Die Europäische Kommission hat am 15. April 2026 die technische Fertigstellung einer unionsweiten App zur Altersverifikation bekannt gegeben. Das datenschutzkonforme Werkzeug soll Online-Plattformen in den kommenden Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um den Zugang Minderjähriger zu schädlichen Inhalten zu beschränken. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die für das Digitalressort zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen präsentierten das Vorhaben in Brüssel.
Technische Einführung
Die EU-App zur Altersverifikation ist fertiggestellt und wird in den nächsten Wochen kostenlos für Online-Plattformen verfügbar sein.
Datenschutz durch Kryptographie
Dank Zero-Knowledge-Proof-Technologie erfolgt die Altersprüfung anonym, ohne dass persönliche Daten an Plattformen übertragen werden.
Harmonisierung der Regeln
Ein neuer Koordinierungsmechanismus soll nationale Alleingänge beenden und einheitliche Standards in den 27 Mitgliedstaaten sicherstellen.
Die Europäische Kommission gab am 15. April 2026 bekannt, dass eine EU-weite App zur Altersverifikation technisch einsatzbereit ist. In den kommenden Wochen soll sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Online-Plattformen erhalten damit ein kostenloses, die Privatsphäre schützendes Instrument, um den Zugriff Minderjähriger auf schädliche Inhalte zu begrenzen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte das System im Rahmen einer Pressekonferenz in Brüssel gemeinsam mit der Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen vor, die das Digitalportfolio der Union verantwortet. Die App erfordert eine einmalige Einrichtung mittels Reisepass oder Personalausweis. Danach können Nutzer ihr Alter beim Zugriff auf beschränkte Dienste bestätigen, ohne dass personenbezogene Daten an die jeweilige Plattform übermittelt werden. Von der Leyen verglich das System mit der Ausweiskontrolle eines Ladenbesitzers beim Verkauf von Alkohol und betonte, dass die Anwendung auf allen Endgeräten – Smartphones, Tablets oder Computern – funktioniere. Die App ist vollständig quelloffen (Open Source), sodass auch private Unternehmen und Partnerländer außerhalb der EU den Code übernehmen können, sofern sie die Datenschutzstandards der Union wahren und die technische Lösung einheitlich anwenden.
Zero-Knowledge-Proof schützt Nutzeridentität vor Plattformbetreibern Der zentrale Datenschutzmechanismus der App basiert auf der Zero-Knowledge-Proof-Technologie. Dies bedeutet, dass Plattformen lediglich eine binäre Bestätigung darüber erhalten, ob ein Nutzer eine Altersgrenze überschreitet; Zugriff auf Namen, Dokumentennummern oder andere Identifikationsmerkmale besteht nicht. Von der Leyen bezeichnete das System als „vollständig anonym“ und fügte hinzu, dass Nutzer „nicht nachverfolgt werden können“. Virkkunen unterstrich, die Kommission wolle nicht, dass Plattformbetreiber „unsere Pässe oder Gesichter scannen“. Laut einem von Adnkronos zitierten hochrangigen Kommissionsbeamten speichert die App lediglich die Information, dass ein Nutzer über einer bestimmten Altersgrenze liegt – mehr nicht. Berichten von Fanpage zufolge wurde die Anwendung bereits in sieben Mitgliedstaaten getestet: Italien, Frankreich, Dänemark, Griechenland, Spanien, Zypern und Irland. Mehrere Staaten, darunter Italien, haben laut Open bereits entschieden, das Tool in ihre nationalen digitalen Brieftaschen zu integrieren. „Es gibt keine Ausreden mehr: Europa bietet eine kostenlose und einfach zu bedienende Lösung an, die in der Lage ist, unsere Kinder vor schädlichen und illegalen Inhalten zu schützen.” — Ursula von der Leyen via ANSA
Koordinierungsmechanismus gegen die Fragmentierung nationaler Systeme Ein wesentlicher Grund für die Initiative ist die zunehmende Zersplitterung der digitalen Regulierung in den 27 EU-Mitgliedstaaten. Diese wenden bisher unterschiedliche Altersgrenzen und technische Ansätze an. Virkkunen kündigte an, noch in diesem Monat einen Koordinierungsmechanismus auf EU-Ebene einzurichten. Dieser soll nationale Lösungen akkreditieren und sicherstellen, dass Identitätsnachweise unionsweit ausgestellt und anerkannt werden können. „Wir benötigen einen strukturierten Ansatz für die EU-weite Akkreditierung nationaler Lösungen, damit die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass Identitätsnachweise einfach und in der gesamten EU ausgestellt werden können.” — Henna Virkkunen via ANSA Die Kommission zog Parallelen zum Digitalen Impfzertifikat der EU, das während der Pandemie Impfstatus-Nachweise grenzüberschreitend standardisierte. Adnkronos merkte an, dass die aktuelle Lage der Frühphase der Pandemie ähnele, in der Reisebeschränkungen von Land zu Land variierten, bis die Kommission mit dem „Green Pass“ Ordnung schuf. Frankreich hat bestimmte Plattformen bereits für Minderjährige unter 15 Jahren gesperrt, während Portugal die Grenze bei 13 Jahren festlegte. Diese Diskrepanzen soll der neue Mechanismus auflösen. Das Europäische Parlament hat sich faktisch für ein Mindestalter von 16 Jahren für den Zugang zu sozialen Medien ausgesprochen, wenngleich laut Deutsche Welle noch kein verbindliches EU-Gesetz in Kraft ist.
