Poste Italiane will Telecom Italia für 10,8 Milliarden Euro übernehmen und das Unternehmen von der Börse nehmen. Der mehrheitlich staatlich kontrollierte Postkonzern setzt dabei auf eine Kombination aus Barzahlung und Aktien. Ziel ist ein nationaler Anbieter für digitale Infrastruktur, an dem der italienische Staat weiter die Kontrolle behält.
Übernahmeofferte über 10,8 Milliarden Euro
Poste Italiane bietet 0,635 Euro je Aktie von Telecom Italia und will den Konzern von der Börse nehmen.
Staat soll Mehrheit behalten
Der italienische Staat würde laut Poste über 50 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, auch über Cassa Depositi e Prestiti.
Synergien von 700 Millionen Euro jährlich
Poste erwartet 500 Millionen Euro aus Einsparungen und mehr als 200 Millionen Euro aus zusätzlichem Umsatz.
TIM-Verwaltungsrat prüft das Angebot
Der Verwaltungsrat von Telecom Italia kommt am 23. März zusammen, um die Offerte zu bewerten.
Poste ist bereits größter Aktionär
Je nach Quelle hält Poste bereits 27,3 Prozent oder knapp 25 Prozent an Telecom Italia.
Poste Italiane, Italiens mehrheitlich staatlich kontrollierter Postdienstleister, hat am Sonntag, 22. März 2026, ein Übernahmeangebot für den früheren Telefonmonopolisten Telecom Italia im Volumen von 10,8 Milliarden Euro (12,5 Milliarden Dollar) vorgelegt. Die Offerte besteht aus Bargeld und Aktien. Ziel ist es, den Telekommunikationskonzern von der Börse zu nehmen und einen nationalen Champion für digitale Infrastruktur zu schaffen. Das Angebot, das der Verwaltungsrat von Poste bekanntgab, bewertet jede Aktie von Telecom Italia mit 0,635 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 9,01 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Vorgesehen sind laut Reuters 0,167 Euro in bar sowie 0,0218 neu ausgegebene Poste-Aktien je angedienter Telecom-Italia-Aktie. Der kombinierte Konzern käme pro forma auf einen Umsatz von rund 27 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von etwa 5 Milliarden Euro sowie auf mehr als Beschäftigte. Poste teilte mit, der italienische Staat werde einschließlich seiner Beteiligung über die Cassa Depositi e Prestiti an dem entstehenden Unternehmen eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent halten. Der Abschluss der Transaktion ist bis Ende 2026 vorgesehen.
TIM-Verwaltungsrat berät am Montag über das Angebot Der Verwaltungsrat von Telecom Italia sollte am Montag, 23. März, zu einer ersten Bewertung des Vorschlags zusammentreten. Ein Sprecher von Telecom Italia erklärte laut Rai News, das Unternehmen nehme das Angebot „zur Kenntnis“ und der Verwaltungsrat werde zusammenkommen, um den Prüfprozess zu beginnen. Die Financial Times berichtete, Telecom-Italia-Chef Pietro Labriola sei vor der öffentlichen Bekanntgabe von Poste-Chef Matteo Del Fante über die Offerte informiert worden. Labriola unterstütze das Angebot demnach, weil dadurch ein „national champion“ entstehe. Il Giornale beschrieb das Angebot als nicht formell mit Telecom Italia vereinbart, aber auch nicht als feindlich. Poste erklärte, Ziel sei der Erwerb des gesamten Aktienkapitals von Telecom Italia und anschließend das Delisting der Aktie von der Euronext Milan. „Wenn sie Erfolg haben wollen, würden wir erwarten, dass sie ihr Angebot erhöhen müssen” — James Ratzer via Financial Times Ratzer, Analyst bei New Street Research, bezeichnete die Offerte als einen „opportunistischen Versuch der italienischen Regierung zur Renationalisierung mit einem kostengünstigen Aufschlag angesichts der möglichen Synergien“.
