Mit Abschlusskundgebungen in Landau und Bad Dürkheim ist der Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz am Freitag zu Ende gegangen. SPD und CDU traten dabei nur rund 30 Kilometer voneinander entfernt auf. Vor der Abstimmung am Sonntag deutet vieles auf ein enges Rennen hin, während zugleich über mögliche Koalitionen und deutliche Zugewinne der AfD diskutiert wird.

Schlusskundgebungen in Landau und Bad Dürkheim

SPD und CDU beendeten ihren Wahlkampf am Freitag mit Abschlussveranstaltungen in nur rund 30 Kilometer Entfernung voneinander.

Sachlicher Ton trotz offener Machtfrage

Beide Spitzenkandidaten verzichteten weitgehend auf scharfe Angriffe. Als Grund gilt die Möglichkeit einer späteren gemeinsamen Regierungsbildung in Mainz.

CDU will nach 35 Jahren zurück an die Macht

Gordon Schnieder beansprucht die Staatskanzlei für die CDU, während Alexander Schweitzer die Bedeutung eigener Regierungsverantwortung hervorhob.

Sonderurlaub wird zum Streitthema

CDU und Freie Wähler griffen die SPD wegen Sonderurlaubs für Wahlkampfzwecke an. Die Staatsanwaltschaft sah jedoch keinen Anlass für Ermittlungen.

AfD mit Aussicht auf starke Zugewinne

Nach Einschätzung von Claudia Ritzi könnte die AfD ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln, während Umfragen ein enges Rennen zwischen SPD und CDU nahelegen.

Der Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz ist am Freitag mit konkurrierenden Abschlusskundgebungen zu Ende gegangen, die nur rund 30 Kilometer voneinander entfernt stattfanden. Die SPD veranstaltete ihr Finale in Landau, die CDU in Bad Dürkheim. Damit setzten beide Parteien unmittelbar vor der Abstimmung am Sonntag noch einmal auf demonstrative Geschlossenheit.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer versammelte SPD-Anhänger im Alten Kaufhaus in Landau, seiner Geburtsstadt. An seiner Seite standen mit Rudolf Scharping, Kurt Beck und Malu Dreyer alle drei früheren rheinland-pfälzischen Regierungschefs der Partei. Die CDU hielt ihre Schlusskundgebung in der Salierhalle des Kurorts Bad Dürkheim ab. Dort spielte eine Blaskapelle ein Medley von Udo Jürgens. Als prominentester Gast trat Bundeskanzler Friedrich Merz auf, der den CDU-Spitzenkandidaten Gordon Schnieder unterstützte. Beide Lager verzichteten über den Abend hinweg auf scharfe Angriffe. Dieser Ton entsprach dem gesamten Wahlkampf, den Beobachter angesichts der politischen Bedeutung als bemerkenswert sachlich beschrieben. Als wichtiger Grund dafür galt die Erwartung, dass beide Parteien in Mainz bald ungeachtet des Wahlausgangs gemeinsam regieren könnten.

35 Jahre Opposition prägen den Machtanspruch der CDU Die SPD regiert Rheinland-Pfalz seit 1991 ohne Unterbrechung. Das ist eines der langlebigsten Beispiele für die Dominanz einer einzelnen Partei auf Landesebene in der neueren deutschen Politik. Die CDU ist in Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren nicht an der Macht. Malu Dreyer, die die Landesregierung von Januar 2013 bis Juli 2024 führte, übergab das Amt an Alexander Schweitzer. Für Schweitzer ist die Wahl am Sonntag damit die erste als Spitzenkandidat. Gordon Schnieder gehört dem Landtag von Rheinland-Pfalz seit 2016 an und führt seit April 2023 als Oppositionsführer die CDU-Landtagsfraktion. Schnieder, der aus der Eifel stammt, sagte zum Abschluss der Kundgebung in Bad Dürkheim, er sei überzeugt, dass die CDU nicht nur für jede künftige Koalition unverzichtbar sein werde, sondern dass er persönlich neuer Ministerpräsident werde. Er schloss mit dem Aufruf: „„Wir schaffen das.“” — Gordon Schnieder via dpa Schweitzer stellte die Wahl in Landau als Frage tatsächlicher Regierungsverantwortung dar. Es mache einen grundlegenden Unterschied, ob man selbst am Steuer sitze oder auf dem Beifahrersitz. Er hat wiederholt deutlich gemacht, dass er in einem von der CDU geführten Kabinett nicht mitwirken will. Schnieder, 1975 in Trier geboren, und Schweitzer, 1973 in Landau geboren, betonten im Wahlkampf beide immer wieder ihre ländliche Herkunft. Zudem blieben sie im persönlichen Umgang beim Du. Diese für rivalisierende Spitzenkandidaten ungewöhnliche Konstellation prägte die vergleichsweise ruhige Atmosphäre des Wahlkampfs.

