Paris bleibt unter linker Führung: Emmanuel Grégoire von der Parti socialiste hat die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 22. März 2026, deutlich gewonnen. Er setzte sich in der Stichwahl gegen die rechte Kandidatin Rachida Dati durch und folgt auf Anne Hidalgo. Auch in anderen Großstädten hielten sich linke Amtsinhaber, während François Bayrou in Pau knapp unterlag.

Grégoire gewinnt Paris deutlich

Emmanuel Grégoire kam laut Ipsos BVA in der Stichwahl auf 53,1 Prozent und setzte sich klar gegen Rachida Dati durch, die auf rund 38 Prozent kam.

Linksbündnis ohne LFI erfolgreich

Grégoire übernahm das in Paris bewährte Bündnismodell aus Sozialisten, Grünen und Kommunisten und schloss La France Insoumise bewusst aus.

Dati räumt Niederlage ein

Rachida Dati erklärte, sie habe nicht genügend Wähler von der Notwendigkeit eines Wechsels überzeugt, und kritisierte die Spaltung innerhalb des rechten Lagers.

Linke hält weitere Großstädte

In Marseille und Lyon behaupteten linke Amtsinhaber ihre Positionen. Édouard Philippe gewann in Le Havre, während François Bayrou in Pau knapp unterlag.

RN gewinnt lokal, aber nicht in Metropolen

Marine Le Pen sprach von Erfolgen in Dutzenden Gemeinden und Tausenden Mandaten, doch der RN scheiterte in großen Städten wie Marseille, Toulon und Nîmes.

Emmanuel Grégoire von der Sozialistischen Partei hat die Bürgermeisterwahl in Paris am Sonntag, 22. März 2026, gewonnen. In der zweiten Runde der französischen Kommunalwahlen setzte er sich mit deutlichem Abstand gegen die rechte Herausforderin Rachida Dati durch. Nach einer Schätzung von Ipsos BVA kam Grégoires vereinte linke Liste, die die weit links stehende La France Insoumise ausdrücklich ausschloss, auf 53,1 Prozent der Stimmen. Datis Liste von The Republicans erhielt demnach rund 38 Prozent. Eine dritte Liste unter Führung von Sophia Chikirou von LFI kam je nach Institut auf etwa 10 bis 12,5 Prozent. Grégoire war seit 2018 erster Stellvertreter von Anne Hidalgo und folgt ihr nun als Bürgermeister einer Stadt nach, die seit 2001 ohne Unterbrechung von der Linken regiert wird. Die Wahlbeteiligung in Paris lag Berichten von il Giornale zufolge bei rund 57 Prozent.

„Paris a décidé de rester fidèle à son histoire.” (Paris hat beschlossen, seiner Geschichte treu zu bleiben.) — Emmanuel Grégoire via ANSA

Paris wird seit 2001 von der Linken regiert. Damals wurde Bertrand Delanoë nach Jahrzehnten der erste linke Bürgermeister der Stadt. Anne Hidalgo, die Delanoë 2014 nachfolgte, amtierte zwei Wahlperioden und war die erste Frau in diesem Amt. Die Sozialistische Partei stützte ihre Dominanz in Paris auf Bündnisse mit Grünen und Kommunisten. Dieses Modell übernahm Grégoire 2026 erneut, schloss LFI jedoch bewusst aus.

Dati räumt Niederlage ein und beklagt „Gift der Spaltung“ im Wahlkampf Rachida Dati räumte ihre Niederlage am Sonntagabend ein. Sie erklärte, es sei ihr nicht gelungen, genügend Wähler davon zu überzeugen, dass ein Wechsel notwendig sei. Dati hatte ihr Amt als Kulturministerin niedergelegt, um für das Bürgermeisteramt in Paris zu kandidieren. Dieses politische Risiko zahlte sich letztlich nicht aus. Bereits nach dem ersten Wahlgang hatten sich die zentristischen Listen von Pierre-Yves Bournazel von Horizons-Renaissance und Sarah Knafo von Reconquête zurückgezogen. Bournazel hatte seine Anhänger aufgefordert, Dati zu unterstützen. Diese Bündelung der Stimmen reichte gegen die geschlossene Linke jedoch nicht aus. Dati beklagte im Wahlkampf, wie sie sagte, „Tiefschläge“ und sprach vom „Gift der Spaltung“ innerhalb der rechten Kräfte. Zugleich räumte sie ein, dass Hunderttausende Pariserinnen und Pariser einen Wunsch nach Veränderung geäußert hätten, den die künftige Stadtregierung nicht ignorieren könne. Grégoire wiederum sagte, sein Amt werde der Opposition stets offenstehen. Zudem würdigte er Chikirou. Deren Ergebnis spiegele, wie er sagte, ein tiefes Bedürfnis vieler Pariser nach Solidarität wider.

