Zwei Studien in der Fachzeitschrift Nature haben am 25. März 2026 den bisher ältesten genetisch bestätigten Hund der Geschichte identifiziert. Es handelt sich um einen weiblichen Welpen aus Anatolien, der vor etwa 15.800 Jahren lebte. Der Fund verschiebt den bekannten Beginn der Hundedomestikation um rund 5.000 Jahre nach hinten und deutet auf eine viel frühere, enge Beziehung zwischen Mensch und Hund hin.
Ältester genetisch bestätigter Hund entdeckt
Ein weiblicher Welpe aus Pinarbasi in Zentralanatolien ist mit etwa 15.800 Jahren der bislang älteste genetisch bestätigte Hund.
Zeitlinie der Domestikation deutlich verschoben
Der Fund rückt den Beginn der Hundedomestikation um rund 5.000 Jahre weiter in die Vergangenheit.
Frühe Hunde waren weit verbreitet
Genetische Befunde zeigen Hunde bereits in Westeuropa und Anatolien vor 15.800 bis 14.200 Jahren.
Enge Bindung zu Menschen schon in der Eiszeit
Bestattungen, Ernährung und archäologische Hinweise sprechen für eine frühe menschliche Nähe zu Hunden.
Hunde ohne klaren Nutzwert
Die Forschenden halten auch Gefährtschaft als zentrale Rolle der frühen Hunde für wahrscheinlich.
Zwei Studien, die am 25. März 2026 in der Fachzeitschrift Nature erschienen sind, haben den ältesten genetisch bestätigten Hund der Geschichte identifiziert: einen weiblichen Welpen, der vor etwa 15.800 Jahren am Fundort der Felsunterkunft Pinarbasi in Zentralanatolien in der Türkei lebte. Der Fund verschiebt die bekannte Zeitlinie der Hundedomestikation um ungefähr 5.000 Jahre nach hinten im Vergleich zum zuvor ältesten genetisch bestätigten Hund, der auf 10.900 Jahre datiert worden war. Die Überreste, bestehend aus einem Stück Schädel, gehörten zu einem Tier, das vermutlich wie ein kleiner Wolf aussah und zum Zeitpunkt seines Todes wohl erst wenige Monate alt war. Die Forschung wurde in zwei getrennten Studien durchgeführt, an denen Wissenschaftler aus mehr als 21 Institutionen beteiligt waren, darunter das Francis Crick Institute in London und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde bereits Tausende Jahre vor dem Beginn der Landwirtschaft in weiten Teilen West-Eurasiens verbreitet waren und tief in die menschliche Kultur eingebunden waren. Hunde stammen vom Grauwolf ab und gelten als das erste Tier, das vom Menschen domestiziert wurde. Ziegen, Schafe, Rinder und Katzen folgten später. Der genaue Zeitpunkt, der Ort und die Umstände der Domestikation sind seit Langem Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Eine zentrale Schwierigkeit bei der Erforschung der frühen Hundedomestikation besteht darin, dass sich Skelette von Wölfen und Hunden nur schwer voneinander unterscheiden lassen. Deshalb ist die genetische Analyse entscheidend, um alte Funde zu identifizieren. Archäologische Hinweise hatten zwar bereits nahegelegt, dass sich Hunde vor mehr als 15.000 Jahren von Wölfen trennten, genetisch bestätigt war dies vor dieser Forschung aber nur bis 10.900 Jahre zurück. Der 14.300 Jahre alte Hund von der Fundstätte Bonn-Oberkassel in Deutschland, der zusammen mit zwei Menschen bestattet wurde und Anzeichen einer Erkrankung zeigte, die ohne anhaltende menschliche Pflege tödlich gewesen wäre, galt lange als einer der überzeugendsten Belege für eine frühe enge Bindung zwischen Mensch und Hund. DNA aus einem Kieferknochen machte Funde in Europa identifizierbarDie erste Studie, die von William Marsh, einem