Synergien von 700 Millionen Euro pro Jahr aus der Fusion erwartet Poste hob die erheblichen erwarteten Synergien des Zusammenschlusses hervor und stellte laut Rai News jährliche Vorteile von 700 (million euros per year) — erwarteten jährlichen Synergien aus der Fusion in Aussicht. Davon sollen 500 Millionen Euro aus Kostensenkungen kommen und mehr als 200 Millionen Euro aus höheren Erlösen. Die einmaligen Kosten zur Realisierung dieser Synergien bezifferte das Unternehmen auf 0,7 Milliarden Euro, verteilt über mehrere Geschäftsjahre. Das fusionierte Unternehmen würde das Netz von 13.000 Postfilialen von Poste mit mehr als 4.000 Verkaufsstellen von Telecom Italia und einem Netz von 49.000 Drittpartnern verbinden und damit 19 Millionen aktive Digitalkunden erreichen. Poste erklärte, die neue Gruppe werde „die größte vernetzte Infrastrukturplattform des Landes“ und ein „strategischer Pfeiler der Volkswirtschaft“ sein. Auf die Dividende von Poste für 2026 werde sich die Transaktion neutral auswirken. Ab 2027 werde ein positiver Beitrag zum Gewinn erwartet. Poste teilte zudem mit, nach der Transaktion bleibe ein Streubesitz von mehr als 15 Milliarden Euro bestehen. Die Aktionärsbasis sei zwischen institutionellen und privaten Investoren diversifiziert.
Revenue: 27, Operating profit: 5, Free float post-transaction: 15, One-off synergy costs: 0.7
Poste baute seine TIM-Beteiligung über Aktienkäufe von Vivendi aus Poste Italiane ist bereits der größte Aktionär von Telecom Italia und hält laut Financial Times 27,3 Prozent der Anteile, laut il Giornale knapp 25 Prozent. Die Financial Times berichtete, Poste habe zunächst 2025 einen Anteil von 9 Prozent an Telecom Italia von der Cassa Depositi e Prestiti übernommen und seine Beteiligung danach durch zwei Aktienkäufe vom französischen Mischkonzern Vivendi aufgestockt, der zuvor größter Aktionär von Telecom Italia gewesen war. Vivendi ist inzwischen nicht mehr an Telecom Italia beteiligt. Dem Angebot war der Verkauf der Festnetzinfrastruktur von Telecom Italia an die Beteiligungsgesellschaft KKR im Jahr 2024 vorausgegangen. Das Geschäft hatte ein Volumen von 22 Milliarden Euro und ermöglichte dem Unternehmen, seine hohe Verschuldung zu senken. Die Financial Times verwies darauf, dass Telecom Italia nach Kundenzahl der drittgrößte Mobilfunkanbieter in Italien hinter Vodafone und WindTre ist und auch in Brasilien die dritte Position innehat. Telekommunikationsnetze sind für europäische Regierungen zuletzt strategisch immer wichtiger geworden. Italiens Regierung habe deshalb versucht, die Kontrolle über die digitale Infrastruktur des Landes eng zu halten, berichtete die Financial Times.
Telecom Italia geht auf das frühere staatliche Telefonmonopol Italiens zurück und hat Jahrzehnte der Privatisierung, Eigentümerwechsel und finanziellen Restrukturierung durchlaufen. Das Unternehmen verkaufte 2024 sein Festnetz an KKR in einem Geschäft über 22 Milliarden Euro und konnte dadurch eine erhebliche Schuldenlast verringern, die den Konzern über Jahre belastet hatte. Poste Italiane, ursprünglich Italiens staatlicher Postdienst, hat sein Geschäft in den vergangenen Jahren auf Logistik, Cloud-Dienste und Bankgeschäfte ausgeweitet, um die Einnahmequellen zu diversifizieren. Telecom Italia hatte zuvor Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit dem französischen Telekommunikationskonzern Iliad geführt, doch diese endeten, bevor das Angebot von Poste bekannt wurde.
Mentioned People
- Pietro Labriola — prezes i dyrektor generalny grupy TIM od 21 stycznia 2022 roku
- Matteo Del Fante — prezes i dyrektor generalny grupy Poste Italiane od kwietnia 2017 roku
Sources: 18 articles
- Opas di Poste su Tim, un campione nazionale per la sovranità digitale (Il Messaggero)
- Poste lancia l'Opas su Tim: un maxi-polo da 10,8 miliardi. "Un pilastro per l'Italia" (Il Messaggero)
- Poste Italiane launches €10.8bn bid for Telecom Italia (Financial Times News)
- Poste lancia Opas totalitaria per l'acquisto di Telecom Italia: operazione da 10,8 miliardi (il Giornale.it)
- Poste Italiane lancia un'offerta pubblica di acquisto su Tim: le cifre e cosa può cambiare (Open)
- Italie : Poste Italiane lance une OPA sur l'opérateur téléphonique TIM (Le Figaro.fr)
- Poste lancia opas totalitaria su Tim, domani il Cda della compagnia telefonica (Rai news)
- ***Tim: con opas Poste vuole acquisire intero capitale e procedere a delisting (Il Sole 24 ORE)
- ***Tim: perfezionamento dell'opas di Poste e' previsto entro fine 2026 (Il Sole 24 ORE)
- Italy's Poste launches $12 bln cash-and-share bid to buy Telecom Italia (Reuters)