Die Europäische Union erhöht in der Iran-Krise den diplomatischen Druck. Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete die Sicherheit der Straße von Hormus als Priorität der EU, nachdem die Passage seit dem Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran faktisch geschlossen blieb. Zugleich mehren sich in Europa die Signale der Distanz zur amerikanischen Militärkampagne.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi gesprochen und erklärt, die Sicherheit der Straße von Hormus habe für die Europäische Union Priorität. Die Wasserstraße blieb nach dem Ausbruch des US-israelischen Kriegs gegen Iran faktisch geschlossen. Die Sperrung hat weltweit Reedereien und Energiemärkte erheblich unter Druck gesetzt und in europäischen Hauptstädten sowie in Washington eine intensive diplomatische Aktivität ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahm zudem getrennt Kontakt zu US-Präsident Donald Trump und zum Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, auf, um einen Aufschub für Angriffe auf zivile Infrastruktur zu erreichen. Die EU sieht sich mit einer akuten Notlage konfrontiert. Sie muss ihre wirtschaftliche Verwundbarkeit in der Krise gegen den wachsenden politischen Druck abwägen, sich von der amerikanischen Militärkampagne zu distanzieren. Trump sagte seinerseits nach Angaben von Reuters, die Vereinigten Staaten sprächen mit sieben Ländern über die Sicherung der Meerenge.

Washington prüft Bodentruppen für eine „neue Phase“ Nach einem Reuters-Bericht, den das griechische Medium in.gr aufgriff, prüfen die Vereinigten Staaten die Entsendung von Verstärkungen, darunter auch Bodentruppen, in Erwartung einer möglichen neuen Phase des Kriegs gegen Iran. Die Aussicht auf eine ausgeweitete Bodenoperation hat in europäischen Regierungen Besorgnis ausgelöst, die sich bereits wegen des bisherigen Verlaufs von Operation Epic Fury unwohl fühlen. Griechische Medien bezeichneten die möglichen Einsätze als „gefährlich“ und spiegelten damit die Sorge von Analysten über die Risiken eines tieferen militärischen Engagements wider. Die Vereinigten Staaten haben eine Entscheidung über Bodentruppen bislang nicht offiziell bestätigt. Die Berichte stützen sich weiter auf ungenannte Beamte. Die Überlegungen verdeutlichen den offenen Charakter des Konflikts, der sich nach dem Beginn der Kampfhandlungen am 28. Februar inzwischen in der vierten Woche befindet. In den europäischen Hauptstädten wird der amerikanische Entscheidungsprozess genau verfolgt, weil jede weitere Eskalation die diplomatischen Bemühungen um eine Wiederöffnung der Meerenge zusätzlich erschweren würde.

Europa geht auf Distanz: „Das ist nicht unser Krieg“ Immer mehr europäische Regierungen rücken von der Position der USA ab. Die Haltung „Das ist nicht unser Krieg“ gewinnt nach einem Bericht des Schweizer Mediums 20 Minuten in europäischen Medien und in der politischen Debatte an Gewicht. Zugleich sieht sich die EU mit dem konfrontiert, was ANSA als Notlage bezeichnete: Sie steckt zwischen der Abkühlung der transatlantischen Beziehungen und der Notwendigkeit, eigene wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen zu verteidigen. Kallas, die als Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik amtierende Spitzendiplomatin der Union ist, hat die EU als aktiven diplomatischen Gesprächspartner positioniert und nicht als bloßen Zuschauer. Ihr Telefonat mit Araghchi ist seit Beginn des Konflikts eine der direktesten Kommunikationslinien zwischen der EU und Teheran. Macrons Kontakte zu Trump und zum Emir von Katar deuten darauf hin, dass Frankreich parallel einen eigenen diplomatischen Ansatz verfolgt. Ziel ist es, Schäden für die Zivilbevölkerung zu begrenzen, obwohl die Militärkampagne weiterläuft. Die spanische Zeitung La Razón schrieb, mit der Schließung der Straße von Hormus legten Verbündete der USA ihre Positionen neu fest, während Trump bei seinen europäischen Partnern auf zunehmende Isolation stoße.

Irlands Simon Harris wird zu einer unerwarteten Stimme der EU Der irische Tánaiste und Finanzminister Simon Harris ist in der Krise zu einer auffälligen Figur der diplomatischen Bemühungen der EU geworden. Der Irish Examiner bezeichnete ihn für die Union als einen „unwahrscheinlichen Helden“. Harris, der von 2024 bis 2025 Taoiseach war, bevor er sein jetziges Amt übernahm, hat die traditionell neutrale außenpolitische Haltung Irlands genutzt, um sich in den Beratungen der EU eine eigenständige Position zu verschaffen. Seine wachsende Bedeutung steht für die breitere Suche in Europa nach Stimmen, die mit allen Seiten sprechen können, ohne als Teil der amerikanischen Militärkampagne zu gelten. Die Straße von Hormus ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt geopolitischer Spannungen. Iran hat mehrfach damit gedroht, die Wasserstraße in Zeiten verschärfter Konflikte mit westlichen Mächten zu schließen, unter anderem während des Iran-Irak-Kriegs in den 1980er Jahren und während der Auseinandersetzungen um das Atomprogramm in den 2010er Jahren. Die jetzige Sperrung, ausgelöst durch die am 28. Februar 2026 begonnenen US-israelischen Angriffe, bei denen der damalige Oberste Führer Ali Khamenei getötet wurde, ist nach Berichten mehrerer Medien über die Krise das erste Mal in der modernen Ära, dass die Meerenge für die internationale Schifffahrt faktisch geschlossen wurde. Auch der britische Premierminister Keir Starmer sprach BBC-Berichten zufolge, die in Websuchergebnissen zitiert wurden, direkt mit Trump über die Bedeutung einer Wiederöffnung der Meerenge. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nach Angaben eines von Reuters zitierten hohen Beamten signalisiert, sie könnten sich jeder von den USA geführten Anstrengung zur Sicherung der Wasserstraße anschließen. Dass aus London, Dublin, Paris und Brüssel zugleich diplomatischer Druck entsteht, zeigt das Ausmaß der europäischen Sorge über eine Krise, die gleichzeitig die globalen Energieflüsse und die transatlantischen Beziehungen neu ordnet.