Postdoktoranden im Ancient-Genomics-Labor am Francis Crick Institute, mitgeleitet wurde, nutzte DNA aus dem Schädelfragment von Pinarbasi, um eine genetische Referenz für frühe Hunde zu schaffen. Nachdem die genetische Signatur des Pinarbasi-Hundes bestätigt war, konnten die Forschenden Exemplare ähnlichen Alters aus Westeuropa und Zentralanatolien untersuchen, und alle erwiesen sich als Hunde. Genetisch ähnliche Tiere wurden an Fundorten im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Italien und der Schweiz identifiziert. Sie datieren auf die Zeit zwischen 15.800 und 14.200 Jahren vor heute und zeigen, dass sich bereits während des Upper Paleolithic eine einzelne frühe Hundepopulation über weite Teile Westeuropas und Asiens ausgebreitet hatte. Laurent Frantz, ein Paläogenetiker an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, beschrieb das Tier als eines, das vermutlich wie ein kleiner Wolf ausgesehen habe. Marsh sagte, DNA-Befunde deuteten darauf hin, dass Hunde bereits vor 18.000 Jahren an verschiedenen Orten in West-Eurasien vorhanden gewesen seien und sich genetisch bereits deutlich von Wölfen unterschieden hätten. Die Trennung von Hund- und Wolfspopulationen sei wahrscheinlich schon vor mehr als 24.000 Jahren erfolgt, also vor dem letzten glazialen Maximum der Eiszeit, auch wenn diese Schätzung mit erheblicher Unsicherheit behaftet sei.„Wir gehen vorläufig davon aus, dass sich Hund- und Wolfspopulationen deutlich früher getrennt haben, wahrscheinlich vor dem letzten glazialen Maximum der Eiszeit, also vor mehr als 24.000 Jahren. Gleichzeitig gibt es dabei weiterhin ein hohes Maß an Unsicherheit.” — William Marsh via ReutersWichtige Meilensteine der frühen Hundedomestikation: — ; — ; — ; — Gemeinsame Nahrung und Bestattungen deuten auf eine enge Bindung hinDie zweite Studie, geleitet von Anders Bergström, einem Biologen an der University of East Anglia, verglich Genome aus 216 Überresten von Caniden, die zwischen 46.000 und 2.000 Jahre alt waren. Die Proben stammten aus Fundorten in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Schottland, Schweden, der Schweiz und der Türkei. Damit handelt es sich laut den Forschenden um die bislang größte Untersuchung solcher Überreste. Das Team identifizierte unter den 216 Exemplaren 46 Hunde und 95 Wölfe. Eine chemische Analyse der alten Überreste ergab, dass Hunde in der Türkei und in England dieselbe Nahrung wie ihre menschlichen Besitzer erhielten. Sie fraßen in der Türkei entweder Fisch oder in Gough's Cave in England die gleiche Mischung aus Fleisch und Pflanzen, die dort auch bei den Menschen nachgewiesen wurde, sagte Selina Brace vom Natural History Museum. In Pinarbasi wurden Welpen oberhalb menschlicher Gräber beigesetzt. Das liefert einen direkten archäologischen Hinweis auf eine enge Beziehung. Das Team von Bergström fand außerdem heraus, dass die Abstammung der Hunde, die von den ersten neolithischen Bauern in Europa vor etwa 6.000 Jahren gehalten wurden, lückenlos auf die Hunde von Jäger-und-Sammler-Gruppen zurückging, die mehr als 14.000 Jahre früher lebten. Das habe die Forschenden überrascht. Während die massenhafte Ankunft neolithischer Bauern aus Südwestasien in der menschlichen Bevölkerung Europas zu einer großflächigen genetischen Vermischung führte, sei bei der Hundepopulation zur selben Zeit keine vergleichbare Vermischung beobachtet worden.