Der russische Tanker Anatoly Kolodkin hat am Dienstagmorgen im kubanischen Hafen von Matanzas festgemacht und rund 735.000 Barrel Rohöl geliefert. Es handelt sich um die erste größere Energielieferung seit Beginn der US-Blockade im Januar 2026. US-Präsident Donald Trump genehmigte die Ankunft des sanktionierten Schiffes aus humanitären Gründen.
Erste Öllieferung seit Januar
Ein russischer Tanker mit über 730.000 Barrel Rohöl hat Matanzas erreicht, genehmigt durch eine US-Ausnahmeregelung.
Humanitäre Ausnahme
Die Trump-Regierung erlaubt die Lieferung aus humanitären Gründen, hält aber an der grundsätzlichen Sanktionsstrategie fest.
Krise bleibt bestehen
Die Lieferung deckt den Bedarf für etwa zehn Tage; die Verarbeitung dauert bis zu drei Wochen.
Der russische Öltanker Anatoly Kolodkin hat am Dienstagmorgen im kubanischen Hafen von Matanzas angelegt und schätzungsweise 730.000 bis 740.000 Barrel Rohöl geliefert – die erste Lieferung dieser Art seit dem 9. Januar 2026. Das Schiff, das den russischen Hafen Primorsk am 8. oder 9. März verlassen hatte, lief laut Informationen eines AFP-Teams vor Ort gegen 08:15 Uhr Ortszeit in den Hafen ein. US-Präsident Donald Trump genehmigte das Einlaufen trotz der faktischen Energieblockade, die seine Regierung Ende Januar gegen Kuba verhängt hatte. Matanzas fungiert als wichtigster Umschlagplatz für kubanische Energieimporte; die Ankunft des Schiffes wurde von einer kleinen Gruppe Kubaner beobachtet. Der 76-jährige Sicherheitsmann Felipe Serrano erklärte gegenüber AFP, die Lieferung sei überlebenswichtig, da das Land praktisch zum Stillstand gekommen sei. Der Tanker gehört zu Sovkomflot, einem russischen Konzern, der seit 2024 unter Sanktionen der USA, der EU und Großbritanniens steht.
Washington spricht von humanitärer Geste, nicht von Kurswechsel Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bestätigte am Montag, dass die Trump-Regierung die Ankunft des Tankers aus humanitären Gründen zugelassen habe, betonte jedoch, dass die US-Sanktionspolitik unverändert bleibe. „Diese Entscheidungen werden von Fall zu Fall getroffen. Wie die Regierung bereits dargelegt hat, lässt sich die dysfunktionale Wirtschaft Kubas nicht reparieren, solange kein dramatischer politischer Wandel und ein Führungswechsel stattfinden.” — Karoline Leavitt via Financial Times Trump selbst hatte am Sonntag signalisiert, dass er keine Einwände gegen russische Treibstofflieferungen für Kuba habe, wobei er die Lage der Insel drastisch umschrieb. „Kuba ist am Ende, sie haben ein schlechtes Regime, eine sehr schlechte und korrupte Führung, und ob sie nun ein Schiff mit Öl bekommen oder nicht, wird keinen Unterschied machen.” — Donald Trump via Der Tagesspiegel Der Kreml begrüßte die Entwicklung und sagte weitere Unterstützung zu. „Russland sieht es als seine Pflicht an, nicht tatenlos zuzusehen, sondern unseren kubanischen Freunden die notwendige Hilfe zu leisten.” — Dmitry Peskov via Financial Times Kreml-Sprecher Dmitry Peskov fügte hinzu, dass Moskau die Lieferung zuvor mit Washington besprochen habe, was trotz der geopolitischen Spannungen auf eine gewisse Abstimmung zwischen beiden Regierungen hindeutet.
