In Sachsen-Anhalt haben sich Düngemittel seit Anfang März 2026 um mehr als 20 Prozent verteuert. Der Landesbauernverband führt das auf gestörte Lieferketten und höhere Energiekosten im Zusammenhang mit dem anhaltenden US-Israel-Krieg mit dem Iran zurück. Eine physische Knappheit gebe es bislang nicht, der Kostendruck auf die Betriebe nehme jedoch bereits deutlich zu.
Mehr als 20 Prozent höhere Düngerpreise
Seit Anfang März 2026 sind die Preise für Düngemittel in Sachsen-Anhalt nach Angaben des Landesbauernverbands um mehr als 20 Prozent gestiegen.
Noch keine physische Knappheit
Nach Angaben von Sprecher Erik Hecht ist es in Sachsen-Anhalt bislang nicht zu einer tatsächlichen Knappheit von Düngemitteln gekommen.
Krieg und Energiekosten belasten den Markt
Der Verband sieht Lieferkettenprobleme, höhere Energiekosten, stillgelegte Anlagen im Nahen Osten und Störungen rund um die Straße von Hormus als zentrale Ursachen.
Bauernverband fordert Entlastung bei Diesel
Um den Kostendruck zu senken, verlangt der Verband eine Aussetzung der CO2-Bepreisung auf Diesel und lehnt eine weitere Reduzierung der Düngung als praktikable Lösung ab.
Umweltverbände warnen vor Folgen intensiver Düngung
Forschende und NABU verweisen weiter auf Stickstoffüberschüsse und ökologische Schäden, auch wenn weniger Düngung nach Berechnungen des UFZ Ertragseinbußen mit sich bringen kann.
Die Preise für Düngemittel in Sachsen-Anhalt sind seit Anfang März 2026 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Auslöser sind nach Angaben des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt Störungen in den Lieferketten und steigende Energiekosten im Zusammenhang mit dem anhaltenden US-Israel-Krieg mit dem Iran. Erik Hecht, Sprecher des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt, bestätigte den Preissprung. Zugleich erklärte er, dass es in der Region bislang noch nicht zu einer physischen Knappheit bei Düngemitteln gekommen sei. Der Kostenanstieg habe für landwirtschaftliche Betriebe im ganzen Land dennoch zu einer nach Darstellung des Verbands extremen Erhöhung der Produktionskosten geführt. Der Nahe Osten ist ein wichtiger Exporteur von Düngemitteln und Rohstoffen. Zudem ist Erdgas, ein zentraler Bestandteil der Düngemittelproduktion, von dem Konflikt stark betroffen. Störungen im Schiffsverkehr rund um die Straße von Hormus setzen die Weltmärkte unter Druck. Analysten warnen, dass dem Düngemittelmarkt mit Blick auf die bevorstehende Frühjahrsaussaat erhebliche Störungen drohten. Recherchen und Websuchergebnisse von Reuters und AP News deuten darauf hin, dass der Krieg Düngemittelfabriken in der Region stillgelegt und die Schifffahrtsrouten massiv beeinträchtigt hat. Dadurch verstärkt sich der Kostendruck, den die europäische Landwirtschaft bereits spürt.
20 (percent) — Anstieg der Düngerpreise in Sachsen-Anhalt seit März 2026
Die Straße von Hormus gilt seit Langem als wichtigster Engpass der Welt für Öl- und Flüssigerdgasausfuhren. Nach Wikipedia-Daten passieren etwa ein Fünftel der weltweiten Lieferungen diese Wasserstraße. Die US-israelische Militärkampagne gegen den Iran mit dem Namen Operation Epic Fury begann am 28. Februar 2026 und führte bei den ersten Angriffen zum Tod des Obersten Führers Ali Khamenei. Mojtaba Khamenei wurde anschließend am 9. März 2026 zum Obersten Führer ernannt. Der Konflikt hat die Straße von Hormus geschlossen, Düngemittelfabriken in der Region lahmgelegt und Schifffahrtsrouten massiv gestört, wie Reuters und AP News berichten.
