Am 15. April 2026 verzeichneten die französischen Luxusgüterkonzerne Hermès und Kering historische Kursverluste, nachdem die Quartalszahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. Während Hermès mit einem Minus von 14 Prozent den schlechtesten Handelstag seiner Geschichte erlebte, gab die Kering-Aktie um rund 9,6 Prozent nach. Ursächlich hierfür sind maßgeblich die Auswirkungen des anhaltenden Konflikts unter Beteiligung des Iran, der das Geschäft im Nahen Osten und den Tourismus in Europa belastet.
Historische Kursverluste in Paris
Hermès bricht um 14 % ein, den stärksten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte; Kering verliert 9,6 %.
Geopolitische Ursachen
Der Krieg unter Beteiligung des Iran führt zu einem Umsatzeinbruch von 40 % in Malls am Golf und bremst den Tourismus in Europa.
Krise der Wachstumsgaranten
Auch Marken wie Hermès, die bisher als immun gegen Wirtschaftsschwankungen galten, verzeichnen rückläufige Zahlen in Kernmärkten.
Gucci-Abwärtstrend hält an
Das Kering-Flaggschiff meldet das elfte Quartal in Folge mit sinkenden Umsätzen bei einer negativen Prognose durch JP Morgan.
Die Aktien der französischen Luxusgiganten Hermès und Kering sind am 15. April 2026 an der Pariser Börse eingebrochen. Hermès verzeichnete mit einem Rückgang von bis zu 14 Prozent das schlechteste Tagesergebnis seit Aufzeichnungsbeginn, während Kering ein Minus von etwa 9,6 Prozent verbuchte. Hintergrund sind die enttäuschenden Ergebnisse des ersten Quartals, die durch den Krieg unter Beteiligung des Iran und die daraus resultierenden Absatzschwierigkeiten im Nahen Osten sowie rückläufige Touristenzahlen in Europa geprägt waren. Hermès meldete für das erste Quartal einen Umsatzrückgang von 1,4 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, Kering einen Rückgang um 6 Prozent auf 3,56 Milliarden Euro (zu aktuellen Wechselkursen).
Der Ausverkauf weitete sich auf den gesamten europäischen Luxussektor aus. Der Euro Stoxx Luxury Index sank um 4,3 Prozent; auch die Aktien von Moncler, Brunello Cucinelli, Hugo Boss und Burberry gaben nach. Die Schwergewichte im CAC 40, Hermès und Kering, führten die Abwärtsbewegung an. Auch LVMH geriet unter Druck, nachdem das Unternehmen zuvor einen Rückgang von 2 Prozent in seiner Sparte für Mode und Lederwaren bekannt gegeben hatte. Die Ergebnisse bestätigen, dass der Konflikt im Nahen Osten die langjährige Widerstandsfähigkeit des Luxussektors beendet hat, wovon nun auch Marken betroffen sind, die zuvor als krisenfest galten.
März-Einbruch in Golf-Einkaufszentren alarmiert Investoren Besonders besorgniserregend fielen die Daten von Hermès-CFO Éric du Halgouët aus. Er sprach von einem „unvermittelten Stillstand“ des Luxuskonsums im Nahen Osten im März 2026. In den Luxus-Malls in Dubai und anderen Städten am Golf brachen die Umsätze in diesem Monat um 40 Prozent ein. Obwohl der Nahe Osten nur etwa 4 Prozent des Gesamtumsatzes von Hermès ausmacht, strahlten die geopolitischen Auswirkungen weit über die Region hinaus: Wichtige Kunden aus den Golfstaaten, eine tragende Säule für die Boutiquen in Paris, Mailand und London, blieben Europa fern.
Hermès verzeichnete in der Region Naher Osten einen Umsatzrückgang von 6 Prozent. Laut du Halgouët verlor das gesamte Filialgeschäft der Gruppe, das zuvor um 7 Prozent gewachsen war, nahezu 1,5 Prozentpunkte an Wachstum durch die Ereignisse in der Region. In Frankreich, wo mehr als die Hälfte des Umsatzes durch Touristen generiert wird, sank der Erlös um 2,8 Prozent auf 347 Millionen Euro. In Asien (ohne Japan) schrumpfte der Umsatz um 4,6 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro; China wies zu konstanten Wechselkursen nur ein leichtes Plus von 2,2 Prozent auf – eine deutliche Verlangsamung im Vergleich zu den zweistelligen Wachstumsraten früherer Jahre. Der starke Euro verschärfte die Bilanz zusätzlich und schmälerte den ausgewiesenen Umsatz um 290 Millionen Euro. Lichtblicke waren lediglich die USA mit einem Plus von 17,2 Prozent sowie Japan, das zu konstanten Wechselkursen um 9,6 Prozent zulegte.
