In Maastricht haben Archäologen womöglich die Überreste von Charles de Batz de Castelmore gefunden, der als Vorbild für Alexandre Dumas’ d’Artagnan gilt. Bei Reparaturarbeiten in der Kirche St. Peter und Paul im Stadtteil Wolder waren nach einem teilweisen Bodeneinbruch Knochen unter dem früheren Altar entdeckt worden. Ein Geschoss im Brustbereich und eine Münze von 1660 stützen die Vermutung, sicher ist sie aber noch nicht.
Fund unter dem Altar
Bei Reparaturarbeiten in der Kirche St. Peter und Paul in Wolder wurden menschliche Überreste unter dem früheren Altar entdeckt.
Hinweise passen zu d’Artagnan
Musketenkugel, Münze von 1660 und der historische Bestattungsort sprechen aus Sicht der Ermittler für eine Verbindung zu Charles de Batz de Castelmore.
DNA-Vergleich läuft in München
Proben aus den Zähnen wurden am 13. März nach München geschickt und dort mit Material eines Nachfahren der Familie De Batz verglichen.
Experten bleiben vorsichtig
Diakon Jos Valke hält den Fund für nahezu sicher, der leitende Archäologe Wim Dijkman wartet jedoch auf die Laborergebnisse.
Historisches Rätsel seit 1673
D’Artagnans Grab war seit der Belagerung von Maastricht im Jahr 1673 nicht verzeichnet und blieb mehr als dreieinhalb Jahrhunderte unbekannt.
Archaeologen in Maastricht, Niederlande, gehen davon aus, dass sie womöglich das Skelett von Charles de Batz de Castelmore gefunden haben, des historischen französischen Soldaten, der Alexandre Dumas’ d’Artagnan inspirierte, nachdem im Februar 2026 der Boden der Kirche St. Peter und Paul im Stadtteil Wolder teilweise eingebrochen war. Arbeiter, die Reparaturarbeiten ausführten, entdeckten die Überreste unter dem Standort des früheren Altars, also an einem Ort, der historisch für Royals und hochrangige Persönlichkeiten reserviert war. Neben dem Skelett fanden Ermittler eine Musketenkugel im thorakalen Bereich sowie eine französische Münze mit der Jahreszahl 1660, beides stimmig mit historischen Berichten über d’Artagnans Tod. Der Fund wurde am Mittwoch vom niederländischen Sender RTL und mehreren lokalen Medien gemeldet.
Diakon zu 99 Prozent sicher, Archäologe mahnt zur Vorsicht Diakon Jos Valke, der bei der ersten Ausgrabung anwesend war, äußerte sich nahezu sicher über die Identität der Überreste. „No one had dug there before. We were left speechless when we found the first bone.” — Jos Valke via L1 Nieuws Valke sagte der BBC, er sei zu 99 Prozent sicher, dass das Skelett Charles de Batz de Castelmore gehöre. Er verwies dabei auf den Bestattungsort, die Musketenkugel und die Münze von 1660 als übereinstimmende Hinweise. Er sagte, zur Zeit von d’Artagnans Tod seien unter einem Altar nur Angehörige des Königshauses oder andere wichtige Figuren bestattet worden. Der leitende Archäologe Wim Dijkman, der seit 28 Jahren nach d’Artagnans Grab sucht, wählte eine deutlich zurückhaltendere Linie. „We are conducting research at the highest level. We want to have absolute certainty — or as much as possible — whether this is actually the famous musketeer who died here, under Maastricht.” — Wim Dijkman via Reuters Dijkman sagte dem regionalen Sender Omroep Limburg, er müsse als Wissenschaftler die DNA-Ergebnisse abwarten, auch wenn er große Erwartungen habe und den Fund als möglichen Höhepunkt seiner Laufbahn beschreibe. Das Skelett sei inzwischen in ein archäologisches Institut im ostniederländischen Deventer gebracht worden, wo es weiter untersucht werde.
