Ein dpa-Bericht über interne Chats legt eine enge Zusammenarbeit zwischen der EVP-Fraktion und der AfD im Europaparlament nahe. Die Veröffentlichungen haben die Debatte über die Brandmauer in Deutschland und der EU neu entfacht.

dpa berichtet über interne Chats

Nach der am 14. März 2026 veröffentlichten Recherche sollen interne Chatprotokolle eine enge Zusammenarbeit zwischen EVP-Fraktion und AfD im Europäischen Parlament belegen.

Brandmauer gerät unter Druck

Die Darstellung widerspricht öffentlichen Zusagen etablierter Parteien, jede formelle Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen, und belebt die Debatte über die Brandmauer neu.

Manfred Weber im Zentrum der Berichte

Als Präsident der EVP seit 2022 und Fraktionschef im Europaparlament seit 2014 ist Weber die zentrale in den Berichten genannte Person.

Kritik von Sandro Gozi

Der Renew-Europe-Abgeordnete und EDP-Generalsekretär warf der EVP ein extremistisches Abdriften vor, das Europa schwäche.

Keine bestätigte Reaktion der EVP

In den bis zur Veröffentlichung verfügbaren Quellen wurde keine Stellungnahme Webers oder der EVP-Fraktion zu den dpa-Erkenntnissen bestätigt.

Eine am 14. März 2026 veröffentlichte dpa-Recherche hat ergeben, dass interne Chatprotokolle eine enge Zusammenarbeit zwischen der von Manfred Weber geführten Fraktion der Europäischen Volkspartei und der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland im Europäischen Parlament zeigen und damit die sogenannte Brandmauer-Politik, die rechtsextreme Parteien von einer Zusammenarbeit mit dem konservativen Mainstream fernhalten soll, unmittelbar infrage stellen. Die Recherche, über die mehrere deutschsprachige Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, der Bayerische Rundfunk, stern.de und tagesschau.de, berichteten, konzentriert sich auf den Inhalt interner Mitteilungen, die den Charakter und das Ausmaß dieser Zusammenarbeit dem Vernehmen nach dokumentieren. Die Ergebnisse entfachten umgehend erneut eine breitere politische Debatte in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union über die Grenzen zwischen dem konservativen Mainstream und der extremen Rechten. Weber, der seit 2022 Präsident der EVP ist und seit 2014 die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament führt, ist die zentrale in den Berichten genannte Figur. Die EVP ist die größte politische Fraktion im Europäischen Parlament.

Das Konzept der Brandmauer ist eine prägende Konfliktlinie in der deutschen und europäischen Politik, wobei die etablierten Parteien wiederholt zugesagt haben, jede formelle Zusammenarbeit mit der AfD abzulehnen. Die Behauptung der dpa-Recherche, interne Chats dokumentierten in Brüssel ein Bündnis oder eine Zusammenarbeit, widerspricht diesen öffentlichen Festlegungen unmittelbar. Die Berichte in deutschen Medien beschreiben die Chats durchgängig als interne Dokumente, auch wenn der konkrete Inhalt der Nachrichten über die dpa-Berichterstattung hinaus nicht durch unabhängige Quellen bestätigt worden ist. Die Welt rahmte die Geschichte ausdrücklich über die Brandmauer-Debatte und beschrieb die Chats als Beleg für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen von EVP und AfD im Europäischen Parlament. Die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse am 14. März löste umgehend politische Reaktionen aus.

Sandro Gozi, Generalsekretär der Europäischen Demokratischen Partei und Europaabgeordneter von Renew Europe, reagierte auf die Berichte mit direkter Kritik an der EVP. „von der EVP geht ein extremistisches Abdriften aus, das Europa schwächt” — Sandro Gozi via ANSA.it Gozis Erklärung wertete die mutmaßliche Zusammenarbeit nicht nur als Verstoß gegen ein Verfahren, sondern als einen breiteren ideologischen Wandel innerhalb der EVP, der nach seiner Auffassung das europäische Projekt untergräbt. Sein Eingreifen verlieh dem, was zunächst vor allem als deutsche innenpolitische Kontroverse berichtet worden war, eine europäische und parteiübergreifende Dimension. Der ANSA-Bericht über Gozis Äußerungen wurde am 14. März um 15.28 Uhr MEZ veröffentlicht, also etwa eine Stunde, nachdem die ersten dpa-Erkenntnisse in den deutschen Medien zu zirkulieren begonnen hatten.

Die EVP, 1976 vor allem von christdemokratischen Parteien gegründet, hat ihre Mitgliedschaft seither auf liberal-konservative Parteien ausgeweitet. Die AfD hat 15 Mitglieder des Europäischen Parlaments und 151 Mitglieder des Bundestags, in dem sie die größte Oppositionspartei ist. Die Frage der Zusammenarbeit zwischen europäischen Mainstream-Konservativen und rechtsextremen Parteien ist im Europäischen Parlament wiederholt eine Quelle von Spannungen gewesen, wobei die Beziehungen der EVP zu nationalistischen und populistischen Parteien an ihrem rechten Rand immer wieder von zentristischen und linksgerichteten Gruppen kritisch geprüft wurden. Die Brandmauer-Debatte ist besonders in Deutschland scharf geführt worden, wo sich alle großen Parteien öffentlich dazu bekannt haben, auf Bundesebene Koalitionsvereinbarungen oder eine legislative Zusammenarbeit mit der AfD abzulehnen. Eine Reaktion Webers oder der EVP-Fraktion auf die Ergebnisse der dpa-Recherche war in den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Quellenartikeln nicht bestätigt.