„Hunde waren an unserer Seite, während Menschen große Veränderungen ihres Lebensstils durchliefen und komplexe Gesellschaften entstanden.” — Anders Bergström via Reuters216 (ancient remains) — analysierte Caniden-Exemplare in Bergströms GenomstudieÄltester genetisch bestätigter Hund: Bisheriger Rekord (before: 10.900 Jahre, after: 15.800 Jahre (neuer Rekord)); Fundort des ältesten Exemplars (before: Vor 2026 unbekannt, after: Pinarbasi, Zentralanatolien, Türkei); Abstand zur landwirtschaftlichen Revolution (before: Etwa 4.900 Jahre vor der Landwirtschaft in Europa, after: Etwa 9.800 Jahre vor der Landwirtschaft in Europa) Gefährtenrolle statt Nutzen könnte die ersten Hunde geprägt habenPontus Skoglund, ein Populationsgenetiker am Francis Crick Institute, der an der Genomstudie beteiligt war, bezeichnete den Ursprung der Hunde als „interessantes Rätsel“. Er sagte, Hunde seien sehr wahrscheinlich eine Mischung aus zwei Arten von Grauwölfen. Frantz räumte ein, dass sich nicht genau belegen lasse, welche Rolle diese frühen Hunde bei den Menschen der Eiszeit gespielt hätten. Er sagte jedoch, sie hätten teuer zu füttern gewesen sein müssen und deshalb irgendeinen Zweck erfüllt, sei es bei der Jagd, als Schutz oder als Warnsignal. Außerdem hätten Kinder weiterhin mit Welpen gespielt, und auch ohne das heutige Verständnis von Haustierhaltung habe sehr wahrscheinlich eine enge Bindung bestanden. Bergström verwies auf die besondere Stellung von Hunden unter den domestizierten Tieren. Anders als Ziegen, Rinder oder Schafe hätten Hunde nicht immer klar definierte wirtschaftliche Aufgaben.„Ich finde es auch interessant, dass Hunde im Gegensatz zu den meisten anderen domestizierten Tieren für den Menschen nicht immer sehr klar definierte Rollen oder Zwecke haben. Vielleicht ist ihre Hauptrolle oft einfach, Gesellschaft zu leisten.” — Anders Bergström via Reuters„Aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass sie eine Rolle gespielt haben müssen, weil sie teuer zu füttern gewesen wären.” — Laurent Frantz via France 24
Mentioned People
- William Marsh — Postdoktorant w zespole Ancient Genomics w Natural History Museum w Londynie
- Pontus Skoglund — Szwedzki genetyk populacyjny, obecnie w Francis Crick Institute, wcześniej w Harvard Medical School
- Laurent Frantz — Paleogenetyk z Uniwersytetu Ludwika i Maksymiliana w Monachium (LMU)
- Anders Bergström — Badacz z University of East Anglia i główny autor drugiego badania
Sources: 6 articles
- Humans and dogs -- scientists find new proof of ancient bond (Deutsche Welle)
- Los perros acompañan al ser humano en Europa desde hace 16.000 años, 5.000 más de lo que se creía (El Periódico)
- Hunde begleiten Menschen in Europa schon seit mehr als 15.000 Jahren (Spiegel Online)
- Les chiens nous accompagnent depuis 16.000 ans (La Libre.be)
- Le plus vieux compagnon de l'Homme : un chien qui vivait il y a près de 16 000 ans retrouvé en Turquie (SudOuest.fr)
- Oldest dog DNA suggests 16,000 years of human companionship (France 24)
- Genetic study identifies earliest-known dog, dating to 15,800 years ago (Reuters)
- Dogs were man's best friend far earlier than thought - scientists (BBC)
- Los primeros perros fueron domesticados por cazadores hace al menos 15.800 años (ABC TU DIARIO EN ESPAÑOL)
- El perro más antiguo del mundo era un cachorro, vivió hace 16.000 años en Turquía y comía pescado (EL PAÍS)