In der pakistanischen Hauptstadt beginnen am Samstag die ranghöchsten diplomatischen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran seit der Islamischen Revolution von 1979. Nach einem fünf Wochen andauernden Krieg und einem fragilen zweiwöchigen Waffenstillstand streben beide Delegationen eine dauerhafte Vereinbarung an.
Historische Dimension
Erste direkte diplomatische Gespräche auf dieser Ebene zwischen den USA und dem Iran seit der Revolution von 1979.
Hochrangige Vertreter
Die US-Delegation wird von Vizepräsident JD Vance geleitet, die iranische von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf.
Zentrale Streitpunkte
Verhandelt wird über das Atomprogramm, Raketenentwicklungen, Sanktionen, Kriegsschäden und die maritime Sicherheit in der Straße von Hormus.
Prekäre Sicherheitslage
Der Gipfel findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad statt, während die Kämpfe im Libanon die Bedingungen des Iran erschweren.
Die ranghöchsten diplomatischen Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran seit 1979 sollen am Samstag in Islamabad, Pakistan, beginnen, wenn Delegationen beider Länder in der pakistanischen Hauptstadt zusammenkommen, um über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts nach einem fünfwöchigen Krieg und einem fragilen zweiwöchigen Waffenstillstand zu verhandeln. Die US-Delegation wird von Vizepräsident JD Vance geleitet, der von dem Sonderbeauftragten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, begleitet wird. Die iranische Seite traf bereits am Freitagabend mit einer über 70-köpfigen Delegation unter Leitung von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi in Islamabad ein. UN-Generalsekretär António Guterres forderte beide Parteien auf, die Gespräche als echte Chance zur Deeskalation zu begreifen. Sein Sprecher Stéphane Dujarric erklärte, beide Seiten müssten die Verhandlungen in Pakistan nutzen, um „nach Treu und Glauben eine dauerhafte und umfassende Vereinbarung anzustreben, mit dem Ziel, die Situation zu deeskalieren und eine Rückkehr zu Feindseligkeiten zu verhindern“. Iranische Delegation reist mit Bedingungen und tiefem Misstrauen anMohammad Bagher Ghalibaf gab bei seiner Ankunft in Islamabad am Freitag den Ton für die Gespräche an, indem er offen die Tiefe der iranischen Skepsis gegenüber Washington einräumte. „Wir haben gute Absichten, aber wir vertrauen nicht” — Mohammad Bagher Ghalibaf via Courrier international. Frühere Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten seien stets in „Scheitern und gebrochenen Versprechen“ geendet, fügte Ghalibaf laut iranischem Staatsfernsehen hinzu. Vor seiner Abreise nach Pakistan hatte Ghalibaf zudem gemahnt, dass zwei von beiden Seiten vereinbarte Bedingungen umgesetzt werden müssten, bevor substantielle Verhandlungen beginnen könnten: ein Waffenstillstand im Libanon und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Israel setzte seine Angriffe auf die Hisbollah im Libanon jedoch unvermindert fort, was die iranischen Bedingungen verkompliziert. Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten der zweiwöchigen Waffenruhe am Mittwoch forderten israelische Luftschläge im Libanon laut einem von Courrier international zitierten Bericht 357 Todesopfer. Israel gab an, an diesem Tag 180 Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben. Am Freitag töteten neue Angriffe laut der libanesischen Staatsagentur 13 Mitglieder der libanesischen Sicherheitskräfte im Süden des Landes. Der Iran fordert zudem Reparationen für die durch den etwa fünfwöchigen Krieg verursachten Zerstörungen sowie die Aufhebung aller Sanktionen. Vance warnt Teheran vor „Spielchen“ mit WashingtonJD Vance schlug vor seinem Abflug nach Islamabad einen vorsichtigen, aber entschlossenen Ton an und forderte Teheran auf, keine „Spielchen“ mit Washington zu treiben, während er gleichzeitig Gesprächsbereitschaft signalisierte. „Wenn die Iraner bereit sind, in gutem Glauben zu verhandeln, sind wir durchaus bereit, ihnen die Hand zu reichen” — JD Vance via Courrier international. Vances Ankunft in Islamabad ist für Samstagmorgen geplant, wenn die Gespräche offiziell beginnen sollen. