Die Experten des Deutschen Meeresmuseums Stralsund haben die Rettungsversuche für den in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal am Mittwoch beendet. Das Tier zeigt kaum noch Reaktionen und atmet nur noch in großen Abständen. Weitere Eingriffe würden laut den Fachleuten eine unnötige Qual für das sterbende Tier darstellen.
Einstellung der Rettung
Die Experten werten weitere Versuche als Tierquälerei, da der Wal kaum noch atmet und keine Reaktionen zeigt.
Strafanzeigen gegen Beteiligte
Bürger haben Anzeige wegen möglicher Tierschutzverstöße und unterlassener Hilfeleistung gegen den Umweltminister und NGOs erstattet.
Sperrzone und Überprüfung
Ein Radius von 500 Metern wurde gesperrt; der Wal wird nach seinem Verenden in Stralsund wissenschaftlich untersucht.
Die Rettungsbemühungen für den Buckelwal mit dem Spitznamen „Timmy“, der in den flachen Gewässern vor der Insel Poel in der Wismarer Bucht feststeckt, wurden am Mittwoch, dem 1. April 2026, offiziell eingestellt. Experten kamen zu dem Schluss, dass das Tier im Sterben liege und jede weitere Intervention Tierquälerei darstelle. Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum in Stralsund, erklärte auf einer Pressekonferenz in Wismar, dass der Wal eine extrem verringerte und unregelmäßige Atemfrequenz sowie kaum noch Eigenbewegung oder Reaktionen auf Annäherungen zeige. Bis Donnerstagmorgen bestätigte eine Museumssprecherin, dass sich das Tier über Nacht nicht bewegt habe und nur noch etwa alle fünf Minuten atme. Ob der Wal zu diesem Zeitpunkt noch lebte, konnte die Wasserschutzpolizei zunächst nicht zweifelsfrei bestätigen, wenngleich auf Live-Aufnahmen gegen 6:30 Uhr noch kleine Fontänen in der Bucht sichtbar waren.
„„Wir sind uns jetzt absolut sicher, dass das Tier dort sein Leben verlieren wird.“” — Burkard Baschek via Deutsche Welle
„„Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verenden wird.“” — Burkard Baschek via stern.de
Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch, da diese deutlich flacher und salzärmer ist als ihre natürlichen Lebensräume in den Ozeanen. Den Berichten zufolge hielt sich der Wal seit Anfang März 2026 an der Ostseeküste auf und wurde zuerst im Hafen von Wismar gesichtet. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein, wo Helfer einen Kanal gruben, um ihn zu befreien. Statt jedoch Kurs auf die offene See im Norden zu nehmen, kehrte das Tier Richtung Wismar zurück und geriet in der Wismarer Bucht in eine Sackgasse.
Minister nimmt Abschied und erinnert an das Osterfest Till Backhaus, der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern, hielt auf der Pressekonferenz am Mittwoch eine Ansprache, die Beobachter als Vorgriff auf eine Trauerrede werteten. Unter Verweis auf das bevorstehende Osterfest äußerte er sich schweren Herzens. Backhaus berichtete, er sei zwei Tage zuvor persönlich mit einem Schlauchboot an den Wal herangefahren und habe dem Tier zugeredet. Er bezeichnete die Situation als „einzigartige Tragödie“; man müsse dem Wal nun Ruhe gewähren.
„„Wir haben alles getan, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Aber er hat es sich so ausgesucht.“” — Till Backhaus via N-tv
Der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack zeigte sich sichtlich bewegt und bezeichnete den Wal als Symbol für den menschlichen Umgang mit der Natur und die Verschmutzung der Meere. Ein Vertreter von Sea Shepherd würdigte die Erhabenheit des Tieres. Laut Baschek wurde auch eine Einschläferung erwogen, jedoch aufgrund der hohen Risiken verworfen. Die Entscheidung, die Rettungsmaßnahmen einzustellen, wurde einvernehmlich von allen Beteiligten, einschließlich Greenpeace und Sea Shepherd, getroffen. Beide Organisationen betonten, dass weitere Versuche gegen Grundsätze des Tierschutzes verstoßen würden.
