Nach dem gewaltsamen Angriff auf ein CNN-Team im besetzten Westjordanland hat die israelische Armee ein gesamtes Reservebataillon vorläufig aus dem Dienst genommen. Der oberste Militärkommandeur sprach von einem „schwerwiegenden ethischen und professionellen Versagen“.
Bataillon vorläufig vom Dienst suspendiert
Die israelische Armee setzte am 30. März 2026 ein gesamtes Reservebataillon nach dem Angriff auf ein CNN-Team aus.
Soldat sprach von „Rache“
Auf Video sagte ein Soldat, das Vorgehen sei von Rache für den Tod eines israelischen Teenagers am 21. März geprägt gewesen.
Einheit mit langjähriger Kritik belastet
Das Netzah-Yehuda-Bataillon steht seit Jahren wegen Vorwürfen gegen den Umgang mit Palästinensern in der Kritik.
Presseverband verurteilt Vorfall
Die Foreign Press Association sprach von einem gezielten Angriff auf klar erkennbare Journalisten und einem Angriff auf die Pressefreiheit.
Das israelische Militär hat am Montag, dem 30. März 2026, ein gesamtes Reservebataillon suspendiert, nachdem es im besetzten Westjordanland zu einem gewaltsamen Angriff auf ein CNN-Nachrichtenteam gekommen war. Der oberste Befehlshaber der Armee sprach von einem „schwerwiegenden ethischen und professionellen Versagen“. Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag, dem 26. März, in dem palästinensischen Dorf Tayasir nordöstlich von Nablus. Dort dokumentierten der Korrespondent Jeremy Diamond und der Fotojournalist Cyril Theophilos die Folgen eines Angriffs israelischer Siedler und die Errichtung eines illegalen Außenpostens. Ein Soldat brachte Theophilos in einen Würgegriff, drückte ihn zu Boden und beschädigte seine Kamera. Das gesamte Team wurde anschließend für etwa zwei Stunden festgehalten. Ein weiterer Soldat sagte auf Video, die Truppe sei von „Rache“ für den Tod eines israelischen Teenagers motiviert gewesen, der am 21. März bei einer Kollision mit einem von einem Palästinenser gesteuerten Auto ums Leben gekommen war. Das Militär bestätigte, dass eine formelle Untersuchung eingeleitet worden sei, und entschuldigte sich bei den CNN-Journalisten.
Soldat berief sich vor laufender Kamera auf „Rache“ für Tod eines Teenagers Das von CNN aufgezeichnete Material dokumentierte mehrere problematische Äußerungen und Handlungen der anwesenden Soldaten. Ein Soldat sagte auf Video, das gesamte Westjordanland gehöre „den Juden“. Ein anderer verwies ausdrücklich auf die Tötung eines israelischen Teenagers am 21. März als Motivation für das Verhalten der Einheit. IDF-Sprecher Oberstleutnant Nadav Shoshani sagte, das Verhalten der Soldaten „repräsentiere die IDF nicht“, und kündigte eine Untersuchung an. „Ich habe mich privat entschuldigt, und ich sage es noch einmal — das hätte nicht passieren dürfen” — Nadav Shoshani via Deutsche Welle Generalstabschef Generalleutnant Eyal Zamir ging in der Mitteilung der Armee ebenfalls auf den Vorfall ein und betonte, Waffen dienten ausschließlich der Ausführung von Aufträgen. „Wir alle haben bei unserer Einberufung den Soldateneid geschworen. Waffen sind ausschließlich zum Zweck der Aufgabenerfüllung zu verwenden und niemals aus Rache” — Eyal Zamir via The New York Times Das Militär erklärte, Soldaten müssten „Besonnenheit, Staatssinn und Respekt für die Uniform, die sie tragen, und für das Militär, das sie vertreten“, wahren.
Ausgesetztes Bataillon steht seit Jahren in der Kritik Die suspendierte Einheit besteht zu einem großen Teil aus Veteranen des Netzah Yehuda Battalion, einer Einheit, die für ultraorthodoxe jüdische Männer geschaffen wurde, deren religiöse Praxis eine strikte Geschlechtertrennung verlangt. Das Bataillon stand schon zuvor wegen Vorwürfen des Missbrauchs von Palästinensern in der Kritik und geriet 2024 im Rahmen des amerikanischen Leahy Law ins Visier möglicher Sanktionen. Dieses Gesetz verbietet ausländischen Militäreinheiten, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, amerikanische Hilfe oder Ausbildung. Die Regierung Biden verzichtete schließlich darauf, die Hilfe für das Bataillon auszusetzen. Zu den schwerwiegendsten früheren Vorfällen, die der Einheit zugeschrieben werden, gehört der Tod eines 78-jährigen palästinensisch-amerikanischen Mannes im Jahr 2022. Er war bei einer Razzia in seinem Dorf festgenommen, geknebelt und gefesselt worden; eine Obduktion ergab, dass er an einem durch Stress ausgelösten Herzinfarkt starb, der auf Verletzungen während der Haft zurückging. Eine israelische Militäruntersuchung stellte Fehler bei den beteiligten Soldaten fest. Drei Kommandeure wurden diszipliniert, strafrechtliche Anklagen wurden jedoch nicht erhoben. Die Suspendierung des gesamten Bataillons wurde vom israelischen Nachrichtenportal Ynet als beispielloser Schritt beschrieben, der abschreckend wirken solle. Soldaten der Einheit reagierten Berichten zufolge schockiert auf das, was sie als Kollektivstrafe bezeichneten. Laut Tages-Anzeiger umfasst ein solches Bataillon gewöhnlich mehrere hundert Soldaten.
