Der ehemalige polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die Gründung des Verbandes „Rozwój Plus“ bestätigt und damit einen heftigen parteiinternen Konflikt ausgelöst. Etwa 40 Abgeordnete der Partei Recht und Gerechtigkeit sollen sich der Initiative bereits angeschlossen haben. Parteichef Jarosław Kaczyński drohte den Beteiligten Berichten zufolge mit dem Ausschluss von künftigen Wahllisten.

Gründung von „Rozwój Plus“

Ex-Premier Morawiecki gründet einen wirtschaftlich orientierten Thinktank mit etwa 40 PiS-Abgeordneten.

Ultimatum von Kaczyński

Der PiS-Vorsitzende droht damit, Mitglieder des neuen Verbandes künftig nicht mehr für Wahllisten zu berücksichtigen.

Sorge vor Desintegration

Führende PiS-Politiker wie Mariusz Błaszczak warnen vor einer Spaltung der Partei in einer kritischen Opponenzphase.

Prominente Unterstützung

Trotz des Drucks finden sich namhafte Parteigrößen wie Ryszard Terlecki und Michał Dworczyk auf der Mitgliederliste.

Der ehemalige polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die Gründung des Verbandes Rozwój Plus (Stowarzyszenie Rozwój Plus) bestätigt. Dieser Schritt löste innerhalb der Partei Recht und Gerechtigkeit (polnisches Akronym: PiS) umgehend eine tiefgehende interne Auseinandersetzung aus. Morawiecki, der von 2017 bis 2023 als Regierungschef amtierte, beschrieb das Ziel des Verbandes als Schaffung eines Raumes für Dialog und zur Einleitung von Maßnahmen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Polens. Die Initiative ist als Thinktank konzipiert, der sich primär auf wirtschaftliche Fragen konzentriert. Laut einer von der Nachrichtenagentur PAP zitierten Quelle aus Morawieckis Umfeld hat sich der Verband bereits konstituiert und umfasst rund 40 PiS-Abgeordnete; die formelle gerichtliche Registrierung wird bis Ende April 2026 erwartet. Gegenüber Wirtualna Polska erklärte Morawiecki, die Initiative solle Menschen ansprechen, die sich nicht vollständig mit den bestehenden rechten Parteien – einschließlich der PiS, der Konfederacja oder der Gruppierung „Polnische Krone“ von Grzegorz Braun – identifizieren.

40 (Abgeordnete) — ungefähre Anzahl der PiS-Parlamentarier im Verband

Kaczyński stellt Ultimatum bei Wahllisten Der PiS-Vorsitzende Jarosław Kaczyński kündigte im engen Kreis seiner Vertrauten an, dass Parteipolitiker, die Morawieckis Verband beitreten, keinen Platz auf den Wahllisten der PiS erhalten werden. Dies geht aus Recherchen des Journalisten Patryk Michalski für das TVN24+-Programm „News Michalskiego“ hervor, die von drei verschiedenen Quellen bestätigt wurden. Das Ultimatum wurde in Kaczyńskis Büro ausgesprochen, nachdem Morawiecki eine dringende Sitzung des Präsidiums des PiS-Politikkomitees in der Parteizentrale in der Warschauer Nowogrodzka-Straße verlassen hatte. Zu den Teilnehmern der vertraulichen Beratung gehörten Przemysław Czarnek, Mariusz Błaszczak, Elżbieta Witek, Jacek Sasin und Zbigniew Rau. Eine mit dem Treffen vertraute Quelle berichtete TVN24, dass die Diskussion vor Morawieckis Abreise scharf und stürmisch verlaufen sei, wobei lediglich Ryszard Terlecki das Konzept des Verbandes direkt unterstützt habe. Einer weiteren Quelle zufolge argumentierte Morawiecki während des Treffens, die Initiative solle Wähler der Mitte erreichen und Personen anziehen, die sonst nicht für die PiS stimmen würden, konnte die Mehrheit jedoch nicht überzeugen. „Der Vorsitzende entschied: Wenn jemand in Morawieckis Verband aktiv sein will, soll er sich anmelden, wird aber keinen Platz auf den Listen finden.” — Jarosław Kaczyński via TVN24 Laut Wprost war für Donnerstag, den 16. April, ein weiteres Treffen der obersten PiS-Führung in der Zentrale geplant.

