In der Europäischen Union wächst die Sorge über den Krieg gegen Iran. Mehrere Spitzenvertreter äußerten Zweifel an der völkerrechtlichen Grundlage, warnten vor steigenden Energiepreisen und verwiesen auf wirtschaftliche Risiken. Damit verschärft sich auch der politische Abstand zwischen europäischen Hauptstädten und Washington.
Kallas stellt Völkerrechtsgrundlage infrage
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, dem Krieg gegen Iran fehle eine Grundlage im Völkerrecht. Damit verschärfen sich die Differenzen zwischen Teilen Europas und Washington über Operation Epic Fury.
EU-Institutionen warnen vor strukturellem Energierisiko
Roberta Metsola und António Costa beschrieben steigende Energiepreise und fehlende Speicherkapazitäten als Ausdruck einer tiefer liegenden Verwundbarkeit der EU-Energiemärkte.
Macron fordert Waffenruhe und kritisiert Infrastrukturangriffe
Emmanuel Macron nannte Angriffe auf Gasinfrastruktur unverantwortlich und plädierte für eine Waffenruhe über die Feiertage, ohne sich dabei offen von den USA zu distanzieren.
Italiens Industrie verlangt ETS-Aussetzung
Confindustria-Präsident Emanuele Orsini forderte in Brüssel die sofortige Aussetzung des Emissionshandelssystems und brachte für den Fall eines längeren Kriegs Eurobonds ins Spiel.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat am Donnerstag erklärt, dem Krieg gegen Iran fehle eine Grundlage im Völkerrecht. Sie reiht sich damit in eine Gruppe ranghoher europäischer Vertreter ein, die wegen des anhaltenden Konflikts rechtliche, energiepolitische und wirtschaftliche Bedenken äußerten. Kallas, die das Amt der EU High Representative for Foreign Affairs and Security Policy ausübt, äußerte sich in einem Moment, in dem europäische Spitzenpolitiker zusammenkamen, um über die zunehmenden Folgen des Konflikts für die Union zu beraten. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez schloss sich der rechtlichen Kritik an. Er bezeichnete den Krieg gegen Iran als rechtswidrig und warnte davor, dass einige politische Akteure den Konflikt nutzten, um den Green Deal zu schwächen. Die Äußerungen beider Politiker deuten auf wachsende Differenzen zwischen europäischen Hauptstädten und Washington über den rechtlichen Rahmen von Operation Epic Fury hin, der Militärkampagne der USA und Israels gegen Iran, die am 28. Februar 2026 begann. Dass rechtliche, energiepolitische und industriepolitische Bedenken zugleich geäußert werden, zeigt, wie breit die Unruhe in Europa über den weiteren Verlauf des Konflikts ist.
Steigende Energiepreise und Lücken bei Speichern beunruhigen EU-Institutionen Parlamentspräsidentin Roberta Metsola warnte vor einem weiteren Anstieg der Energiepreise und forderte die EU auf, als strukturelle Antwort auf die Krise stärker in Speicherkapazitäten zu investieren. Zugleich sagte Metsola, der Krieg in Iran treffe die Europäische Union unmittelbar, und rief die Mitgliedstaaten zu Deeskalation auf. Ratspräsident António Costa sprach von einer schwierigen Lage für die Energiemärkte und forderte Europa auf, die eigene Produktion zu erhöhen, um die Abhängigkeit von außen zu verringern. Beide institutionellen Spitzenvertreter beschrieben die Energiefrage nicht nur als kurzfristigen Preisschock, sondern als strukturelle Verwundbarkeit, die bereits vor dem aktuellen Konflikt bestanden habe. Ihre Äußerungen fielen in eine Phase, in der die europäischen Energiemärkte seit Beginn der US-israelischen Kampagne gegen iranische Infrastruktur unter anhaltendem Druck stehen. Costas Aufruf zu einer stärkeren Eigenproduktion verweist auf eine breitere europäische Debatte über Energiesouveränität, die sich seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 deutlich verschärft hat. Metsolas Betonung von Investitionen in Speicher verweist wiederum auf eine konkrete politische Lücke, die EU-Institutionen als zentral für den Umgang mit künftigen Lieferunterbrechungen ansehen.