Betriebe geraten vor einer möglichen Knappheit unter Liquiditätsdruck Der Landesbauernverband warnt, dass der Preisanstieg die landwirtschaftlichen Betriebe vor allem in drei Bereichen treffe: bei der Liquidität, der Planungssicherheit und der Rentabilität. Hecht betonte, der wirtschaftliche Druck nehme bereits zu, noch bevor überhaupt Versorgungsprobleme eingetreten seien.
„Schon bevor Lieferprobleme auftreten, wächst damit also der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe.” — Erik Hecht via ZEIT ONLINE
Wie der Verband erläuterte, haben die Landwirtinnen und Landwirte nur begrenzte Möglichkeiten, auf die Preisentwicklung zu reagieren. Eine umfassende Bevorratung sei für viele Betriebe finanziell oft nicht möglich. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten die Höfe zwar sensibler für Schwankungen bei wichtigen Betriebsmitteln gemacht, daraus sei aber keine größere Widerstandsfähigkeit entstanden. Hecht räumte ein, die Versorgungssicherheit bei Produktionsmitteln sei in den vergangenen Jahren zunehmend unsicher geworden.
„Bäuerinnen und Bauern wissen, dass die Versorgungssicherheit bei Produktionsmitteln in den letzten Jahren zunehmend unsicher geworden ist.” — Erik Hecht via ZEIT ONLINE
Verband verlangt Aussetzung der CO2-Bepreisung auf Diesel Um den Kostendruck zu verringern, fordert der Bauernverband die Aussetzung der CO2-Bepreisung auf Diesel. Nach Auffassung des Verbands würde das sowohl der Landwirtschaft als auch dem Transportgewerbe spürbare Entlastung bringen. Hecht äußerte sich deutlich zu den Grenzen dessen, was die Betriebe selbst auffangen könnten. Eine weitere Reduzierung des Düngemitteleinsatzes komme aus Sicht des Verbands als praktische Reaktion auf die steigenden Preise nicht infrage. Eine geringere Ausbringung hätte nach seiner Warnung unmittelbare Folgen für die Erträge.
„Wer aus Kostendruck deutlich weniger düngt, wird absehbar Ertragseinbußen und Qualitätseinbußen haben.” — Erik Hecht via ZEIT ONLINE
Mit dieser Position gerät der Verband in direkten Gegensatz zu Umweltverbänden, die seit Langem argumentieren, dass in der europäischen Landwirtschaft zu viel gedüngt werde. Auch die Forderung nach einer Aussetzung der Dieselabgabe steht im Widerspruch zu den übergeordneten klimapolitischen Zusagen Deutschlands. Damit hat eine zunächst marktgetriebene Störung zusätzlich eine politische Dimension bekommen.
„Das würde Bereiche wie die Landwirtschaft und das Transportgewerbe spürbar entlasten.” — Erik Hecht via stern.de
Forschende und NABU halten mit ökologischen Bedenken dagegen Umweltorganisationen und Forschende verweisen seit Jahren auf die ökologischen Folgen intensiver Düngung. An dieser Einschätzung hat auch die aktuelle Krise nichts geändert. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung dokumentiert weiterhin hohe Stickstoffüberschüsse in Europa, die Gewässer, Böden und die biologische Vielfalt belasten. Der Naturschutzbund Deutschland, kurz NABU, fordert eine stärkere Reduzierung des Düngemitteleinsatzes und einen breiteren Übergang zu nachhaltiger Landwirtschaft. Zugleich zeigen die Berechnungen des Helmholtz-Zentrums selbst, dass ein deutlicher Rückgang des Düngemitteleinsatzes mit Ertragseinbußen verbunden sein kann. Das erschwert die umweltpolitische Argumentation in einer Phase akuten wirtschaftlichen Drucks. Der Konflikt mit dem Iran treibt die Kosten für Betriebsmittel weiter nach oben. Damit verschärft sich der Zielkonflikt zwischen ökologischen Anforderungen und der wirtschaftlichen Lage der Höfe, während die Politik in Berlin und in den Landeshauptstädten mit Blick auf die Frühjahrsaussaat vor wenigen einfachen Antworten steht.
Mentioned People
- Erik Hecht — Rzecznik Krajowego Związku Rolników Saksonii-Anhalt