Nach der Genehmigung durch Umweltminister Till Backhaus hat am Donnerstag die aktive Phase der Bergung des seit 17 Tagen feststeckenden Buckelwals vor der Insel Poel begonnen. Experten und private Retter versuchen, das entkräftete Tier mit einem aufwendigen Verfahren aus der Ostsee zu befreien.

Start der Rettungsaktion

Nach 17 Tagen hat die aktive Bergungsphase für den Buckelwal vor der Insel Poel begonnen.

Methodik der Bergung

Der Wal soll mithilfe von Luftkissen und Pontons angehoben und in den Atlantik oder die Nordsee geschleppt werden.

Expertenkritik

Naturschutzorganisationen wie der NABU warnen davor, dass der Ehrgeiz der Retter das Tierwohl gefährden könnte.

Die private Rettungsaktion für den vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwal ist am Donnerstag, dem 16. April 2026, in die aktive Phase übergegangen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte das Vorhaben am Mittwoch genehmigt. Das Tier, das seit dem 31. März feststeckt und unter Namen wie Timmy, Hope oder Fridolin bekannt ist, liegt nunmehr seit 17 Tagen vor der Insel. Gegen Donnerstagmittag wateten Rettungskräfte bei ersten Schritten der Mission im hüfthohen Wasser um das Tier herum. Die Operation, deren Kosten auf eine halbe Million Euro geschätzt werden, wird von einer privaten Initiative geleitet, an der Berichten zufolge zwei Multimillionäre beteiligt sind. Ein Walexperte und zwei Tierärzte, die am Donnerstag vorsichtigen Kontakt zu dem Tier aufnahmen, berichteten, dass der Wal auf Ansprache reagiere. Zudem sei das Blasloch intakt, es zeigten sich keine Entzündungen oder Anzeichen von Unruhe. Luftkissen und Pontons bilden den Kern des PlansDas Rettungskonzept sieht vor, den Schlamm unter dem Wal wegzuspülen und anschließend Luftkissen unter dem Tier zu platzieren, um es behutsam anzuheben. Danach soll der Wal auf eine Plane zwischen zwei Pontons gebettet werden, die von einem Schlepper in Richtung Nordsee oder Atlantik gezogen werden. Genaue Einzelheiten des Plans wurden laut den Organisatoren nicht öffentlich gemacht. Die Aktion gilt als weltweit wohl einzigartig und beispiellos, weshalb sie in Fachkreisen kritisch betrachtet wird. Die Dimension und die Neuartigkeit des Unterfangens sorgen gleichermaßen für großes öffentliches Interesse wie für Skepsis unter Experten. NABU-Experte warnt vor falschem Ehrgeiz auf Kosten des TierwohlsKim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), äußerte sich überrascht über die Rettungsaktion und bezweifelt deren Erfolg. „Es ist furchtbar. Wir dachten, der Wal würde in drei bis sechs Tagen sterben, und jetzt liegt er seit 16 Tagen dort.” — Kim Detloff via ZEIT ONLINE Detloff räumte ein, dass Prognosen schwierig seien, da Experten nur mit Indizien arbeiten könnten. Er betonte, dass das Wohl des Tieres Vorrang vor der Durchführung der Rettung haben müsse. „Ich hoffe, dass der Ehrgeiz einer Rettungsaktion nicht über das Tierwohl gestellt wird.” — Kim Detloff via ZEIT ONLINE Dazu gehöre laut Detloff auch der Mut, die Aktion gegebenenfalls abzubrechen. Die Wissenschaftsredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Petra Ahne, bezeichnete das Vorhaben als „phantasievollen Aktivismus“ und sprach von einer Inszenierung, die das Leiden des Tieres verlängere. Zuschauer aus ganz Deutschland verfolgen die BergungDas Schicksal des Wals hat Schaulustige aus der gesamten Bundesrepublik nach Poel gelockt; die Polizei sicherte den Bereich mit einem Zaun ab, um Distanz zum Tier zu wahren. Astrid Drews, die aus Ostfriesland angereist war, erklärte, sie wolle dem Wal Energie senden. „Er kommt weg aus diesem Schlachthaus hier, denn darin hängt er fest. Für mich ist das ein Schlachthaus.” — Astrid Drews via Spiegel Online Susanne Somma, die nach eigenen Angaben mit Mitstreitern zwei Nächte lang in sozialen Netzwerken für die Rettung kampfierte, sah in der Genehmigung einen Erfolg des öffentlichen Drucks. „Wir waren zwei Nächte wach, um etwas zu erreichen und den Wal zu retten. Das haben wir nun endlich geschafft.” — Susanne Somma via Spiegel Online Auch Kim Detloff stellte fest, dass der massive öffentliche Druck die Entscheidung vorangetrieben habe; zu diesem Ergebnis hätte man jedoch schon eine Woche früher kommen müssen. Die Zuschauerin Nicole Dopatka äußerte die Sorge, dass der Wal in den 17 Tagen der Strandung erheblich an Kraft und Muskelmasse verloren habe, was ein schwerwiegendes Hindernis für eine erfolgreiche Rettung darstelle. Buckelwale sind Hochseesengetiere, die in der Ostsee selten vorkommen, da deren flaches und salzarmes Wasser als ungeeigneter Lebensraum gilt. Gestrandete Wale sterben normalerweise innerhalb weniger Tage, weshalb das Überleben des Tieres vor Poel über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen laut Experten außergewöhnlich ist. Offizielle Rettungsbemühungen waren bereits eingestellt worden, bevor die private Initiative am 15. April 2026 die behördliche Genehmigung erhielt. Walrettung vor Poel – Wichtige Ereignisse: — ; — ; —

Mentioned People

  • Till Backhaus — Minister ochrony klimatu, rolnictwa i środowiska Meklemburgii-Pomorza Przedniego
  • Kim Detloff — Kierownik ds. ochrony mórz w organizacji NABU
  • Astrid Drews — Obserwatorka z Fryzji Wschodniej wspierająca akcję ratunkową
  • Petra Ahne — Redaktorka działu naukowego Frankfurter Allgemeine
  • Paul Ingendaay — Autor książek i recenzent

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