Bei der Parlamentswahl in Slowenien hat sich Robert Golobs liberale Bewegung Freiheit nur knapp gegen die konservative SDS von Janez Janša durchgesetzt. Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam Golobs Partei auf 28,5 Prozent, die SDS auf 28,1 Prozent. Da keine der beiden großen Parteien im 90 Sitze umfassenden Parlament mit einer absoluten Mehrheit rechnen kann, werden kleinere Parteien für die Regierungsbildung entscheidend.

Bewegung Freiheit knapp vor SDS

Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam Robert Golobs Bewegung Freiheit auf 28,5 Prozent, Janez Janšas SDS auf 28,1 Prozent.

Keine absolute Mehrheit absehbar

Im 90 Sitze umfassenden Parlament wird keine der beiden großen Parteien allein regieren können. Kleinere Parteien werden für die Koalitionsbildung entscheidend.

Vorsprung schmolz über Nacht

Die ersten Nachwahlbefragungen hatten Golob mit 29,9 Prozent deutlich vor Janša mit 27,5 Prozent gesehen. Mit der Auszählung verringerte sich der Abstand auf 0,4 Prozentpunkte.

Wahlkampf von Außenpolitik und Vorwürfen geprägt

Ermittlungen zu möglichen Verbindungen der Firma Black Cube zu heimlich aufgenommenen Videos sowie der Krieg im Iran spielten im Wahlkampf eine wichtige Rolle.

Koalitionsgespräche bleiben offen

Le Monde sieht Golobs Partei bei 29 Sitzen und die SDS bei 28. Fünf weitere Parteien könnten ins Parlament einziehen, wodurch die Regierungsbildung offen bleibt.

Robert Golobs liberale Bewegung Freiheit hat Janez Janšas konservative Slowenische Demokratische Partei bei der Parlamentswahl am Sonntag knapp geschlagen. Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen lag die Bewegung Freiheit bei 28,5 Prozent, die SDS bei 28,1 Prozent. Golob, 59, reklamierte den Sieg in der Parteizentrale in Ljubljana für sich und sagte, die Wähler hätten sich für die Demokratie selbst entschieden und nicht nur für eine einzelne Partei. Janša, 67, reagierte mit der Erklärung, er werde nicht versuchen, eine Regierung zu bilden, falls das Ergebnis Bestand habe. Das war ein bemerkenswertes Zugeständnis, nachdem er im Wahlkampf einen komfortablen Mehrheitssieg in Aussicht gestellt hatte. Für keine der beiden Parteien wird eine absolute Mehrheit im 90 Sitze umfassenden Parlament erwartet. Damit werden kleinere Parteien für jede künftige Koalition ausschlaggebend. Das Ergebnis wich deutlich von den ersten Nachwahlbefragungen ab. Diese hatten Golobs Partei bei 29,9 Prozent und Janšas SDS bei 27,5 Prozent gesehen. Dieser Vorsprung schrumpfte im Verlauf der Nacht mit fortschreitender Auszählung stetig.

Golob beansprucht Regierungsauftrag trotz minimalen Vorsprungs Golob äußerte sich kurz nach Bekanntgabe der nahezu endgültigen Ergebnisse und zeigte sich überzeugt, die nächste Regierung führen zu können. Zugleich räumte er ein, dass schwierige Schritte bevorstünden. „You gave your vote to democracy, not only to the Freedom Movement” (Sie haben Ihre Stimme der Demokratie gegeben, nicht nur der Bewegung Freiheit) — Robert Golob via stern.de Er fügte hinzu, in seiner nächsten Amtszeit werde er sich für eine bessere Zukunft für alle einsetzen. Das Land könne unter einer „freien Sonne“ nach vorn blicken, sagte er. Die Deutsche Welle berichtete, Golob habe außerdem eingeräumt, dass „harte Verhandlungen bevorstehen“. Das war ein Hinweis auf die Koalitionsgespräche, die angesichts der zersplitterten Mehrheitsverhältnisse nötig sein werden. Nach Angaben von Le Monde kann Golobs Partei mit 29 Sitzen rechnen, Janšas SDS mit 28. Fünf weitere Parteien dürften demnach ebenfalls ins Parlament einziehen. Die griechische Wirtschaftszeitung Naftemporiki berichtete, auf Grundlage möglicher Bündnisse scheine keines der beiden Lager derzeit eine eigene Mehrheit erreichen zu können. Janša wiederum sagte Anhängern in seiner Wahlkampfzentrale, wer einen Wechsel wolle, müsse die endgültigen Ergebnisse abwarten. Eine formelle Niederlage räumte er damit nicht ein.

