Die EU-Kommission hat vorläufige Verstöße gegen vier große Plattformen für Erwachseneninhalte festgestellt. Im Kern geht es darum, dass Minderjährige trotz vorhandener Schutzmechanismen auf pornografische Inhalte zugreifen konnten. Zugleich leitete Brüssel eine separate Untersuchung gegen Snapchat ein, bei der es um Risiken für Kinder geht, darunter Grooming und der Verkauf illegaler Waren.
Vorläufige DSA-Feststellungen gegen vier Plattformen
Die EU-Kommission wirft Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos vor, Minderjährige nicht wirksam vor pornografischen Inhalten geschützt zu haben.
Altersprüfung per Klick reicht der Kommission nicht aus
Laut Brüssel sind Selbstdeklaration, Warnhinweise und Unschärfen leicht zu umgehen und daher keine ausreichenden Schutzmechanismen.
Snapchat wird gesondert untersucht
Die Kommission prüft bei Snapchat Risiken wie Grooming, die Anbahnung krimineller Aktivitäten und den Verkauf illegaler Waren.
EU plant datenschutzfreundliche Altersverifikation
Eine neue App soll Alter künftig bestätigen, ohne persönliche Identitätsdaten an Plattformen zu übermitteln.
Die Europäische Kommission hat am Donnerstag vorläufige Feststellungen gegen vier große Plattformen für Erwachseneninhalte veröffentlicht — Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos — und ihnen vorgeworfen, gegen das Digital Services Act verstoßen zu haben, weil sie Minderjährigen den Zugang zu pornografischen Inhalten nicht wirksam verwehrt hätten. Nach Einschätzung der Kommission reichen die bisherigen Schutzmaßnahmen der Plattformen nicht aus. Dazu zählen etwa Altersangaben per Klick, Unschärfen auf Seiten, Warnhinweise und Kennzeichnungen als „nur für Erwachsene“. Diese Vorkehrungen seien leicht zu umgehen und bildeten keine effektiven Barrieren. Die Aufseher warfen den Unternehmen vor, kommerzielle und Reputationsinteressen über die systemischen Risiken für Kinder gestellt zu haben. Sollten sich die vorläufigen Verstöße bestätigen, drohen den Plattformen Geldbußen von bis zu 6 (% of global annual turnover) — maximum DSA fine for confirmed violations ihres weltweiten Jahresumsatzes. Am selben Tag eröffnete die Kommission außerdem eine gesonderte formelle Untersuchung gegen Snapchat wegen Risiken für den Kinderschutz.
Altersangaben per Klick gelten in Brüssel als völlig unzureichend Die vorläufigen Feststellungen der Kommission sind das Ergebnis einer zehnmonatigen Untersuchung, die im Mai 2025 begonnen hatte. Nach Ansicht der Behörde ermöglichen alle vier Plattformen den Zugang zu expliziten Inhalten, wenn Nutzer lediglich per Klick bestätigen, dass sie über 18 Jahre alt seien, ohne dass dies tatsächlich überprüft werde. Die Aufseher kamen zudem zu dem Schluss, dass die Unternehmen bei der Bewertung der Risiken für Minderjährige keine objektiven oder umfassenden Methoden angewandt hätten. In einzelnen Fällen habe die Kommission festgestellt, dass Plattformen Hinweise von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die auf Kinderrechte und Altersprüfungsverfahren spezialisiert sind, verzerrt oder völlig ignoriert hätten. In den Feststellungen heißt es außerdem, die Firmen hätten möglichen Reputationsschäden für ihr Geschäft mehr Gewicht beigemessen als dem Schutz jüngerer Nutzer. Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, forderte ein entschlossenes Vorgehen. „Kinder greifen in immer jüngerem Alter auf Inhalte für Erwachsene zu, und diese Plattformen müssen robuste, den Datenschutz wahrende und wirksame Maßnahmen einführen, um Minderjährige von ihren Diensten fernzuhalten.” — Henna Virkkunen via Reuters „Die Botschaft ist sehr klar: Wenn diese pornografischen Plattformen ihre Tätigkeit in Europa fortsetzen wollen, müssen sie Maßnahmen haben, mit denen das Alter der Nutzer wirklich überprüft wird.” — Henna Virkkunen via SudOuest.fr
Separate Prüfung gegen Snapchat wegen Grooming und illegaler Waren Unabhängig davon leitete die Kommission ein formelles Verfahren gegen Snapchat ein, die Messaging-App des US-Konzerns Snap Inc., wegen eines eigenen Bündels von Kinderschutzrisiken. Nach Angaben der Associated Press will Brüssel prüfen, ob Snapchat minderjährige Nutzer sexuellen Manipulationen oder der Anbahnung krimineller Aktivitäten aussetzt, unter anderem weil sich erwachsene Nutzer als Teenager ausgeben können. Zudem soll untersucht werden, ob die Plattform den Verkauf illegaler Produkte wie Drogen und Waffen erleichtert oder von Produkten, deren Verkauf an Minderjährige in der EU verboten ist, etwa Alkohol und Vapes. Snapchat, das Ende 2025 97 (million users in the EU) — Snapchat's EU user base at end of 2025 Nutzer in der EU gemeldet hat, darunter mehr als 28 Millionen allein in Frankreich, hat sich bislang auf die Selbstauskunft der Nutzer beim Alter bei der Registrierung verlassen. Anders als die vier Plattformen für Erwachseneninhalte wurde Snapchat nicht in derselben Kategorie als „hochriskant“ eingestuft, das Verfahren läuft aber unter demselben DSA-Rahmen. Der Digital Services Act gilt für sehr große Online-Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU. Die Kommission hatte ihre Untersuchung gegen die vier Plattformen für Erwachseneninhalte im Mai 2025 begonnen. Der DSA verpflichtet Plattformen zu angemessenen und verhältnismäßigen Maßnahmen, um junge Menschen vor schädlichen Inhalten zu schützen, wobei die strengsten Vorgaben für die größten Plattformen gelten.
