Die EU verfügt nach den Worten von Außenbeauftragter Kaja Kallas über Möglichkeiten, ein ungarisches Veto gegen einen Kredit für die Ukraine zu umgehen. Entscheidend sei nun der politische Wille der Mitgliedstaaten. Während Viktor Orbán seine Zustimmung weiter an einen Streit über Öllieferungen knüpft, warnt Präsident Wolodymyr Selenskyj vor unmittelbaren Folgen für die Bezahlung ukrainischer Soldaten.

Kallas sieht Umgehungsmöglichkeiten

Nach Angaben der EU-Außenbeauftragten gibt es Instrumente, um Ungarns Veto gegen den Ukraine-Kredit zu umgehen. Es fehle jedoch am politischen Willen der Mitgliedstaaten, diese zu nutzen.

Orbán knüpft Zustimmung an Ölfrage

Der ungarische Regierungschef verbindet jede für Kiew günstige Entscheidung mit einer Lösung des Streits über Öllieferungen. Deshalb bleibt der Kredit vorerst blockiert.

Selenskyj warnt vor Folgen für Soldzahlungen

Der ukrainische Präsident erklärt, die Blockade erschwere es ihm, ukrainische Soldaten zu bezahlen. Damit erhält der Streit unmittelbare Bedeutung für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte.

Kroatien widerspricht Darstellung zur Versorgungslage

Behörden in Kroatien weisen darauf hin, dass Öl bereits in Ungarn und der Slowakei ankomme. Damit stellen sie die Begründung für Orbáns Haltung infrage.

Druck innerhalb der EU nimmt zu

Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Österreich, dringen auf ein Ende der Blockade. Der Unmut über Budapests wiederholten Einsatz des Vetos in Ukraine-Fragen wächst.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat am 19. März erklärt, die Europäische Union verfüge über Instrumente, um Ungarns Veto gegen einen Kredit an die Ukraine zu umgehen. Dafür müssten die Mitgliedstaaten allerdings den politischen Mut aufbringen, diese auch einzusetzen. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán blockiert den Kredit und knüpft jede für Kiew günstige Entscheidung an eine Klärung von Fragen der Ölversorgung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, der Stillstand hindere ihn daran, ukrainische Soldaten zu bezahlen. EU-Spitzenpolitiker kamen Reuters zufolge zusammen, um Orbán zum Einlenken zu bewegen, während der Unmut unter den Mitgliedstaaten über die anhaltende Blockade zunahm.

Ungarn unter Viktor Orbán hat seine Vetomacht in den Entscheidungsstrukturen der EU seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 wiederholt genutzt, um Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine zu blockieren oder zu verzögern. Der betreffende EU-Kredit ist Teil eines umfassenderen westlichen Bemühens, die Finanzen und die militärische Handlungsfähigkeit der Ukraine im andauernden Krieg zu sichern. Das Einstimmigkeitserfordernis bei bestimmten EU-Entscheidungen hat es Budapest ermöglicht, Vorhaben aufzuhalten, die von der großen Mehrheit der Mitgliedstaaten unterstützt werden.

Kallas: Es fehlt nicht an juristischen Mitteln, sondern am politischen Willen Kallas, die Chefdiplomatin der EU, sagte, es gebe Alternativen zu Ungarns Veto. Was fehle, sei der politische Mut der Mitgliedstaaten, diese auch zu nutzen. Ihre Äußerungen fielen zu einem Zeitpunkt, als die EU-Staats- und Regierungschefs zusammenkamen, um die Blockade direkt mit Orbán zu erörtern. Auch die österreichische Regierung erhöhte den Druck und forderte Orbán auf, den Kredit für Kiew nicht mit aus ihrer Sicht wahlkampfbedingten Begründungen zu blockieren. Die Position Österreichs steht für eine weiter verbreitete Ungeduld innerhalb der EU gegenüber Budapests wiederholter Nutzung seines Vetos bei Ukraine-Fragen. Der Kredit bleibt eingefroren, weil Orbán sich weigert, ihn von den energiepolitischen Anliegen seines Landes zu trennen.

Orbán verknüpft Ukraine-Entscheidung mit Streit über Ölversorgung Orbán machte ANSA zufolge unmissverständlich deutlich, dass es ohne eine Lösung der Ölfrage keine für Kiew günstige Entscheidung geben werde. Sowohl Ungarn als auch die Slowakei führen Sorgen um die Ölversorgung als zentrales Motiv in dem Streit an. Die kroatischen Behörden wiesen diese Darstellung jedoch zurück. Sie erklärten, Öl komme bereits in Ungarn und der Slowakei an, und fügten hinzu, dies sei kein Geheimnis. Die kroatische Position stellt die Grundlage von Orbáns Bedingung direkt infrage und legt nahe, dass das Energieargument die tatsächliche Versorgungslage vor Ort womöglich nicht zutreffend abbildet. Der Konflikt hat Spannungen nicht nur zwischen Ungarn und den Unterstützern der Ukraine offengelegt, sondern auch unter den EU-Mitgliedstaaten selbst darüber, wie die Energiesituation einzuordnen ist.

Selenskyj warnt: Ohne EU-Mittel könnten Soldaten unbezahlt bleiben Selenskyj sprach ANSA zufolge die Warnung aus, dass ihn die Blockade beim EU-Kredit daran hindere, ukrainische Soldaten zu bezahlen. Die Aussage verdeutlicht die unmittelbaren operativen Folgen des politischen Stillstands für die ukrainischen Streitkräfte, die weiterhin in aktiven Kämpfen gegen russische Truppen stehen. Damit erhielt die Debatte auf EU-Ebene zusätzliches Gewicht: Der Kredit erscheint nicht nur als Finanzinstrument, sondern als Frage mit unmittelbaren militärischen Auswirkungen. Vor diesem Hintergrund versuchten EU-Spitzenpolitiker, den Druck auf Orbán zu erhöhen. Der EU-Kreditmechanismus ist zu einem Kernpunkt der breiteren Debatte geworden, wie die Staatengemeinschaft ihre Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten kann, während sie zugleich interne Differenzen bewältigt. Der Stillstand ist weiterhin nicht überwunden. Kallas' Äußerungen deuten darauf hin, dass in der EU Verfahrenswege geprüft werden, die ein Vorgehen ohne Budapests Zustimmung ermöglichen würden. Formell angekündigt wurde ein solcher Schritt bislang jedoch nicht. Der Appell der Außenbeauftragten zu politischem Mut macht deutlich, dass die Entscheidung zum Handeln bei den Regierungen der Mitgliedstaaten liegt und nicht allein bei den EU-Institutionen.

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