Die Oppositionspartei TISZA hat bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 einen überwältigenden Sieg errungen und sich eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit gesichert. Mit 138 von 199 Sitzen beendet Péter Magyar die 16-jährige Regierungszeit von Viktor Orbán. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 80 Prozent, was knapp 6 Millionen abgegebenen Stimmen entspricht.

Verfassungsmehrheit für TISZA

Die Partei von Péter Magyar sichert sich 138 von 199 Sitzen und kann damit die Verfassung eigenständig ändern.

Ende der Ära Orbán

Viktor Orbáns Fidesz-Koalition bricht auf 55 Sitze ein, womit eine 16-jährige Regierungszeit endet.

EU-Kurskorrektur

Die neue Regierung plant den Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft und die Freigabe blockierter Ukraine-Hilfen.

Die TISZA-Partei von Péter Magyar hat bei den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April 2026 einen Erdrutschsieg erzielt. Nach Auszählung von fast 99 Prozent der Stimmen entfallen 138 der 199 Sitze auf TISZA. Damit verfügt Magyar über eine verfassungsändernde Mehrheit, die notwendig ist, um die von den Regierungen Orbáns verankerten Gesetze und Verfassungszusätze zu revidieren. Die Fidesz-KDNP-Koalition von Viktor Orbán kam lediglich auf 55 Mandate, während die rechtsextreme Partei Mi Hazánk 6 Sitze erhielt. Magyar erklärte, er rechne damit, dass sich das Endergebnis noch leicht zugunsten von TISZA verschieben und bis zu 141 oder 142 Sitze erreichen könnte.

138 (Sitze) — TISZA-Mandate im 199-köpfigen Parlament

TISZA (Magyar): 138, Fidesz-KDNP (Orbán): 55, Mi Hazánk: 6

Magyar fordert rasche Amtsübergabe und plant Warschau-Besuch Auf seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg forderte Magyar den ungarischen Präsidenten Tamás Sulyok auf, die konstituierende Sitzung des Parlaments deutlich vor der verfassungsrechtlichen Frist am 12. Mai einzuberufen. „Der Präsident darf nicht bis zum letztmöglichen Termin am 12. Mai warten, sondern muss die konstituierende Sitzung so schnell wie möglich anberaumen.” — Péter Magyar via TVN24 Magyar begründete die Dringlichkeit mit der wirtschaftlichen Lage: Er bezeichnete Ungarn als das „korrupteste und ärmste Land der EU“ und nannte die scheidende Fidesz-Regierung eine „organisierte kriminelle Vereinigung“. Er kündigte den Beitritt des Landes zur Europäischen Staatsanwaltschaft sowie eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf maximal acht Jahre an. Zudem ist für Anfang Mai 2026 eine Reise nach Warschau geplant. Ilona Gizińska vom Zentrum für Oststudien erläuterte gegenüber TOK FM, dass nun eine 30-tägige Übergangsfrist beginne, in der die scheidende Regierung formal im Amt bleibe.

„Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ungarn befindet sich in vielen Fragen in einer schwierigen Situation.” — Péter Magyar via wpolityce.pl

Ungarn trat der Europäischen Union am 1. Mai 2004 bei, genau 23 Jahre vor der Wahl im Jahr 2026. Viktor Orbán war erstmals von 1998 bis 2002 Ministerpräsident, kehrte 2010 an die Macht zurück und regierte bis zu seiner Niederlage 2026 durchgehend. In dieser Zeit verlor Ungarn aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit, Korruption und Minderheitenrechte den Zugriff auf etwa 17 Milliarden Euro an EU-Geldern, was fast 10 Prozent des jährlichen BIP entspricht. Laut Reuters sind weitere 18 Milliarden Euro aus dem Kohäsionsfonds aus ähnlichen Gründen eingefroren.

Brüssel begrüßt Wahlausgang, drängt auf Mehrheitsentscheidungen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte das Wahlergebnis und schlug strukturelle Änderungen im EU-Entscheidungsprozess vor. In einem Telefonat mit Magyar gratulierte sie ihm zum Sieg; laut Kommissionssprecherin Paula Pinho vereinbarten beide eine enge Zusammenarbeit. „Ungarn kehrt auf den europäischen Pfad zurück. Wir sollten jedoch auch Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Ich glaube, dass der Übergang zu qualifizierten Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik ein wichtiger Weg ist, um künftige Systemblockaden zu vermeiden.” — Ursula von der Leyen via wiadomosci.radiozet.pl Von der Leyen kündigte an, dass die Kommission unmittelbar nach der Regierungsbildung mit der neuen ungarischen Führung über die eingefrorenen EU-Mittel verhandeln werde. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte auf der Plattform X seine Bereitschaft zu einer „gemeinsamen, konstruktiven Arbeit“ mit Budapest. Als unmittelbare Folge wird die Freigabe eines EU-Kredits für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro erwartet, den Orbán im März 2026 blockiert hatte.

Experten warnen vor langwierigem Systemwechsel Analysten gaben zu bedenken, dass die Zweidrittelmehrheit keinen automatischen Sofortwandel garantiere. Tomasz Zając vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten sieht zwar eine Abkehr von Orbáns konfrontativem Kurs gegenüber Brüssel, warnt jedoch vor übertriebenen Erwartungen an das Reformtempo. Dr. Barbara Grabowska-Moroz vom Democracy Institute der Central European University betonte, dass die Änderung von Verfassungs- und Kardinalgesetzen zwar notwendig, aber nicht ausreichend sei. Sie warnte vor dem anhaltenden Einfluss von Fidesz-Anhängern in staatlichen Institutionen. „Systemische Korruption kann auch dann fortbestehen, wenn Viktor Orbán nicht mehr Ministerpräsident ist.” — Barbara Grabowska-Moroz via TOK FM Gizińska ergänzte, dass die 30-tägige Übergangsphase von der abtretenden Regierung für Vermögensübertragungen genutzt werden könnte. Magyar selbst betonte die Komplexität der Aufgabe: „Um dies zu lösen, reicht ein Regierungswechsel nicht aus. Wir müssen das gesamte System ändern.” — Péter Magyar via TVN24

Mentioned People

  • Péter Magyar — Lider partii TISZA i prawdopodobny kolejny premier Węgier
  • Viktor Orbán — Premier Węgier i przewodniczący partii Fidesz
  • Tamás Sulyok — Prezydent Węgier
  • Ursula von der Leyen — Przewodnicząca Komisji Europejskiej

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