Der französische Innenminister Laurent Nuñez prüft rechtliche Schritte, um einen Auftritt des US-Rappers Kanye West im Stade Vélodrome zu verhindern. Hintergrund sind wiederholte antisemitische Äußerungen des Musikers, der bereits in anderen europäischen Ländern mit Einreiseverboten belegt wurde. Die lokalen Behörden in Marseille unterstützen das Vorhaben ausdrücklich.
Verbot in Marseille angestrebt
Innenminister Nuñez will das Konzert im Stade Vélodrome wegen antisemitischer Aussagen des Rappers untersagen.
Einheitliche Front lokaler Behörden
Sowohl der Bürgermeister von Marseille als auch der Regionalpräfekt unterstützen Bestrebungen gegen den Auftritt.
Britische Einreisesperre als Präzedenzfall
Großbritannien verweigerte West bereits am 7. April die Einreise, was zur Absage seines Londoner Festivalauftritts führte.
Tournee-Ungewissheit in Europa
Während Frankreich und Großbritannien hart durchgreifen, planen die Niederlande derzeit kein Verbot der für Juni angesetzten Shows.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez setzt sich aktiv für ein Verbot des Konzerts von Kanye West, Künstlername Ye, im Marseiller Stade Vélodrome ein. Nuñez begründet dies mit der Vorgeschichte des Rappers bezüglich antisemitischer und pro-nationalsozialistischer Aussagen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers gegenüber POLITICO sei Nuñez „entschlossen“, den Auftritt zu verhindern, und prüfe derzeit „alle Möglichkeiten“, um dieses Ziel zu erreichen. Dieser Schritt folgt auf eine Entscheidung der britischen Regierung vom 7. April, West die Einreise in das Vereinigte Königreich zu untersagen, was zur Absage seines geplanten Auftritts beim Wireless Festival in London führte. Quellen aus dem Umfeld des Ministers bestätigten die Informationen gegenüber der AFP, nachdem zuvor die Zeitung Libération darüber berichtet hatte. Als Konzertdatum nennen verschiedene Quellen den 11. Juni, während der Sender BFMTV den 6. Juni als Termin angab.
Bürgermeister von Marseille und Regionalpräfekt für Verbot Nuñez habe bereits Gespräche mit zwei zentralen regionalen Akteuren über ein mögliches Verbot geführt: dem Regionalpräfekten von Provence-Alpes-Côte d'Azur, Jacques Witkowski, und dem Marseiller Bürgermeister Benoît Payan. Laut Le Monde und weiteren Berichten fand dieser Austausch bei einem Besuch in der Stadt in der vergangenen Woche statt. Payan hatte seine ablehnende Haltung bereits Anfang März und damit vor der Intervention des Ministers verdeutlicht. Der linke Bürgermeister erklärte auf der Plattform X, das Vélodrome-Stadion sei ein Symbol des Zusammenhalts und der Vielfalt. „„Ich weigere mich, Marseille zu einem Schaufenster für diejenigen zu machen, die Hass und unverhohlenen Nationalsozialismus verbreiten. Kanye West ist im Vélodrome nicht willkommen, da es ein Symbol für das Zusammenleben aller Einwohner von Marseille ist.“” — Benoît Payan via VRT NWS Payan bekräftigte diese Einstellung in weiteren Zitaten und betonte, er werde nicht zulassen, dass die Stadt als Plattform für Hassrede diene. Damit bildet sich eine geschlossene Front zwischen dem Innenministerium, der Präfektur und der Stadtverwaltung, auch wenn die genaue rechtliche Grundlage für ein Verbot noch nicht öffentlich bestätigt wurde.
