Ärzte ohne Grenzen hat am 31. März 2026 einen Bericht vorgelegt, dem zufolge in den von der Organisation unterstützten Gesundheitseinrichtungen in Nord- und Süd-Darfur zwischen Januar 2024 und November 2025 3.396 Überlebende sexueller Gewalt behandelt wurden. MSF spricht in dem Bericht von einem prägenden Merkmal des Bürgerkriegs im Sudan. Zugleich warnt die Organisation, die erfassten Zahlen bildeten nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Ausmaßes ab.
3.396 Betroffene in zwei Bundesstaaten behandelt
MSF meldet für Nord- und Süd-Darfur 3.396 Überlebende sexueller Gewalt zwischen Januar 2024 und November 2025. Die Organisation betont, dass die Zahl nur einen Teil des Problems abbildet.
RSF und verbündete Milizen stehen im Fokus
Nach Angaben von MSF und Betroffenen gingen die Übergriffe vor allem von den Rapid Support Forces und ihren Verbündeten aus. Die Organisation spricht von systematischem Missbrauch.
El Fasher verschärft die Lage weiter
Nach dem Fall von El Fasher registrierte MSF deutlich mehr Fälle in Tawila und Umgebung. Überfüllte Lager und fehlende Infrastruktur erhöhten das Risiko zusätzlich.
Auch Kinder sind betroffen
Unter den dokumentierten Überlebenden waren 41 Kinder unter fünf Jahren. In Süd-Darfur war zudem jeder fünfte Betroffene jünger als 18 Jahre.
Ärzte ohne Grenzen hat am 31. März 2026 einen Bericht vorgelegt, dem zufolge in den von der Organisation unterstützten Gesundheitseinrichtungen in Nord- und Süd-Darfur zwischen Januar 2024 und November 2025 3.396 Überlebende sexueller Gewalt behandelt wurden. MSF spricht in dem Bericht von einem prägenden Merkmal des Bürgerkriegs im Sudan. Die Studie mit dem Titel „There is Something I Want to Tell You...: Surviving the Sexual Violence Crisis in Darfur“ stützt sich auf medizinische Daten und Aussagen von Überlebenden aus nur zwei der 18 Bundesstaaten des Sudan. Die Organisation warnte, die Zahlen spiegelten nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes der Krise wider. Frauen und Mädchen machten 97 Prozent aller bei MSF behandelten Überlebenden aus, Männer und Jungen die übrigen drei Prozent. Die Rapid Support Forces und verbündete Milizen wurden den MSF-Daten und den Berichten der Überlebenden zufolge als hauptsächlich verantwortlich für den systematischen Missbrauch identifiziert.Der Bürgerkrieg im Sudan begann im April 2023 und stellte die Sudanesischen Streitkräfte unter dem Kommando von General Mohamed Hamdan Dagalo den RSF gegenüber. Der Konflikt hat nach Schätzungen rund 14 Millionen Menschen zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen; zugleich breitet sich im Land eine Hungersnot aus, und verschiedene im MSF-Bericht zitierte Quellen gehen von Hunderttausenden Toten aus. Darfur hat eine lange Geschichte von Konflikten und ethnischer Verfolgung; die Region war während des gesamten Krieges die Hochburg der RSF. Die RSF eroberte das Lager für Vertriebene in Zamzam im April 2025 nach zwei Tagen schweren Beschusses und übernahm am 26. Oktober 2025 die Kontrolle über El Fasher, die Hauptstadt von Nord-Darfur. Ruth Kauffman, die Leiterin der medizinischen Nothilfe bei MSF, beschrieb das Ausmaß der Krise in deutlichen Worten. „Sexuelle Gewalt ist ein prägendes Merkmal dieses Konflikts – nicht auf die Frontlinien beschränkt, sondern in den Gemeinden allgegenwärtig. Dieser Krieg wird auf dem Rücken und an den Körpern von Frauen und Mädchen geführt. Vertreibung, zusammenbrechende Hilfesysteme in den Gemeinden, fehlender Zugang zur Gesundheitsversorgung und tief verwurzelte geschlechtsspezifische Ungleichheiten ermöglichen es, dass diese Übergriffe im ganzen Sudan weitergehen.” — Ruth Kauffman via Al Jazeera Myriam Laaroussi, MSF-Koordinatorin für Nothilfe im Sudan, sagte, die Zahlen seien „nur die Spitze des Eisbergs“. Sie verwies auf Hürden beim