„„Wir müssen dem Tier die Ruhe geben, die es sucht und braucht.“” — Thilo Maack via Deutsche Welle
Sperrzone eingerichtet, Strafanzeigen durch Bürger erstattet Um den Wal wurde eine Sperrzone von 500 Metern eingerichtet, zudem gilt ein Flugverbot für Drohnen. Die Wasserschutzpolizei und das Umweltministerium in Schwerin bestätigten am Donnerstag, dass die Zone in der Nacht eingehalten und das Tier nicht gestört wurde. Backhaus stellte klar, dass das Eindringen in den Bereich eine Ordnungswidrigkeit darstelle, die konsequent verfolgt werde. Trotz der getroffenen Maßnahmen erstatteten einige Bürger Strafanzeige gegen Backhaus, Greenpeace und die Organisation ITAW. Den Vorwürfen nach hätten Offizielle und NGOs nicht rechtzeitig oder ausreichend gehandelt – möglicherweise liege ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz oder unterlassene Hilfeleistung vor. Laut dem Portal Wismar.fm prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst das Vorliegen eines Anfangsverdachts.
500 (Meter) — Radius der Sperrzone um den sterbenden Wal
Kadaver soll zur Untersuchung nach Stralsund gebracht werden Nach dem Tod des Wals soll der Körper in das Deutsche Meeresmuseum nach Stralsund transportiert werden. Dort ist eine Sektion unter Leitung eines externen Experten geplant. Backhaus betonte, dass die Überführung rein wissenschaftlichen Zwecken diene, um die Todesursache zu klären, und nicht etwa der Gewinnung eines Skeletts für die Ausstellung. Baschek erklärte, das Museum werde die Logistik unterstützen und strebe „maximale Transparenz“ bei der Aufklärung an. Der etwa 12 bis 15 Meter lange Wal hielt sich laut Behörden seit rund vier Wochen in der Ostsee auf und war seit Dienstag zum vierten Mal vor Poel auf Grund gelaufen. Experten stellten fest, dass das Tier ein mehrere Meter langes Fischernetz verschluckt hatte und zudem in Seilen verheddert war – Faktoren, die den Gesundheitszustand und die Manövrierfähigkeit massiv beeinträchtigt haben dürften.
Timmys letzte Wochen in der Ostsee: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Till Backhaus — Minister Ochrony Klimatu, Rolnictwa, Obszarów Wiejskich i Środowiska Meklemburgii-Pomorza Przedniego
- Burkard Baschek — Dyrektor naukowy Fundacji Niemieckie Muzeum Oceanograficzne
Sources: 14 articles
- Sperrzone um gestrandeten Wal wird eingehalten (Süddeutsche Zeitung)
- Vorgezogene Trauerfeier für Buckelwal Timmy: Jesus, Ostern und dann ab nach Stralsund (Berliner Zeitung)
- Almanya: Kambur balina "Timmy" için umutlar tükendi (Deutsche Welle)
- "Die Worst-Case-Betrachtung": Was soll mit dem Körper des Buckelwals passieren? (Der Tagesspiegel)
- Vor Ostseeküste liegender Wal bewegt sich nicht von der Stelle (stern.de)
- "In der Nacht nicht bewegt": Buckelwal in Wismarbucht atmet wohl noch (N-tv)
- Ostsee-Buckelwal vor der Insel Poel - aktuelle Situation: Experten fürchten, dass das Tier stirbt (Norddeutscher Rundfunk)
- Ostsee-Walrettung von der Wismarbucht im Live-Ticker (Focus)
- Zustand von Buckelwal Timmy verschlechtert sich (Blick.ch)
- Buckelwal bewegt sich nicht - Experten geben die Hoffnung auf (stern.de)