Großbritannien erließ Einreiseverbot; Niederlande halten an Plänen fest Das Vereinigte Königreich war am 7. April als erste europäische Regierung vorgegangen und hatte West die Einreise verweigert. Dies führte direkt zur Absage seines für Juli geplanten Auftritts beim Wireless Festival. Premierminister Keir Starmer äußerte sich eindeutig zu den Gründen. „„Antisemitismus in jeder Form ist abscheulich und muss konsequent bekämpft werden, wo immer er auftritt.“” — Keir Starmer via The Sun Die Niederlande verfolgen hingegen einen anderen Kurs. Die dortigen Behörden gaben an, derzeit kein Verbot für zwei Anfang Juni geplante Konzerte von West zu planen. Diese unterschiedlichen Ansätze verdeutlichen das Fehlen einer koordinierten europäischen Strategie im Umgang mit dem Künstler. West war laut Medienberichten bereits in einem früheren Jahr die Einreise nach Australien verweigert worden. Das individuelle Vorgehen der einzelnen Staaten lässt die Europatournee des Rappers ungewiss erscheinen, da jede Regierung die rechtlichen und politischen Optionen eigenständig abwägt.
Kontroverse um Titel „Heil Hitler“ und Entschuldigung im Wall Street Journal Der Druck auf West resultiert aus einer Reihe öffentlicher Kontroversen der letzten Jahre. 48 (Jahre alt) — Wests Alter zum Zeitpunkt der Kontroverse Der 48-jährige Rapper verlor infolge antisemitischer und rassistischer Äußerungen zahlreiche Fans sowie Geschäftsverträge. Im Jahr 2023 erklärte er öffentlich, er „liebe Nazis“, und bot auf seiner Website T-Shirts mit Hakenkreuz-Motiven an. Im Mai 2025 veröffentlichte er einen Titel mit dem Namen „Heil Hitler“, der daraufhin von großen Streaming-Plattformen entfernt wurde. Anfang 2026 versuchte West, der Kritik durch einen Brief im Wall Street Journal zu begegnen, in dem er seine Aussagen auf eine bipolare Störung zurückführte. „„Ich bin kein Nazi oder Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.“” — Kanye West via VRT NWS Berichten zufolge bot er zudem an, sich mit Vertretern der jüdischen Gemeinde in London zu treffen, und bekundete den Wunsch, eine Show für Einheit und Frieden zu inszenieren. Europäische Behörden zeigten sich von diesen Gesten bislang unbeeindruckt. Die öffentlichen Kontroversen um Wests Antisemitismus verschärften sich ab 2022 massiv und führten zum Verlust bedeutender Partnerschaften. Seine Aussagen über Nationalsozialisten und die Veröffentlichung des Titels „Heil Hitler“ im Jahr 2025 verstärkten die Forderungen nach Einreisesperren. Erst nach den Maßnahmen in Australien und dem britischen Einreiseverbot vom 7. April 2026 wurde die geplante Headliner-Show beim Wireless Festival in London endgültig abgesagt.
Chronologie der Verbote gegen Kanye West in Europa: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Laurent Nuñez — Prefekt policji w Paryżu i francuski Minister Spraw Wewnętrznych
- Keir Starmer — Premier Wielkiej Brytanii
- Benoît Payan — Burmistrz Marsylii
- Jacques Witkowski — Prefekt regionu Prowansja-Alpy-Lazurowe Wybrzeże
- Kanye West — Amerykański raper i projektant mody znany jako Ye
Sources: 19 articles
- Ye Faces a Possible Ban From Performing in France After Wireless Festival Cancellation (Billboard)
- Kanye West Faces Potential Ban in France Amid Wireless Festival Controversy (Rolling Stone)
- French minister seeks to ban Kanye West concert in Marseille over anti-Semitic remarks (France 24)
- Kanye West: French Minister Considering Ban On Marseille Concert (Deadline)
- French authorities 'determined' to cancel Kanye West's Marseille concert after UK ban (The Independent)
- Kanye West nu este dorit nici în Franța. După ce Marea Britanie i-a trântit ușa-n nas, guvernul de la Paris vrea și el interzicerea concertului de la Marsilia (Ziare.com)
- Laurent Nuñez veut interdire le concert de Kanye West à Marseille à cause de propos antisémites (BFMTV)
- Kan concert van Kanye West in Marseille doorgaan? Minister van Binnenlandse Zaken wil verbod na antisemitische uitspraken | VRT NWS Nieuws (vrtnws.be)
- Propos antisémites et apologie du nazisme: le ministre français de l'Intérieur entend bien interdire le concert de Kanye West à Marseille (Le Temps)
- Anche la Francia vuole vietare il concerto di Kanye West a Marsiglia - Notizie - Ansa.it (ANSA.it)