physischen Zugang, zerstörte Gesundheitsstrukturen und soziale Tabus beim Melden solcher Taten. „Für Frauen gibt es in Darfur keinen sicheren Ort. Wir haben keine Daten für den gesamten Sudan, weil uns der physische Zugang fehlt. Der größte Teil der Gesundheitsinfrastruktur ist zerstört. Nahrung, Wasser, Strom: Nichts davon ist noch vorhanden.” — Myriam Laaroussi via NRC Die Gewalt folgte dem Bericht zufolge häufig ethnischen Linien; nichtarabische Gemeinschaften, darunter die Masalit, Fur und Zaghawa, wurden als „systematisch ins Visier genommen“ beschrieben, um Demütigung und Terror zu erzeugen. Fall von El Fasher löst Anstieg gemeldeter Fälle aus Nach der Einnahme von El Fasher durch die RSF am 26. Oktober 2025 behandelte MSF im November 2025 mehr als 140 Überlebende, die in Richtung der Stadt Tawila flohen; 94 Prozent von ihnen gaben an, von bewaffneten Männern angegriffen worden zu sein. In einem einzelnen Zeitraum, der Dezember 2025 und Januar 2026 umfasste, erfasste MSF weitere 732 Überlebende in Flüchtlingslagern rund um Tawila. Frauen berichteten dort von Übergriffen sowohl während der Flucht als auch in den Lagern selbst. Die BBC berichtete, dass mehr als 90 Prozent der von MSF behandelten Opfer auf dem Weg aus Konfliktgebieten in die vermeintliche Sicherheit von Tawila attackiert worden seien. Die Führung der RSF räumte laut BBC ein, bei der Übernahme von El Fasher seien „einzelne Verstöße“ begangen worden; diese würden untersucht, zugleich sei das Ausmaß der Gräueltaten übertrieben dargestellt worden. Überfüllte Lager, weit entfernte Wasserstellen, unsichere Sanitäranlagen und eine geringe Zahl an Toiletten erhöhten nach Angaben des Berichts die Verwundbarkeit der Überlebenden zusätzlich.Bei Feldarbeit oder auf dem Weg zu Feldern: 803, Beim Sammeln von Brennholz, Wasser oder Nahrung: 522 Auch Kinder unter den Opfern, darunter 41 unter fünf Jahren Unter den im Bericht dokumentierten Überlebenden waren auch Kinder; in Süd-Darfur war jeder fünfte Überlebende jünger als 18 Jahre. Der Bericht erfasste in Süd-Darfur 41 Kinder unter fünf Jahren unter den Behandelten, eine Zahl, die MSF als Hinweis auf die Breite der Krise bezeichnete. Überlebende schilderten Angriffe nicht nur während aktiver Kämpfe, sondern auch in alltäglichen Situationen: auf Straßen, in Märkten, auf landwirtschaftlichen Flächen und in Vertriebenenlagern. Eine im BBC-Beitrag zitierte Überlebende schilderte, sie sei die ganze Nacht hindurch von mehreren Männern wiederholt vergewaltigt worden, zusammen mit einem 15-jährigen Mädchen. Eine weitere Überlebende berichtete, eine 22-jährige Frau aus ihrer Gruppe sei von vier bis fünf Männern vergewaltigt worden und noch am Tatort gestorben. MSF forderte die Vereinten Nationen, Geber und humanitäre Akteure auf, Gesundheits- und Schutzangebote in ganz Darfur und im gesamten Sudan dringend auszubauen, und rief alle Konfliktparteien dazu auf, sexuelle Gewalt zu beenden und zu verhindern.
Mentioned People
- Ruth Kauffman — menedżerka MSF ds. zdrowia w sytuacjach nadzwyczajnych
- Myriam Laaroussi — koordynatorka MSF ds. sytuacji nadzwyczajnych w Sudanie
Sources: 11 articles
- Paramilitaire RSF zet seksueel geweld systematisch in als wapen in Darfur, ziet AzG (NOS)
- Soudan : MSF alerte sur l'ampleur des violences sexuelles utilisées comme arme de guerre au Darfour (Le Monde.fr)
- Sudan war 'being fought on women's bodies': Survivors detail sexual assault (Al Jazeera Online)
- La violenza sessuale come arma di guerra: perché in Sudan vengono struprate così tante donne - Il video (Open)
- Sudan, violenze sessuali contro donne e bambini: il rapporto MSF sulla guerra | Il Fatto Quotidiano - Il Fatto Quotidiano (Il Fatto Quotidiano)
- Sudan, la violenza sessuale come arma di guerra. La denuncia di MSF: "Molte vittime sono bambine (Fanpage)