Der Angriff auf das CNN-Team erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender internationaler Kritik am Umgang des israelischen Militärs mit Journalisten. Nach Angaben von Deutsche Welle machte Reporter ohne Grenzen fast die Hälfte aller Journalistentode im Jahr 2025 auf israelische Kräfte zurück. Das Netzah-Yehuda-Bataillon sah sich über mehrere Jahre hinweg wiederholt mit Vorwürfen wegen Fehlverhaltens gegenüber Palästinensern konfrontiert, darunter der Tod eines palästinensisch-amerikanischen Häftlings im Jahr 2022. Die Einheit wurde 2024 bereits für mögliche US-Sanktionen nach dem Leahy Law geprüft, diese wurden aber letztlich nicht verhängt.
Pressefreiheitsgruppen sprechen von gezieltem Angriff, nicht von Missverständnis Die Foreign Press Association, die Hunderte Journalisten in Israel und den palästinensischen Gebieten vertritt, verurteilte den Vorfall scharf. „Das war kein Missverständnis. Es war ein gewaltsamer Angriff auf eindeutig identifizierte Journalisten und ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit. Auf Journalisten und Zivilisten Gewehre zu richten, einen Kameramann körperlich anzugreifen und ein Team festzuhalten, sind Handlungen, die jede Grenze überschreiten” — Foreign Press Association via Deutsche Welle Die Vereinigung erklärte, die Journalisten hätten sich vorab klar identifiziert, bevor die Soldaten wiederholt versucht hätten, die Aufnahmen zu verhindern. Die IDF teilte mit, das Bataillon werde während der Überprüfung in der Reserve verbleiben und nach Abschluss des Verfahrens wieder in den operativen Dienst zurückkehren. Die Armee stellte die Suspendierung als Maßnahme dar, um „ihre professionellen und ethischen Grundlagen zu stärken“, nannte aber keinen Zeitplan für die Prüfung. Generalleutnant Zamir würdigte die Bedeutung der Einheit für das Militär, zog aber eine klare Grenze zu dem, was er „unethische Normen“ nannte. 2 (Stunden) — Dauer, die das CNN-Team von Soldaten festgehalten wurde
Mentioned People
- Eyal Zamir — Szef Sztabu Generalnego Sił Obronnych Izraela, który objął stanowisko 5 marca 2025 roku
- Jeremy Diamond — Kanadyjsko-amerykański dziennikarz, reporter CNN w Jerozolimie
- Cyril Theophilos — Fotoreporter CNN, którego żołnierze izraelscy objęli chwytem za szyję i zaatakowali
- Nadav Shoshani — Rzecznik IDF w stopniu podpułkownika, który przeprosił za zachowanie żołnierzy
Sources: 9 articles
- Caso raro: Israel pune batalhão envolvido em ataque a equipa da CNN (Notícias ao Minuto)
- In rare ruling Israel decides to punish military unit after assaulting CNN crew (The Independent)
- Israel suspends battalion over attack on CNN journalists (Deutsche Welle)
- Israel Pulls Battalion From West Bank After Soldier Talks of 'Revenge' (The New York Times)
- Israëlische leger zet heel bataljon op non-actief na aanval op CNN-ploeg op Westelijke Jordaanoever | VRT NWS Nieuws (vrtnws.be)
- Journalistes de CNN attaqués en Cisjordanie : Israël suspend un bataillon de réserve (Le Monde.fr)
- Israël suspend un bataillon de réservistes après l'agression et la détention d'un journaliste de CNN en Cisjordanie (Le Figaro.fr)
- Festnahme eines CNN-Teams: Israels Armee bestraft ganzes Bataillon nach Gewalt gegen Reporter (Tages Anzeiger)
- L'armée israélienne suspend un bataillon après une attaque contre des journalistes de CNN (7sur7)
- Israels Armee bestraft Bataillon nach Gewalt gegen Reporter (stern.de)