Błaszczak und Bochenek warnen vor Parteizerfall Mariusz Błaszczak, Vorsitzender des PiS-Parlamentsklubs und ehemaliger Verteidigungsminister, erklärte öffentlich, der Verband könne als Instrument zur Spaltung des politischen Umfelds der Partei dienen. „Der Verband kann und wird sicherlich als eine Form des Zerfalls des politischen Umfelds genutzt werden, unseres politischen Umfelds von Recht und Gerechtigkeit.” — Mariusz Błaszczak via Polsat News PiS-Sprecher Rafał Bochenek teilte mit, die große Mehrheit der Parteiführung sei besorgt über die Initiative, insbesondere in einem Moment, in dem Einigkeit besonders vonnöten sei. Bochenek fügte hinzu, dass die Teilnahme an dem Vorhaben aus Sicht der Partei nicht dem Wohl der PiS diene und Verbände, die auf dem Fundament amtierender Parlamentarier oder Parteimitglieder aufgebaut seien, inakzeptabel seien. Przemysław Czarnek, PiS-Abgeordneter und ehemaliger Bildungsminister, veröffentlichte im Internet eine Stellungnahme, in der er den Zeitpunkt für Fraktionsbildung oder Egoismus als ungeeignet bezeichnete. „Dies ist keine Zeit für Egoismus; dies ist keine Zeit für Fraktionswesen!” — Przemysław Czarnek via Do Rzeczy Czarnek argumentierte, das übergeordnete Ziel bleibe die Abwahl der Koalition von Ministerpräsident Donald Tusk; jede Initiative, die das PiS-Lager spalte, behindere dieses Ziel.

Prominente PiS-Vertreter auf der Mitgliederliste des Verbandes Die vollständige Mitgliederliste von Rozwój Plus, über die Gazeta Prawna berichtete, verdeutlichte den Umfang der Initiative und erklärte die Besorgnis der PiS-Führung. Unter den Beteiligten befinden sich Ryszard Terlecki, langjähriger Vizemarschall des Sejm und einer der ranghöchsten Vertreter der PiS; Michał Dworczyk, ehemaliger Leiter der Kanzlei des Ministerpräsidenten; Piotr Müller, ehemaliger Regierungssprecher; sowie Waldemar Buda, früherer Minister für Entwicklung und Technologie. Die Liste umfasst zudem Marcin Horała, vormals zuständig für das Projekt des Zentralen Kommunikationshafens (CPK), die ehemalige Vizeministerin Olga Semeniuk-Patkowska sowie den ehemaligen Europaminister Szymon Szynkowski vel Sęk. Zu den aktuellen Parlamentariern auf der Liste gehören unter anderem Anna Kwiecień, Paweł Rychlik, Krzysztof Szczucki und Mirosława Stachowiak-Różecka. Morawiecki merkte an, dass bereits verschiedene Verbände im Umfeld der Partei existierten, etwa im Zusammenhang mit Zbigniew Ziobro, Marcin Ociepa oder Marcin Horała; Rozwój Plus entspreche somit der gängigen Praxis. Trotz des Drucks der Parteiführung erklärten Quellen aus Morawieckis Umfeld gegenüber Wprost, dass die Gruppe nicht beabsichtige nachzugeben. Die kritische Haltung der Parteispitze habe die Teilnehmer eher mobilisiert als abgeschreckt.

Die PiS regierte Polen von 2015 bis 2023 in aufeinanderfolgenden Regierungen unter Beata Szydło und Mateusz Morawiecki. Nach den Parlamentswahlen im Oktober 2023 verlor die Partei die Macht an eine Koalitionsregierung unter Donald Tusk. Laut Quellen in den Berichten schwelen interne Spannungen innerhalb der PiS zwischen den Lagern von Morawiecki und seinen Gegnern bereits seit mindestens November 2025. Die Partei pflegt unter Jarosław Kaczyński traditionell eine strikte interne Disziplin, wobei die Kontrolle über die Listenplätze bei Wahlen als zentrales Machtinstrument fungiert.

Mentioned People

  • Mateusz Morawiecki — polski polityk, menedżer i bankowiec; premier Polski w latach 2017–2023
  • Jarosław Kaczyński — polski polityk i doktor nauk prawnych; premier Polski w latach 2006–2007; prezes Prawa i Sprawiedliwości
  • Przemysław Czarnek — polski prawnik i polityk; poseł na Sejm od 2019 roku; były minister edukacji i nauki
  • Michał Dworczyk — polski polityk; poseł na Sejm w latach 2015–2024; były szef Kancelarii Prezesa Rady Ministrów
  • Ryszard Terlecki — polski historyk i polityk; poseł na Sejm od 2007 roku; były przewodniczący Klubu Parlamentarnego PiS
  • Mariusz Błaszczak — przewodniczący klubu parlamentarnego PiS i były minister obrony narodowej
  • Rafał Bochenek — rzecznik prasowy partii Prawo i Sprawiedliwość
  • Piotr Müller — były rzecznik rządu i polityk PiS
  • Waldemar Buda — były minister rozwoju i technologii
  • Krzysztof Szczucki — poseł i były prezes Rządowego Centrum Legislacji

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