Macron nennt Angriffe auf Gasinfrastruktur unverantwortlich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Angriffe auf die Gasinfrastruktur als unverantwortlich und sprach sich für eine Waffenruhe über die Feiertage aus. Damit fügte er der europäischen Reaktion eine humanitäre Komponente hinzu. Seine Einordnung der Angriffe auf Gasanlagen gehörte zu den schärfsten öffentlichen Kritiken an der Art der Kriegsführung, die von einem führenden westlichen Politiker geäußert wurden. Macrons Forderung nach einer Feiertagswaffenruhe knüpfte an ähnliche Appelle aus früheren Konfliktphasen im Nahen Osten an, auch wenn der verfügbare Berichterstattungsstand weder den genauen Zeitpunkt noch die Adressaten des Vorstoßes näher benannte. Der französische Präsident äußerte sich in einer Phase, in der europäische Hauptstädte abwogen, wie sie gemeinsam auf einen Konflikt reagieren sollten, an dessen Auslösung sie formal keinen Anteil hatten. Frankreich verfügt als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und als Atommacht in jedem Bemühen um Deeskalation über besonderes diplomatisches Gewicht. Dass Macron zugleich die Angriffe auf Infrastruktur und ein Zeitfenster für eine Waffenruhe in den Mittelpunkt stellte, legt nahe, dass Paris einen diplomatischen Kanal öffnen will, ohne sich formell von Washington abzusetzen. Die Militärkampagne der USA und Israels gegen Iran unter dem Namen Operation Epic Fury begann am 28. Februar 2026. Bei den ersten Angriffen wurde der damalige Oberste Führer Ali Khamenei getötet. Sein Sohn Mojtaba Khamenei wurde anschließend am 9. März 2026 zum Obersten Führer ernannt. Der Konflikt hat eine erhebliche internationale Debatte über seine rechtliche Grundlage nach der UN-Charta und dem humanitären Völkerrecht ausgelöst.
Italiens Industrieverband verlangt Aussetzung des ETS und Eurobonds Emanuele Orsini, Präsident des Confindustria, forderte die sofortige Aussetzung des Emissions Trading System. Zugleich warnte er, dass die EU bei einem Fortdauern des Kriegs Eurobonds ausgeben müsse, um die wirtschaftlichen Folgen zu bewältigen. Bei einem Auftritt in Brüssel bezeichnete Orsini die Aussetzung des ETS unter den gegenwärtigen Bedingungen als den einzig gangbaren Weg. Dies sei ein „Alarmruf“ der italienischen Industrie. Die Forderung nach Eurobonds markiert eine deutliche Verschärfung der Wünsche aus der europäischen Wirtschaft, denn eine gemeinsame Schuldenaufnahme der EU ist insbesondere in nördlichen Mitgliedstaaten politisch umstritten. Orsinis Vorstoß stand in einer Linie mit der Warnung von Pedro Sánchez, wonach einige Akteure den Konflikt nutzten, um den Green Deal zurückzudrängen, auch wenn beide aus unterschiedlichen politischen Richtungen argumentierten – der eine aus der Regierung, der andere aus der Industrie. Der Auftritt des Confindustria-Präsidenten in Brüssel zeigte, dass der Druck von Lobbyverbänden auf die EU-Institutionen wegen der wirtschaftlichen Folgen des Konflikts zunimmt. Seine doppelte Forderung – kurzfristige Entlastung beim ETS und langfristig eine gemeinsame Finanzierung – verdeutlicht, wie groß die Sorge europäischer Hersteller über dauerhaft hohe Energiepreise und Wettbewerbsnachteile ist.
Mentioned People
- Kaja Kallas — Wysoka przedstawiciel Unii Europejskiej do spraw zagranicznych i polityki bezpieczeństwa
- Pedro Sánchez — Premier Hiszpanii
- Roberta Metsola — Przewodnicząca Parlamentu Europejskiego
- Emmanuel Macron — Prezydent Francji
- António Costa — Przewodniczący Rady Europejskiej
- Emanuele Orsini — Prezydent Confindustrii