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif versuchte die Öffentlichkeit am Freitag in einer Fernsehansprache zu beruhigen und bekräftigte, dass die Verhandlungen geführt würden, „um Frieden zu stiften“. Islamabad wurde im Vorfeld unter massive Sicherheitsvorkehrungen gestellt. Tausende Angehörige paramilitärischer Einheiten und der Armee wurden mobilisiert, was die Hauptstadt nach Berichten von Korrespondenten vor dem Gipfel in einem Luxushotel praktisch in eine Geisterstadt verwandelte. Auch Spanien meldete sich zu Wort: Außenminister José Manuel Albares forderte den Iran nach einem Austausch mit seinem Amtskollegen Abbas Araghchi auf, „in gutem Glauben“ teilzunehmen und Angriffe auf andere Länder zu unterlassen. Atomprogramm, Hormus und Raketen auf der AgendaDie Tagesordnung der Gespräche in Islamabad umfasst eine breite Palette kontroverser Themen, die das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran seit Jahrzehnten bestimmen.Die Vereinigten Staaten und der Iran haben seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen infolge der Islamischen Revolution von 1979 keine direkten Gespräche auf so hoher Ebene mehr geführt. Der aktuelle Konflikt – in den Quellen als rund fünfwöchiger Krieg bezeichnet – begann am 28. Februar 2026, als der damalige Oberste Führer Ali Khamenei bei US-israelischen Luftschlägen getötet wurde. Mojtaba Khamenei, der Sohn Ali Khameneis, wurde daraufhin zum neuen Obersten Führer ernannt. Das iranische Atomprogramm und die Entwicklung ballistischer Raketen sind seit Jahren zentrale Streitpunkte der internationalen Diplomatie, insbesondere nachdem frühere Abkommen wie der Atomdeal von 2015 nach dem Rückzug der USA scheiterten.Zu den zentralen Verhandlungspunkten gehören voraussichtlich die Öffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt, das iranische Atomprogramm und der Grad der Urananreicherung, die Entwicklung ballistischer Raketen sowie die Freigabe blockierter iranischer Gelder. Der Iran fordert zudem ein Ende sämtlicher Sanktionen und Entschädigungen für Kriegsschäden. Das beidseitige Misstrauen spiegelte sich auch in der iranischen Bevölkerung wider. Ein 30-jähriger Einwohner Teherans, der anonym mit der AFP sprach, äußerte sich skeptisch über das Vorgehen der USA. „Man sollte Trump nicht so ernst nehmen. Er will eine Zivilisation von der Karte wischen und setzt zwölf Stunden später einen Waffenstillstand in Kraft, der auf nichts basiert” — Anonymer Einwohner Teherans via Courrier international. Ob die beiden Delegationen in der Lage sein werden, die Vorbedingungen und das gegenseitige Misstrauen zu überwinden, bleibt die zentrale Frage des Gipfels in Islamabad.Weg zu den Verhandlungen in Islamabad: — ; — ; — ; —
Mentioned People
- JD Vance — 50. wiceprezydent Stanów Zjednoczonych
- Mohammad Bagher Ghalibaf — przewodniczący parlamentu Iranu od 2020 roku
- Abbas Araghchi — minister spraw zagranicznych Iranu od sierpnia 2024 roku
- Shehbaz Sharif — premier Pakistanu od 2024 roku
- António Guterres — Sekretarz Generalny Organizacji Narodów Zjednoczonych
- Jared Kushner — były starszy doradca prezydenta USA i zięć Donalda Trumpa
- Steve Witkoff — specjalny wysłannik USA
- José Manuel Albares — minister spraw zagranicznych Hiszpanii
Sources: 5 articles
- Vereinte Nationen: UN-Chef vor Gesprächen: USA und Iran sollten Chance nutzen (Der Tagesspiegel)
- UN-Chef vor Gesprächen: USA und Iran sollten Chance nutzen (stern.de)
- Les Etats-Unis et l'Iran affichent leur méfiance avant les négociations au Pakistan (Courrier international)
- Arrivée au Pakistan de la délégation iranienne, menée par le président du Parlement (Mediapart)
- L'Espagne demande à l'Iran de négocier " de bonne foi " (ministre Affaires étrangères) (Mediapart)