Die Europäische Union und Australien haben in Canberra ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnet. Mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Ausfuhren nach Australien sollen entfallen, was europäischen Unternehmen nach Schätzung aus Brüssel jährlich rund eine Milliarde Euro an Zollkosten ersparen dürfte. Zugleich geht es der EU um verlässlicheren Zugang zu kritischen Rohstoffen und um engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit.

Mehr als 99 Prozent der Zölle entfallen

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien soll nahezu alle Zölle auf EU-Exporte nach Australien abschaffen und europäischen Unternehmen laut Schätzung jährlich rund eine Milliarde Euro sparen.

Rohstoffe stehen im Zentrum des Abkommens

Für Brüssel ist vor allem der verlässlichere Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Aluminium und Mangan von Bedeutung, um Abhängigkeiten von China zu verringern.

Sicherheitskooperation wird ausgebaut

Neben Handelsfragen vereinbarten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit bei Cyberrisiken, hybriden Bedrohungen und ausländischer Informationsmanipulation.

Besonders starke Zuwächse bei Autos und Milchprodukten erwartet

Die EU rechnet im kommenden Jahrzehnt mit einem Exportplus von bis zu 33 Prozent nach Australien. Für Autos werden 52 Prozent, für Milchprodukte 48 Prozent und für Chemikalien 20 Prozent erwartet.

Inkrafttreten erst nach langer Ratifizierung

Vor dem Inkrafttreten sind eine rechtliche Prüfung, Übersetzungen in 24 EU-Amtssprachen sowie die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und des australischen Parlaments erforderlich.

Die Europäische Union und Australien haben am Dienstag, 24. März 2026, in Canberra ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnet. Mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Exporte nach Australien sollen damit entfallen. Europäischen Unternehmen würden dadurch nach Schätzung jährlich rund eine Milliarde Euro an Zollabgaben erspart. Europäische KommissionPräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese unterzeichneten das Abkommen nach jahrelangen Verhandlungen. Es bildet den Abschluss eines Prozesses, den die EU mit dem Start der Gespräche im Jahr 2018 begonnen hatte. Das Abkommen umfasst den Handel mit Waren und Dienstleistungen, gegenseitige Investitionen, den Zugang zu kritischen Rohstoffen sowie eine neue Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Parallel zum Handelsabkommen kündigten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit bei Cyberrisiken, hybriden Bedrohungen und ausländischer Informationsmanipulation an. Die Unterzeichnung erfolgte vor dem Hintergrund erheblicher Unsicherheit im Welthandel. Beide Volkswirtschaften müssen sich mit den Folgen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle auseinandersetzen.

Die EU und Australien nahmen 2018 formelle Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen auf. Einen deutlichen Rückschlag gab es 2021, als Australien den Sicherheitspakt AUKUS mit den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich schloss, ohne die EU darüber zu informieren. Dadurch platzte ein Vertrag über mehrere Milliarden Euro für in Frankreich entwickelte U-Boote, was in Paris erheblichen Unmut auslöste. 2023 gerieten die Gespräche erneut ins Stocken, als ein Treffen im japanischen Osaka die Differenzen über Agrarimporte nicht überbrücken konnte. Die EU ist nach China und Japan Australiens drittgrößter Handelspartner. Australien wiederum liegt unter den Warenhandelspartnern der EU nur auf Rang 20.

1 billion (euros) — Jährliche Zolleinsparungen europäischer Unternehmen durch das Abkommen

Der strategische Kern der Vereinbarung liegt aus Sicht Brüssels im gesicherten Zugang zu kritischen Rohstoffen, die in Australien in großem Umfang vorhanden sind. Von der Leyen bezeichnete Australien als „den weltweit größten Lithiumlieferanten“ und sagte, das Abkommen werde Zölle sowohl auf Rohstoffe selbst als auch auf weiterverarbeitete Produkte abschaffen. Die EU ist derzeit bei einem Großteil ihrer Rohstoffimporte stark von China abhängig. In Brüssel gilt die Diversifizierung von Lieferketten deshalb als zentrales politisches Ziel. In der Mitteilung der Europäischen Kommission werden Aluminium, Lithium und Mangan ausdrücklich als Rohstoffe von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU genannt. Vor dem australischen Parlament formulierte von der Leyen die Bedeutung der Vereinbarung direkt. „We must not become too dependent on a single supplier for such important raw materials, and that is exactly why we need each other.” (Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu abhängig von einem einzigen Lieferanten werden, und genau deshalb brauchen wir einander.) — Ursula von der Leyen via N-tv Das Abkommen enthält außerdem Bestimmungen, die den australischen Markt für EU-Unternehmen, die im Rohstoffsektor investieren, berechenbarer und verlässlicher machen sollen.