Vorwürfe zu Black Cube und der Krieg im Iran prägten den Wahlkampf Der Wahlkampf wurde von Vorwürfen ausländischer Einflussnahme überschattet. Slowenische Behörden prüfen, ob die israelische private Nachrichtendienstfirma Black Cube hinter heimlich aufgenommenen Videos steht, in denen Golobs Regierung als korrupt dargestellt wird. Janša räumte ein, einen Vertreter von Black Cube getroffen zu haben, bestritt aber jede Beteiligung an der Veröffentlichung der Videos. Auch die internationale Lage prägte das Rennen. Der Krieg im Iran, der Ende Februar 2026 begann, verschaffte linken Parteien nach Einschätzung eines politischen Redakteurs „eine große Bühne für Kritik“. Zugleich zwang Janšas gut dokumentierte Bewunderung für Donald Trump ihn dazu, sich in diesem Punkt eher zurückzuhalten. Golobs Regierung gehörte zuvor zu den wenigen in der Europäischen Union, die das Vorgehen Israels in Gaza als Völkermord bezeichneten. Damit nahm Slowenien innerhalb des Staatenbunds eine besondere Position ein. Nach einem Bericht von Observador kritisierte Golob außerdem Russlands Krieg gegen die Ukraine mit Nachdruck und sprach sich gegen Ambitionen der Vereinigten Staaten mit Blick auf Grönland aus. Der Bericht von Observador verweist zudem darauf, dass Golob den Umfrageabstand in den vergangenen Wochen mit populären Maßnahmen verringerte, darunter Rentenerhöhungen und ein verpflichtendes Weihnachtsgeld.

Slowenien erklärte 1991 seine Unabhängigkeit vom kommunistisch regierten Jugoslawien und trat 2004 sowohl der Europäischen Union als auch der Nato bei. Das Land mit rund 2,1 Millionen Einwohnern wechselte seit der Unabhängigkeit regelmäßig zwischen liberalen und rechten Regierungen. Janša war drei Mal Ministerpräsident: von 2004 bis 2008, von 2012 bis 2013 und von 2020 bis 2022. Seine letzte Amtszeit war von Konflikten mit der EU, Vorwürfen einer Einschränkung der Pressefreiheit und einem Umgang mit der Covid-19-Pandemie geprägt, der Zehntausende Demonstranten auf die Straße brachte. Golob kam als relativer politischer Neuling in die Politik und gewann die Wahl 2022 mit großem Vorsprung. In der Folge legalisierte er die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sowie die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.

Koalitionsarithmetik macht kleinere Parteien zum Zünglein an der Waage Weil keine der beiden großen Parteien allein regieren kann, werden Identität und Zahl der kleineren Parteien im Parlament darüber entscheiden, wer die nächste Regierung bildet. Golob führt derzeit eine Dreiparteienkoalition der Mitte-links und müsste dieses Bündnis erneut zusammenführen oder erweitern, um an der Macht zu bleiben. Janša, dessen SDS während eines großen Teils des Wahlkampfs in Umfragen geführt hatte, bevor Golob am Ende aufholte, war mit dem Versprechen angetreten, das wiederherzustellen, was er „slowenische Werte“ nannte. Außerdem wollte er staatliche Mittel für bestimmte Nichtregierungsorganisationen kürzen und das Land gesellschaftspolitisch wieder auf einen konservativeren Kurs bringen. Seine Nähe zum ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seine Bewunderung für Trump verorteten die SDS in einer breiteren europäischen rechts-populistischen Strömung. Die Deutsche Welle wertete die Abstimmung deshalb auch als Test dafür, ob illiberale Politik innerhalb der EU weiter an Boden gewinnt. Das Ergebnis, bei dem die beiden führenden Parteien weniger als einen halben Prozentpunkt trennen, lässt den Ausgang der Koalitionsverhandlungen offen.

Bewegung Freiheit (GS): 28.5, Slowenische Demokratische Partei (SDS): 28.1

Slowenien-Wahl: Nachwahlbefragung im Vergleich zum nahezu endgültigen Ergebnis: Bewegung Freiheit (GS) (before: 29.9% (Nachwahlbefragung), after: 28.5% (99% ausgezählt)); Slowenische Demokratische Partei (SDS) (before: 27.5% (Nachwahlbefragung), after: 28.1% (99% ausgezählt)); Abstand zwischen den Parteien (before: 2.4 Prozentpunkte, after: 0.4 Prozentpunkte)

Mentioned People

  • Robert Golob — premier Słowenii i lider Ruchu Wolność od 2022 roku
  • Janez Janša — słoweński polityk, który trzykrotnie pełnił funkcję premiera Słowenii
  • Viktor Orbán — premier Węgier i sojusznik Janeza Janšy
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych

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