Verzögerungen bei der Verarbeitung: Hilfe erst in Wochen spürbar Das Öl wird den kubanischen Konsumenten nicht sofort zur Verfügung stehen, da Experten den gesamten Verarbeitungs- und Verteilungszyklus auf 20 bis 30 Tage schätzen. Laut Jorge Piñón, Experte für den Energiesektor an der University of Texas, dauert die Verarbeitung des Rohöls 15 bis 20 Tage, gefolgt von weiteren 5 bis 10 Tagen für die Auslieferung der Raffinerieprodukte. Kubas täglicher Ölbedarf liegt bei etwa 100.000 Barrel, wovon das Land nur rund 40.000 Barrel aus eigenen Quellen decken kann. Die Einschätzungen zur Reichweite der Lieferung variieren: Deutsche Welle zitierte Experten, die von einer Produktion von 180.000 Barrel Diesel ausgehen, was den Bedarf für neun bis zehn Tage decken würde. Andere Quellen meldeten gegenüber ČT24 eine Reichweite von neun bis zwölf Tagen. Der Ökonom Ricardo Torres von der American University in Washington mahnte zur Zurückhaltung. „Es verschafft eine kurze Atempause, ist aber bei weitem nicht ausreichend, um das Ausmaß des Defizits zu beheben, vor dem das Land steht.” — Ricardo Torres via Der Tagesspiegel Kubas Minister für Energie und Bergbau, Vicente de la O Levy, dankte Moskau über die sozialen Medien. „Unser Dank gilt der Regierung und dem Volk Russlands für die Unterstützung. Eine wertvolle Lieferung in einer komplexen Energielage.” — Vicente de la O Levy via Deutsche Welle
Energiekrise in Kuba — Wichtige Ereignisse: — ; — ; — ; — ; —
Blackouts und Flugausfälle als Zeichen einer tiefen Krise Kuba erlebt derzeit die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wobei die Energieblockade eine Abwärtsspirale beschleunigt hat, die bereits Mitte 2024 begann. Allein im März 2026 kam es zu mindestens zwei landesweiten Stromausfällen. Der öffentliche Nahverkehr ist massiv eingeschränkt, Benzin wird rationiert. Krankenhäuser mussten den Betrieb einschränken und Operationen absagen. Auch der für Devisen wichtige Tourismussektor ist betroffen, da Fluggesellschaften Verbindungen aufgrund von Kerosinmangel strichen. Kubas Energieabhängigkeit besteht seit Jahrzehnten. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde Venezuela unter Hugo Chávez zum wichtigsten Lieferanten, der Öl im Austausch für medizinisches Personal lieferte. Später kam Mexiko als Partner hinzu. Die im Januar 2026 verhängte US-Blockade unterbrach beide Quellen zeitgleich und entzog Kuba die täglich benötigten 60.000 Barrel, die es nicht selbst fördern kann. Ricardo Herrero, Leiter der Cuba Study Group in Washington, beschrieb die US-Strategie als kalkuliert. „Die Strategie besteht darin, das System an den Rand des Abgrunds zu drängen, ohne jedoch einen vollständigen gesellschaftlichen oder humanitären Kollaps herbeizuführen.” — Ricardo Herrero via Der Tagesspiegel Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum deutete an, dass ihre Regierung nach Trumps Äußerungen nun prüfe, die Öllieferungen wieder aufzunehmen. Die Vereinten Nationen hatten die US-Maßnahmen zuvor als Verletzung der Menschenrechte kritisiert.
Mentioned People
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
- Karoline Leavitt — 36. rzeczniczka prasowa Białego Domu od 2025 roku
- Vicente de la O Levy — Minister energii i górnictwa Kuby
- Carlos Fernández de Cossío — Wiceminister spraw zagranicznych Kuby
- Nicolás Maduro — Prezydent Wenezueli ujęty przez siły USA w styczniu 2026 roku
Sources: 11 articles
- Petrolero ruso llega a Cuba, sumida en una crisis energética (Deutsche Welle)
- Trotz Embargo: Russischer Tanker entlädt Öl in Kuba (watson.ch/)
- Un pétrolier russe arrive à Cuba en plein blocus énergétique imposé par les États-Unis - RTBF Actus (RTBF)
- Kuba dostala první zahraniční ropu od ledna, na ostrově přistál ruský tanker (ČT24 - Nejdůvěryhodnější zpravodajský web v ČR - Česká televize)
- Un petrolero ruso con 100.000 toneladas de crudo llega al puerto de Matanzas en Cuba (20 minutos)
- Russian oil tanker docks in Cuba, the 1st since US blockade (Deutsche Welle)
- Cuba a reçu du pétrole russe, car Moscou n'abandonne pas "ses alliés et ses amis" (Courrier international)
- "Reicht aber bei weitem nicht aus": Öltanker erreicht Kuba - erstmals seit Beginn der US-Blockade im Januar (Der Tagesspiegel)
- Der Tag: Hier legt russischer Öltanker an kubanischem Hafen an (N-tv)
- Russian oil tanker docks in Cuba despite US blockade (Financial Times News)