Auto- und Molkereibranche rechnen mit Exportplus von bis zu 50 Prozent Die EU erwartet, dass ihre Ausfuhren nach Australien im kommenden Jahrzehnt um bis zu 33 Prozent zulegen und jährlich 17,7 Milliarden Euro erreichen werden. Die stärksten Zuwächse werden in der Automobilindustrie und in der Milchwirtschaft erwartet. Nach Angaben des tschechischen öffentlich-rechtlichen Senders ČT24 exportierten die EU-Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 37 Milliarden Euro nach Australien. Für die Automobilbranche wird ein Wachstum von 52 Prozent prognostiziert, für Milchprodukte von 48 Prozent und für Chemikalien von 20 Prozent. Die Investitionen der EU in Australien könnten sich nach Brüsseler Zahlen infolge des Abkommens um mehr als 87 Prozent erhöhen. Hildegard Müller, Präsidentin des deutschen Verbands der Automobilindustrie, sagte, das Abkommen eröffne europäischen Herstellern erhebliche Möglichkeiten im Wettbewerb mit chinesischen und japanischen Konkurrenten auf dem australischen Markt. Nach VDA-Daten exportierte Deutschland im zuletzt erfassten Jahr etwas mehr als 44.000 Autos nach Australien — mehr als nach Portugal, aber weniger als nach Norwegen. „In times of increasing isolationism and protectionism, the agreement sends a powerful signal for fair and rules-based trade.” (In Zeiten zunehmenden Isolationismus und Protektionismus setzt das Abkommen ein starkes Signal für fairen und regelbasierten Handel.) — Hildegard Müller via DIE WELT

Motor vehicles: 52, Dairy products: 48, Chemicals: 20, Total EU exports: 33

Ratifizierung führt durch 24 Sprachen und zwei Parlamente Trotz der Unterzeichnungszeremonie am Dienstag tritt das Abkommen nicht sofort in Kraft. Auf beiden Seiten steht ein längerer Ratifizierungsprozess bevor. Der Vertragstext muss zunächst einer rechtlichen Prüfung unterzogen werden, was in der Regel mehrere Monate dauert, bevor er formell zur Billigung vorgelegt werden kann. Innerhalb der EU muss das Dokument in alle 24 Amtssprachen übersetzt und anschließend von den Mitgliedstaaten sowie vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Auch das australische Parlament muss dem Abkommen zustimmen, bevor es Rechtswirkung entfaltet. Darüber hinaus regelt die Vereinbarung die Öffnung des australischen Dienstleistungsmarktes in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Telekommunikation, einen verbesserten Zugang der EU zu australischen öffentlichen Ausschreibungen sowie Einreisequoten für Ingenieure und Forscher, um die Innovationsbeziehungen zu stärken. Albanese hob die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens für sein Land hervor. „This is a significant moment for our nation as we secure an agreement with the world's second-largest economy.” (Dies ist ein wichtiger Moment für unser Land, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sichern.) — Anthony Albanese via N-tv Von der Leyen bezeichnete die Vereinbarung in ihrer Rede vor dem australischen Parlament als „ein faires Abkommen, das Ihren Unternehmen dient und das unseren Unternehmen dient“.

Mentioned People

  • Ursula von der Leyen — przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
  • Anthony Albanese — 31. premier Australii od 2022 roku
  • Hildegard Müller — prezes niemieckiego stowarzyszenia przemysłu motoryzacyjnego (VDA)
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych

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