Ein Tod im Jahr 1673, ein Sommerbegräbnis und Jahrhunderte des Rätselns Charles de Batz de Castelmore, bekannt als d'Artagnan, war ein französischer Soldat, der unter Ludwig XIV. als Hauptmann der Musketiere der Garde diente. Er starb am 25. Juni 1673 während der Belagerung von Maastricht, die Teil des Französisch-Niederländischen Krieges war, nachdem ihn eine Musketenkugel am Hals getroffen hatte. Nach Angaben von Stadtarchiven, auf die sich die Quellen berufen, fand ein Sergeant namens Saint-Léger d’Artagnan tot mit zerschmetterter Kehle. Weil es Hochsommer war und der Transport des Leichnams nach Frankreich logistisch unmöglich erschien, ging man davon aus, dass die französische Armee ihn nahe ihrem Lager bei der Kirche im damaligen Dorf Wolder bestattet habe. Die französische Historikerin Odile Bordaz stellte 2008 die These auf, d’Artagnan sei in dieser Kirche neben dem französischen Militärlager begraben worden, doch bis jetzt seien keine Ausgrabungen erfolgt, um die Theorie zu prüfen. Die Belagerung von Maastricht dauerte vom 13. Juni bis zum 26. Juni 1673 und war eine französische Offensive zur Einnahme einer strategisch wichtigen Festungsstadt im Französisch-Niederländischen Krieg. D’Artagnan führte eines der französischen Regimenter an, die mit seinen Musketieren von hinten angriffen, drang in die Befestigung ein und wurde tödlich getroffen. Seine Bestattung wurde in den Kirchenarchiven nie vermerkt, sodass sein letzter Ruheort mehr als dreieinhalb Jahrhunderte lang unbekannt blieb. Der teilweise Bodeneinbruch im Februar 2026 eröffnete die erste Gelegenheit, den Ort zu untersuchen, da unter dem Kirchenboden zuvor nie Ausgrabungen vorgenommen worden waren. Nach Einschätzung der Ermittler gibt es bislang keine Funde, die der Hypothese widersprechen würden, dass die Überreste dem historischen Musketier gehören.
Vom gaskognischen Soldaten zur weltweiten Kulturfigur Charles de Batz de Castelmore war zu seinen Lebzeiten eine vergleichsweise wenig bekannte Figur und vor allem am französischen Hof als vertrauenswürdiger Vertrauter Ludwigs XIV. bekannt. Der König soll seiner Frau Maria Teresa beim Bekanntwerden von d’Artagnans Tod gesagt haben: „I have lost d'Artagnan, in whom I had complete trust and who was capable of anything.” (Ich habe d'Artagnan verloren, dem ich vollkommen vertraut habe und der zu allem fähig war.) — Louis XIV via Il Messaggero Weltweit berühmt wurde er erst, nachdem Alexandre Dumas 1844 „Die drei Musketiere“ veröffentlichte und ihn darin als vierten Musketier neben den fiktiven Figuren Athos, Porthos und Aramis darstellte. Der Roman, der den Quellen zufolge historisch nicht sehr genau ist, machte d’Artagnan zu einer Kulturikone und zu einem Nationalhelden in Frankreich. Maastricht selbst hat eine Statue, die ihn als Symbol für Mut und Freundschaft ehrt. Die väterliche Linie der Familie De Batz, die in der Nähe von Avignon erhalten ist, liefert nun den genetischen Vergleichsmaßstab, mit dem das Labor in München das Skelett aus Maastricht überprüft. Wissenschaftler sagten, die in den kommenden Wochen erwarteten DNA-Ergebnisse könnten eines der langlebigsten historischen Rätsel der Frühen Neuzeit lösen.
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Mentioned People
- Charles de Batz de Castelmore d'Artagnan — Francuski żołnierz, który służył Ludwikowi XIV jako kapitan muszkieterów gwardii
- Jos Valke — Diakon kościoła św. Piotra i Pawła w Maastricht
- Wim Dijkman — Główny archeolog, który od 28 lat szuka grobu d’Artagnana
- Odile Bordaz — Francuska historyczka, która w 2008 roku wysunęła hipotezę o miejscu pochówku
Sources: 8 articles
- Maastricht: Mutmaßliches Skelett von Musketier D'Artagnan in niederländischer Kirche entdeckt - WELT (DIE WELT)
- Será o fim de um mistério com 350 anos? Restos mortais do verdadeiro D'Artagnan podem ter sido encontrados (SIC Notícias)
- Mutmaßliches Skelett von Musketier D'Artagnan entdeckt (newsORF.at)
- "Quello è lo scheletro di D'Artagnan", la scoperta in Olanda sul quarto moschettiere: come lo hanno riconosciuto (Open)
- " Rien ne va à l'encontre de cette identification " : le probable squelette de d'Artagnan retrouvé aux Pays-Bas (Le Parisien)
- Archéologie : un squelette qui pourrait bien être celui du célèbre d'Artagnan découvert dans une église de Maastricht - RTBF Actus (RTBF)
- Lost remains of French musketeer d'Artagnan may have been found in Dutch church (Reuters)
- Neerlandeses acreditam ter encontrado os restos mortais de D'Artagnan (TSF Rádio Notícias)
- Encuentran bajo una iglesia en Maastricht un esqueleto que podría pertenecer al célebre mosquetero D'Artagnan (EL MUNDO)
- Maastricht: ritrovati i possibili resti di d'Artagnan, il celebre quarto moschettiere (Il Messaggero)