Nationale Altersgrenzen für soziale Medien in der EU: Frankreich – Mindestalter für bestimmte Plattformen (before: Kein EU-weiter Standard, after: Unter 15 Jahren verboten); Portugal – Mindestalter für bestimmte Plattformen (before: Kein EU-weiter Standard, after: Unter 13 Jahren verboten); Position des Europäischen Parlaments (before: Keine verbindliche EU-Regel, after: Forderung nach Mindestalter von 16 Jahren)
Kommissionsdaten: Jedes sechste Kind Opfer von Online-Mobbing Die Kommission begründete die Veröffentlichung der App mit den dokumentierten Gefahren für Minderjährige im digitalen Raum. Laut von Fanpage zitierten EU-Daten ist jedes sechste Kind Opfer von Online-Mobbing, während jedes achte als Täter identifiziert wurde. Von der Leyen verwies explizit auf Design-Merkmale der Plattformen – wie unendliches Scrollen, hochgradig personalisierte Inhalte und Kurzvideos –, die Abhängigkeiten fördern und die Zeit verringern, die Kinder in ihrem analogen sozialen Umfeld verbringen. „Diese App gibt Eltern, Lehrern und Erziehungsberechtigten ein wirkungsvolles Instrument zum Schutz von Kindern an die Hand. Wir werden gegenüber Unternehmen, die die Rechte unserer Kinder nicht respektieren, keine Toleranz zeigen.” — Ursula von der Leyen via Reuters Die Deutsche Welle berichtete, dass der Druck für ein Eingreifen auf EU-Ebene zugenommen habe, nachdem Australien ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt hatte. Die Kommission stützt sich zudem auf den Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act), der Plattformen verpflichtet, den Zugang zu Inhalten wie Pornografie, Glücksspiel und alkoholbezogenen Diensten zu beschränken. Von der Leyen betonte, es sei „Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, nicht die der Plattformen“, und kündigte an, die Durchsetzung mit „voller Geschwindigkeit und Entschlossenheit“ voranzutreiben.
Die Bemühungen zur Regulierung des Online-Zugangs für Minderjährige haben in westlichen Demokratien in den letzten Jahren zugenommen, ausgelöst durch Belege für Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit von Kindern durch soziale Medien. Australien verabschiedete Ende 2024 ein Gesetz, das soziale Medien für Nutzer unter 16 Jahren verbietet, was in Europa eine Debatte über ein ähnliches Vorgehen auslöste. Der EU-Digital-Services-Act, der große Plattformen zum Schutz Minderjähriger und zur Entfernung illegaler Inhalte verpflichtet, ist bereits seit 2022 in Kraft, doch die Durchsetzung blieb auf nationaler Ebene fragmentiert. Da mehrere EU-Staaten eigenständig Altersgrenzen festlegten, entstand ein Regelungsdickicht, das die neue App der Kommission nun harmonisieren soll.
Mentioned People
- Ursula von der Leyen — Przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 roku
- Henna Virkkunen — Wiceprzewodnicząca wykonawcza Komisji Europejskiej ds. suwerenności technologicznej, bezpieczeństwa i demokracji oraz komisarz ds. technologii cyfrowych i przełomowych
Sources: 18 articles
- App Ue per verifica età minori: protezione e privacy sui Social (Adnkronos)
- EU age verification app announced to protect children online (Deutsche Welle)
- Arriva l'applicazione europea per verificare l'età degli utenti online: come funziona e a cosa serve (Open)
- L'UE sta lavorando a un'app per verificare l'età sui social, von der Leyen: "Sarà come per le bevande alcoliche (Fanpage)
- Von der Leyen presenteert Europese app voor online leeftijdsverificatie (NRC)
- EU age verification app 'technically ready' (RTE.ie)
- Social Media, Ursula Von der Leyen annuncia app per la verifica dell'età: "Proteggiamo nostri figli" (Rai news)
- Un "green-pass" per i social: arriva l'app Ue per la verifica dell'età. Von Der Leyen: "Serve controllo, come per l'alcol" (Corriere della Sera)
- EU Unveils Age Verification App as Social Media Bans Gain Steam (Bloomberg Business)
- EU age verification tech is ready, von der Leyen says (POLITICO)