erwachsenenportale fällt in eine Phase, in der die EU prüft, ob sie Australiens Vorbild folgen und den Zugang zu sozialen Medien für Nutzer unter 16 Jahren verbieten soll. Ein Grundsatzurteil in einem Gericht in Los Angeles stellte zudem jüngst fest, dass Meta und YouTube absichtlich suchterzeugende Produkte geschaffen hätten, die einem jungen Nutzer schadeten. Das verlieh den Regulierungsbemühungen auf beiden Seiten des Atlantiks zusätzlichen politischen Schwung.
Snapchat betont Sicherheitspriorität, während der Druck aus der EU wächstSnapchat reagierte auf die Untersuchung mit einer Verteidigung seiner bestehenden Sicherheitsarchitektur. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Nutzer hätten oberste Priorität, und die Plattform sei darauf ausgelegt, Menschen zu helfen, in einem positiven und vertrauenswürdigen Umfeld mit engen Freunden und der Familie zu kommunizieren. „Snapchat ist darauf ausgelegt, Menschen zu helfen, in einem positiven, vertrauenswürdigen Umfeld mit engen Freunden und der Familie zu kommunizieren, wobei Privatsphäre und Sicherheit von Anfang an eingebaut sind - einschließlich zusätzlicher Schutzmaßnahmen für Jugendliche. Da sich Online-Risiken weiterentwickeln, überprüfen, stärken und finanzieren wir diese Schutzmaßnahmen fortlaufend” — Snapchat spokesperson via The Guardian Das formelle Verfahren der Kommission erlaubt den Aufsehern eine detaillierte Prüfung und die Anordnung vorsorglicher Schritte, um Kinder zu schützen, noch bevor eine endgültige Entscheidung ergeht. Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, hat das Verfahren gegen Snapchat als Teil einer breiteren Anstrengung eingeordnet, die Kinderschutzstandards des DSA bei großen Plattformen durchzusetzen. Die niederländische Behörde für Verbraucher und Märkte (ACM) hatte bereits im September 2025 eine eigene Untersuchung gegen Snapchat eingeleitet, die die Kommission nun in das breiter angelegte Verfahren auf EU-Ebene aufnimmt.
Mentioned People
- Henna Virkkunen — Wiceprzewodnicząca wykonawcza Komisji Europejskiej ds. Suwerenności Technologicznej, Bezpieczeństwa i Demokracji oraz komisarz UE ds. technologii cyfrowych i granicznych
Sources: 25 articles
- Europese Commissie onderzoekt Snapchat om grooming en vapeverkoop (Trouw)
- Protection des mineurs : l'Union européenne ouvre une enquête contre Snapchat (Le Monde.fr)
- Platforma Snapchat, sub ancheta UE: suspiciuni de grooming și conținut ilegal (Digi24)
- EU-Kommission überprüft Jugendschutz bei Snapchat aus mehreren Gründen (Süddeutsche Zeitung)
- Brussels opens investigation into Snapchat amid concern over children's safety (The Guardian)
- Jugendschutz: EU-Parlament stimmt gegen "Chatkontrolle" (Handelsblatt)
- EU onderzoekt Snapchat en pornosites om risico's voor minderjarigen (NOS)
- Schützt Snapchat Kinder genug? EU-Kommission prüft (Focus)
- EU-Kommission überprüft Jugendschutz bei Snapchat (Süddeutsche Zeitung)
- Mangelnder Jugendschutz: Ermittlungen gegen Snapchat (newsORF.at)