Debatte über Sonderurlaub belastet die SPD auf den letzten Metern Das umstrittenste Thema der letzten Wahlkampfwochen war die Gewährung von Sonderurlaub für Landesbedienstete zum Zweck des Wahlkampfs. CDU und Freie Wähler versuchten, den Vorgang gegen die SPD zu nutzen. Konkret ging es um einen Beamten aus dem Innenministerium, dem Sonderurlaub für den Wahlkampfeinsatz zugunsten der SPD gewährt worden war. Schnieder sagte, als Ministerpräsident werde er eine solche Praxis beenden. Unabhängig von ihrer rechtlichen Zulässigkeit fördere sie die Politikverdrossenheit. Die Freien Wähler gaben ein Rechtsgutachten zum Sonderurlaub für Staatssekretäre in Auftrag und schalteten die Staatsanwaltschaft ein. Diese sah jedoch keinen Anlass für Ermittlungen. Die Landesregierung erklärte ihrerseits, ihre Rechtsauffassung werde durch ein gesondertes Gutachten des Staatsrechtlers und früheren Richters am Bundesverfassungsgericht, Udo Di Fabio, bestätigt. Die Politikwissenschaftlerin Claudia Ritzi von der Universität Trier bewertete den späten Vorstoß der CDU kritisch. „„Die CDU versucht, der SPD in letzter Minute zu schaden.“” — Claudia Ritzi via dpa Ritzi fügte hinzu, angesichts des erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen beiden Parteien bestehe ein reales Risiko, dass am Ende die AfD stärker von der Kontroverse profitieren könnte als die CDU selbst.

AfD könnte deutlich zulegen, Umfragen sehen enges Rennen Ritzi warnte, die AfD könne ihr Ergebnis der vorangegangenen Landtagswahl mehr als verdoppeln. Damals erhielt die Partei 8.3 (percent) — AfD-Ergebnis bei der Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz. Die CDU begann zudem spät im Wahlkampf, vor einer rot-rot-grünen Koalition unter Beteiligung der Linken zu warnen. Ritzi und die angeführten Quellen hielten dieses Szenario jedoch für sehr unwahrscheinlich. Die Linke ist bislang nie in den rheinland-pfälzischen Landtag eingezogen, und auch ein erstmaliger Einzug nach der Wahl am Sonntag galt weiterhin als alles andere als sicher. Schweitzer hatte die schwierige Finanzlage der Kommunen im Land bereits an seinem ersten Amtstag im Juli 2024 in den Mittelpunkt seiner Agenda gestellt. Dieses Thema verfolgte er mit größerem Nachdruck als seine Vorgängerin Dreyer. Neben der Debatte über den Sonderurlaub war die Bildungspolitik das zweite große inhaltliche Thema des Wahlkampfs. Da beide Spitzenkandidaten sich überzeugt zeigten, stärkste Kraft werden zu können, entscheidet die Wahl am Sonntag nicht nur über die Führung der nächsten Landesregierung. Sie wird auch zeigen, ob die 35-jährige SPD-Vorherrschaft in Rheinland-Pfalz ihren ersten unmittelbaren Wahltest unter neuer Führung besteht.

Mentioned People

  • Alexander Schweitzer — premier kraju związkowego Nadrenia-Palatynat od 10 lipca 2024 roku
  • Gordon Schnieder — przewodniczący CDU w kraju związkowym, szef frakcji i lider opozycji w landtagu Nadrenii-Palatynatu
  • Friedrich Merz — kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od 6 maja 2025 roku
  • Malu Dreyer — była premier Nadrenii-Palatynatu w latach 2013–2024
  • Rudolf Scharping — były premier Nadrenii-Palatynatu
  • Kurt Beck — były premier Nadrenii-Palatynatu
  • Claudia Ritzi — politolożka z Uniwersytetu w Trewirze