„Je n'ai pas réussi à convaincre suffisamment de personnes que le changement était non seulement possible, mais surtout nécessaire.” (Ich habe es nicht geschafft, genügend Menschen davon zu überzeugen, dass Veränderung nicht nur möglich, sondern vor allem notwendig war.) — Rachida Dati via ANSA

Emmanuel Grégoire (PS/United Left): 53.1, Rachida Dati (The Republicans): 38, Sophia Chikirou (LFI): 10

Linke behauptet Marseille, Bayrou verliert Pau mit 400 Stimmen Das Ergebnis in Paris fügte sich in ein breiteres Bild ein: In der zweiten Runde konnten linke Amtsinhaber mehrere große französische Städte halten. In Marseille setzte sich der sozialistische Bürgermeister Benoît Payan gegen den Kandidaten des National Rally, Franck Allisio, durch. Damit verwehrte er der extremen Rechten die erste Regierung einer größeren Stadt. In Lyon wurde der grüne Bürgermeister Grégory Doucet gegen Jean-Michel Aulas wiedergewählt, den früheren Chef von Olympique Lyonnais. Die Schätzungen für Doucet lagen zwischen 51,8 und 54 Prozent. Der frühere Premierminister Édouard Philippe wurde in Le Havre mit knapp 48 Prozent der Stimmen als Bürgermeister bestätigt. Auf den kommunistischen Kandidaten Jean-Lecoq entfielen 41,17 Prozent, auf den RN-Kandidaten 11,12 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag dort bei 53,72 Prozent. Die auffälligste persönliche Niederlage des Abends gab es in Pau, einer Stadt mit 80.000 Einwohnern. Dort reklamierte der Sozialist Jérôme Marbot, unterstützt von der Sozialistischen Partei, Place Publique, der Kommunistischen Partei und den Ökologen, den Sieg über François Bayrou, der seit 2014 Bürgermeister gewesen war. Marbot sagte, er habe mit etwa 400 Stimmen Vorsprung gewonnen.

400 (votes) — Marbots Vorsprung vor Bayrou in Pau

„Nous avons battu François Bayrou.” (Wir haben François Bayrou geschlagen.) — Jérôme Marbot via SudOuest.fr

RN reklamiert Tausende Mandate, scheitert aber in Großstädten Marine Le Pen sprach am Sonntagabend von einem „immensen Sieg“ für den Rassemblement National. Ihre Partei habe in „Dutzenden Gemeinden“ gewonnen und verfüge nun landesweit über „Tausende Gemeinderäte“, sagte sie. Diese Darstellung stand im Kontrast dazu, dass die Partei keines der großen urbanen Zentren des Landes erobern konnte, darunter Marseille, Toulon und Nîmes. Die Wahlen machten zugleich einen strategischen Gegensatz innerhalb der französischen Linken sichtbar: Von Sozialisten geführte Listen, die ein Bündnis mit LFI ablehnten, gewannen, so in Paris und Marseille. Linke Bündnisse dagegen, die LFI einschlossen, erlitten spürbare Niederlagen. Dazu gehörte Clermont-Ferrand, eine Stadt, die 80 Jahre lang von der Linken regiert worden war und nun an The Republicans fiel. Manuel Bompard, die Nummer zwei von LFI, sprach dennoch von einem „Durchbruch“ für seine Partei. Er verwies darauf, dass Chikirou erstmals in der Geschichte von LFI in neun Pariser Bezirksräte und in den Pariser Stadtrat eingezogen sei. Die Ergebnisse bestätigten damit die strategische Einschätzung sozialistischer Politiker wie Grégoire und Payan, dass der Ausschluss von LFI in umkämpften Großstadtwahlen von Vorteil sei. Die scheidende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, mit einem Glas Champagner vor dem Rathaus, bezeichnete das Ergebnis als „großen Sieg“ und sagte, sie sei „sehr glücklich“.

„Pendant six ans, on nous a dit qu'il était impossible que Mme Dati perde.” (Sechs Jahre lang wurde uns gesagt, dass es unmöglich sei, dass Frau Dati verliert.) — Anne Hidalgo via ANSA

Mentioned People

  • Emmanuel Grégoire — Polityk Partii Socjalistycznej i były pierwszy zastępca mera Paryża
  • Rachida Dati — Francuska polityczka i była minister kultury
  • Édouard Philippe — Były premier Francji w latach 2017–2020 i mer Le Havre
  • François Bayrou — Były premier Francji w latach 2024–2025 i lider MoDem
  • Marine Le Pen — Liderka National Rally (RN)
  • Anne Hidalgo — Ustępująca mer Paryża
  • Benoît Payan — Mer Marsylii
  • Grégory Doucet — Mer Lyonu
  • Sophia Chikirou — Kandydatka LFI na mera Paryża
  • Sarah Knafo — Polityczka Reconquête!

Sources: 21 articles