USA: +17,2, Japan: +9,6, Naher Osten: -6, Asien exkl. Japan: -4,6, Frankreich: -2,8
Gucci mit elftem Quartalsrückgang in Folge Kering-Flaggschiff Gucci verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Rückgang der vergleichbaren Umsätze um 8 Prozent – das elfte Minus-Quartal in Folge. Der Umsatz belief sich auf 1,35 Milliarden Euro, was zu aktuellen Wechselkursen einem Minus von 14 Prozent entspricht. Der Einzelhandelsumsatz im Nahen Osten fiel im Quartal um 11 Prozent, nachdem die Region im Januar und Februar zunächst noch Zuwächse verzeichnet hatte, bevor sich der Konflikt Ende Februar intensivierte. Kering bezeichnete dies als „Anlass zur Sorge“.
Analysten von Citi äußerten sich vorsichtig. „Trotz bestätigter Prognosen bleibt der Zeitplan für eine Neuausrichtung von Gucci ungewiss und dürfte angesichts des schwierigen makroökonomischen Umfelds und der geopolitischen Spannungen schrittweise verlaufen.” — Citi-Analysten via Reuters JP Morgan bestätigte die Empfehlung „Verkaufen“ für Kering-Aktien mit einem Kursziel von 235 Euro. Kering-CEO Luca de Meo, der die Gruppe 2025 übernahm, räumte das schwierige Umfeld ein, verwies jedoch auf erste Stabilisierungstendenzen. „Die Einnahmen der Gruppe haben sich stabilisiert, was einen wichtigen ersten Schritt unserer Erholung darstellt. Diese Leistung spiegelt trotz des schwierigen geopolitischen Kontextes die ersten greifbaren Auswirkungen unserer Maßnahmen wider.” — Luca de Meo via ANSA Für den 16. April 2026 war die Präsentation des Strategieplans „ReconKering“ angekündigt.
Hermès verliert Status als sicherster Hafen Hermès International wurde 1837 von Thierry Hermès in Paris gegründet und war ursprünglich auf Sättel und Reitgeschirr spezialisiert. Heute ist es eine der bekanntesten Luxusmarken der Welt, berühmt für die Handtaschen-Modelle Birkin und Kelly. Die Kering S.A., früher unter dem Namen Pinault-Printemps-Redoute bekannt, wurde unter François-Henri Pinault, der 2005 die Leitung übernahm, zu einem Luxuskonzern umgewandelt. Zur Gruppe gehören Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Balenciaga und Bottega Veneta. Das Ausmaß des Kurssturzes bei Hermès – von der Zeitung La Vanguardia als historischer Negativrekord beschrieben – verunsicherte die Anleger deshalb so sehr, weil Hermès lange als defensivster Titel der Branche galt. Die exklusive Positionierung und lange Wartelisten für Taschen wie Birkin und Kelly schienen die Marke bisher vor wirtschaftlichen Abschwüngen zu schützen. Analysten von RBC bezeichneten die Ergebnisse als „enttäuschend“, da sie selbst die bereits kriegsbedingt gesenkten Erwartungen verfehlten. Bloomberg berichtete zudem, dass das Angebot an Kelly- und Birkin-Taschen auf dem US-Wiederverkaufsmarkt das Dreifache des Niveaus von 2020 erreicht habe. Dies wirft Fragen auf, ob der für die Preismacht entscheidende Knappheitsfaktor strukturell unter Druck geraten ist. Zudem führt der Erfolg von Chanel unter dem neuen Kreativdirektor Matthieu Blazy zu einem intensiveren Wettbewerb. 40 (%) — Umsatzeinbruch bei Hermès in Luxus-Malls am Golf im März 2026 Das Signal der Pariser Börse am 15. April war eindeutig: Kein Teil des europäischen Luxussektors bleibt von den geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten unberührt. Der Euro Stoxx Luxury Index verlor 4,3 Prozent, wobei der Druck von Paris auf Mailand, Frankfurt und London übergriff.
Mentioned People
- Éric du Halgouët — Dyrektor finansowy (CFO) firmy Hermès
- Luca de Meo — Dyrektor generalny (CEO) grupy luksusowej Kering od 2025 roku
Sources: 24 articles
- Europe's Once-Hot Luxury Firms Have Shed $180 Billion in 2026 (Bloomberg Business)
- European Luxury Stocks Drop as Iran War Stymies Sector's Comeback (The Wall Street Journal)
- Der Börsen-Tag: Hermes-Aktie stürzt ab (N-tv)
- Hermès y el factor Irán: por qué el desplome del 10% en Bolsa asusta al lujo (EL MUNDO)
- Hermes Is Having a Painful Ferrari Moment (Bloomberg Business)
- Effetto conti sul lusso, a Parigi tonfo Kering ed Hermes (Il Sole 24 ORE)
- Castigo en bolsa al lujo de Hermès y Kering (Gucci) por el impacto de la guerra (LaVanguardia)
- Kering shares slide premarket after Gucci sales fall (Reuters)
- Kering, ricavi stabili, ma la guerra pesa sulle vendite (Il Messaggero)
- Vendas da Gucci continuam a cair com o conflito no Médio Oriente a ensombrar recuperação (Publico)