Nach islamfeindlichen Sprechchören beim Freundschaftsspiel zwischen Spanien und Ägypten hat die katalanische Polizei Ermittlungen wegen eines Hassdelikts aufgenommen. Nationalspieler Lamine Yamal kritisierte das Verhalten einiger Zuschauer als respektlos und ignorant. Die Vorfälle ereigneten sich am Dienstagabend im RCDE Stadium bei Barcelona.

Hassrede-Ermittlungen

Die katalanische Polizei untersucht islamfeindliche Sprechchöre beim Spiel Spanien gegen Ägypten als Hassdelikt.

Yamal reagiert deutlich

Nationalspieler Lamine Yamal bezeichnete die Gesänge auf Instagram als respektlos und nannte die Urheber ignorant und rassistisch.

Politische Reaktionen

Minister Félix Bolaños sieht in den Vorfällen eine Folge des Erstarkens der extremen Rechten in Spanien.

WM-Vorbereitung

Der Vorfall ereignete sich während der Vorbereitung auf die WM 2026; Spanien drohen nun Sanktionen wie Geldstrafen oder Geisterspiele.

Die katalanische Regionalpolizei, die Mossos d'Esquadra, hat am Mittwoch Ermittlungen wegen eines Hassdelikts eingeleitet. Zuvor hatten spanische Anhänger während des Länderspiels gegen Ägypten am Dienstag im RCDE Stadium in Cornellà-El Prat nahe Barcelona gerufen: „Wer nicht springt, ist ein Moslem“. Die Partie, die vor Zuschauern stattfand, endete mit einem 0:0-Unentschieden. Berichten zufolge begannen die Gesänge etwa in der 20. Minute der ersten Halbzeit und waren mehrfach zu hören, unter anderem kurz nach dem Seitenwechsel. Spaniens 18-jähriger Flügelstürmer Lamine Yamal, ein praktizierender Muslim, der die erste Halbzeit spielte, verurteilte den Vorfall am Folgetag öffentlich auf Instagram. Während des Spiels zeigten der Stadionsprecher und die Anzeigetafeln Botschaften gegen Diskriminierung, doch diese Appelle wurden von Teilen des Publikums mit Pfiffen quittiert.

Yamal bezeichnet Fans als „ignorant und rassistisch“ Lamine Yamal, der als bester Spieler der spanischen Nationalmannschaft gilt, veröffentlichte am Mittwoch eine pointierte persönliche Erklärung auf Instagram. Darin bekannte er sich zu seinem Glauben und sprach die Verantwortlichen direkt an. „Ich bin Muslim, alhamdulillah. Gestern im Stadion war der Gesang „Wer nicht springt, ist ein Moslem“ zu hören. Ich weiß, dass er gegen die gegnerische Mannschaft gerichtet war und nichts Persönliches gegen mich, aber als Muslim ist es dennoch ein Mangel an Respekt und etwas Unerträgliches.” — Lamine Yamal via El País Yamal räumte ein, dass sich nicht alle Fans so verhalten hätten, richtete aber eine klare Botschaft an die Beteiligten. „Eine Religion als Spott auf dem Platz zu benutzen, lässt euch wie ignorante und rassistische Menschen aussehen. Fußball ist zum Genießen und Anfeuern da, nicht um Menschen dafür zu missachten, wer sie sind oder woran sie glauben.” — Lamine Yamal via El País Er beendete seinen Beitrag mit einem Dank an die Unterstützer und einem Hinweis auf die kommende Weltmeisterschaft. Da Ägypten ein mehrheitlich muslimisches Land ist, wurden die Sprechchöre als Provokation gegen das Gastteam verstanden. Dem Nationalspieler bot diese Unterscheidung jedoch keinen Trost. Laut der New York Times verurteilten auch seine Teamkollegen vom FC Barcelona, Pedri und Joan Garcia, den Vorfall.

Trainer, Minister und Verband verurteilen die Gesänge Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente bezeichnete das Verhalten als inakzeptabel und forderte den Ausschluss der Verantwortlichen aus dem Fußball und dem öffentlichen Leben. „Ich empfinde totalen und absoluten Abscheu gegenüber jeglicher fremdenfeindlicher oder rassistischer Haltung. Das ist unerträglich.” — Luis de la Fuente via AP News Er fügte hinzu, dass solche Personen den Fußball ebenso ausnutzten wie andere Lebensbereiche und die Gesellschaft sie isolieren müsse. Der spanische Fußballverband erklärte in sozialen Medien, man stelle sich „gegen Rassismus im Fußball und verurteile jede Form von Gewalt in Stadien.“ Félix Bolaños, Minister für Präsidiales, Justiz und die Beziehungen zum Parlament, verurteilte die Gesänge auf X und brachte den Vorfall mit dem Erstarken der extremen Rechten in Verbindung. „Rassistische Beleidigungen und Gesänge beschämen uns als Gesellschaft. Die extreme Rechte wird keinen Raum frei von ihrem Hass lassen, und wer heute schweigt, macht sich mitschuldig.” — Félix Bolaños via Reuters Auch die Ministerin für Bildung und Sport schloss sich der Verurteilung an. Die Ermittlung der Mossos wird laut El Mundo sowohl strafrechtlich als auch administrativ unter Berücksichtigung von Diskriminierungsprotokollen geführt.

Spiel wegen Iran-Kriegs aus Katar verlegt Das Freundschaftsspiel sollte ursprünglich in Katar stattfinden, wurde aber nach Spanien verlegt, nachdem die Region von den Konflikten infolge des Ausbruchs des Iran-Krieges betroffen war. Ein ebenfalls in Katar geplantes „Finalissima“-Spiel zwischen Südamerikameister Argentinien und Europameister Spanien wurde abgesagt, da kein neuer Termin gefunden werden konnte. Der Vorfall im RCDE Stadium verdeutlicht ein wiederkehrendes Problem im spanischen Fußball. Die Nachrichtenagentur Reuters erinnerte in diesem Zusammenhang an den Brasilianer Vinícius Jr. von Real Madrid, der in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel rassistischer Angriffe wurde. Spanien bereitet sich derzeit auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vor, wo das Team in Gruppe H auf Saudi-Arabien, Kap Verde und Uruguay trifft. Ägypten spielt in Gruppe G gegen Belgien, Neuseeland und den Iran. Laut La Vanguardia drohen Spanien aufgrund des Vorfalls eine Geldstrafe oder ein Geisterspiel.

Rassismus im spanischen Fußball ist seit Jahren ein dokumentiertes Problem. Besonders Vinícius Jr. wurde immer wieder zum Ziel rassistischer Beleidigungen in der LaLiga, was internationale Kritik auslöste. Das am Dienstag verwendete Chorgaschema „Wer nicht springt, ist [Subjekt]“ ist eine unter spanischen Fans übliche Form der Provokation gegen gegnerische Gruppen. Das RCDE Stadium ist die Heimstätte von RCD Espanyol und liegt im Ballungsraum von Barcelona.

Mentioned People

  • Lamine Yamal — Hiszpański piłkarz, prawoskrzydłowy FC Barcelona i reprezentacji Hiszpanii
  • Luis de la Fuente — Selekcjoner reprezentacji Hiszpanii w piłce nożnej
  • Félix Bolaños — Hiszpański minister ds. prezydencji, sprawiedliwości i kontaktów z parlamentem

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