EU arbeitet an datenschutzfreundlicher Altersprüfung für sechs Länder Die Kommission hat alle vier Plattformen für Erwachseneninhalte dazu aufgefordert, datenschutzfreundliche Verfahren zur Altersverifikation einzuführen. Gemeint sind Systeme, die das Alter eines Nutzers bestätigen, ohne persönliche Identitätsdaten an die Plattform selbst zu übermitteln. Die EU hat für diesen Zweck eine Anwendung entwickelt, die in Frankreich ab April verfügbar sein soll, bevor sie in Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien und weiteren Mitgliedstaaten eingeführt wird. Das System sieht vor, dass Nutzer ihr Alter einmalig mit Reisepass oder Personalausweis nachweisen. Anschließend erzeugt die App ein Zertifikat, das nur mitteilt, ob der Besucher über oder unter der relevanten Altersgrenze liegt; weitere Daten werden nicht an die Plattform übermittelt. Die Lösung soll in die künftige European Digital Identity Wallet integriert werden. Die vier Unternehmen — Pornhub, im Besitz der zyprischen Gruppe Aylo Freesites; Stripchat, eine Tochter des in Zypern ansässigen Unternehmens Technius; XNXX, im Besitz der tschechischen Gruppe NKL Associates; und XVideos, eine Einheit von WebGroup Czech Republic — behalten das Recht, die Ermittlungsakten der Kommission einzusehen, schriftlich auf die vorläufigen Feststellungen zu reagieren und vor möglichen endgültigen Sanktionen Abhilfemaßnahmen vorzuschlagen. Kritiker haben eingewandt, dass die Durchsetzung des DSA zu langsam vorankomme, angesichts des Ausmaßes, in dem Minderjährige online mit schädlichen Inhalten in Berührung kämen.
Mentioned People
- Henna Virkkunen — Wiceprzewodnicząca wykonawcza Komisji Europejskiej ds. suwerenności technologicznej, bezpieczeństwa i demokracji oraz komisarz UE ds. technologii cyfrowych i granicznych
Sources: 27 articles
- ΕΕ: Έρευνα σε Snapchat και Pornhub για την προστασία ανηλίκων στο διαδίκτυο (ΣΚΑΪ)
- Pornhub, Stripchat, XNXX și Xvideos, acuzate oficial de încălcarea normelor privind accesul copiilor la conținut sexual (Libertatea)
- Mehr Jugendschutz: Die EU will, dass Porno-Portale das Alter der Nutzer klar verifizieren (Neue Zürcher Zeitung)
- Protection des mineurs : l'UE épingle des sites pornographiques et enquête sur Snapchat - RTBF Actus (RTBF)
- PornHub et d'autres sites pornos enfreignent la législation de l'UE sur la protection des mineurs (7sur7)
- Evropská komise vyšetřuje Pornhub i český pornoserver kvůli ohrožení mladistvých (Aktuálně.cz - Víte, co se právě děje)
- EU digital safety rules come for big porn platforms. (The Verge)
- Piattaforme per adulti e tutela minori: UE avverte Pornhub e altri (Il Fatto Quotidiano)
- Protection des mineurs : l'Union européenne épingle quatre sites pornographiques et enquête sur Snapchat (SudOuest.fr)
- UE lovește în platformele pentru adulți. Copiii au acces "mult prea ușor" la conținut inadecvat vârstei (Ziare.com)