Ein etwa zehn Meter langer Buckelwal sitzt seit der Nacht zum 23. März 2026 auf einer Sandbank in der Ostsee bei Timmendorfer Strand und Niendorf fest. Alle bisherigen Versuche, das Tier wieder in tieferes Wasser zu bringen, blieben erfolglos. Fachleute halten den Wal für lebend, aber deutlich geschwächt; selbst bei einer Befreiung gelten seine Überlebenschancen als ungewiss.

Wal seit dem 23. März fest

Der etwa zehn Meter lange Buckelwal sitzt seit der Nacht vom 22. auf den 23. März 2026 auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand und Niendorf fest.

Rettungsoptionen bleiben begrenzt

Eine Einschläferung gilt unter den aktuellen Bedingungen als nicht umsetzbar, und auch das Ziehen des Wals wird wegen hoher Verletzungsgefahr verworfen.

Gesundheitszustand verschlechtert sich

Der Wal lebt nach Einschätzung von Fachleuten noch, steht aber unter Stress und zeigt Anzeichen einer Hauterkrankung; zusätzlich erschweren Netzreste am Maul und die Bedingungen der Ostsee seine Lage.

Ein etwa zehn Meter langer Buckelwal sitzt seit der Nacht vom 22. auf den 23. März 2026 auf einer Sandbank in der Ostsee nahe Timmendorfer Strand und Niendorf fest. Alle bisherigen Rettungsversuche, das Tier wieder flottzumachen, sind gescheitert. Nach Einschätzung der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich vermutlich um ein junges Männchen. Der Wal steckt weiterhin im flachen Wasser der Lübecker Bucht fest und zeigt Anzeichen eines sich verschlechternden Gesundheitszustands. Fachleute vor Ort sagen, das Tier lebe, stehe aber unter erheblichem Stress. Selbst wenn es tieferes Wasser erreichen sollte, ist sein längerfristiges Überleben ungewiss. Bis Dienstag, 24. März, berieten die Einsatzkräfte weiter über verfügbare Möglichkeiten. Ein Durchbruch wurde nicht gemeldet.

Einschläferung ausgeschlossen, Ziehen zu riskant Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, sagte, eine Einschläferung komme unter den derzeitigen Bedingungen nicht infrage. Internationale Vereinbarungen begrenzten, was getan werden dürfe. Hinzu kämen erhebliche praktische Schwierigkeiten, ein Tier dieser Größe im offenen Flachwasser tierschutzgerecht zu töten. „Es ist unter den Bedingungen, die wir hier haben, schlicht sehr, sehr schwierig, einen Wal einzuschläfern.” — Ursula Siebert via DPA Ein Problem sei der Einsatz von Waffen und der dafür erforderlichen Kaliber, die auch für das Umfeld eine Gefahr darstellten. Siebert sagte, der vorzuziehende Ansatz sei, falls keine tragfähige Rettung möglich sei, sicherzustellen, dass das Tier würdevoll und ohne Stress sterben könne. Auch das Ziehen des Wals, ein Verfahren, das bei an der Nordsee gestrandeten Pottwalen versucht worden sei, gelte für ein bereits geschwächtes Tier als zu gefährlich, weil es häufig schwere Verletzungen verursache.

Ausbaggern von Sand wird geprüft, Netz weiter am Maul Nach Angaben Sieberts erwägen die Fachleute nun, Sand unter dem Wal wegzuschaffen, damit das Tier in tieferes Wasser gleiten könne. Sie wies jedoch darauf hin, dass auch dieses Vorgehen Risiken für den Wal berge. Carsten Mannheimer, Kapitän eines Sea-Shepherd-Schiffs, das derzeit in Niendorf liegt, sagte, der Wal bewege den Kopf und gebe Laute von sich, die Beobachter zunächst als Hilferufe gedeutet hätten. „Er ruft nicht um Hilfe.” — Carsten Mannheimer via Frankfurter Allgemeine Zeitung Mannheimer erläuterte, der Wal äußere diese Laute vor allem dann, wenn sich Boote näherten, darunter auch Schiffe, die ihm helfen wollten. Das deute darauf hin, dass die Geräusche eher Stress ausdrückten als einen Ruf nach Rettung. Frühere Versuche, mit Booten Wellen zu erzeugen, um den Wal in Richtung des Fahrwassers zu drücken, hätten das Tier kurzzeitig in die richtige Richtung gedreht. Danach habe es sich jedoch wieder zurückgewendet. Die Feuerwehr konnte einen Teil eines Fischernetzes entfernen, das sich um den Körper des Wals gewickelt hatte. Ein Taucher von Sea Shepherd konnte die verbliebenen Teile aber nicht lösen, weil der Wal die Annäherung nicht zuließ. Teile des Netzes befinden sich weiterhin am Maul des Tieres. Damit bleibt sein Schicksal auch dann ungewiss, wenn es das offene Wasser erreichen sollte.

Hauterkrankung und geringer Salzgehalt verschärfen die Lage Seit der ersten Sichtung hat sich der Zustand des Wals sichtbar verschlechtert. Mannheimer berichtete von deutlichen Wucherungen, die auf eine Hauterkrankung hindeuteten. Gegenüber AFP sagte er, diese werde vermutlich durch den ungewöhnlich geringen Salzgehalt der Ostsee verursacht. Die Lübecker Bucht weist wie die Ostsee insgesamt einen Salzgehalt auf, der weit unter dem des offenen Ozeans liegt. Für Buckelwale entsteht dadurch eine ungünstige Umgebung. Siebert bezeichnete solche Tiere als „wandernde Irrgäste“ – große Walarten, die in der Ostsee nicht heimisch seien, sie aber in Abständen erreichten und dort die Orientierung verlören. Zum geringen Salzgehalt komme Nahrungsmangel hinzu. Viele Fischbestände in der Ostsee seien in den vergangenen Jahren zusammengebrochen, sodass für einen großen Wal nur wenig Nahrung vorhanden sei. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt von den Grünen appellierte an Anwohner und Urlauber, Abstand von dem Ort zu halten. „Ich hoffe, dass es gelingt, ihn zu befreien, und wenn es nicht gelingt, dass er in Frieden sein Ende finden kann.” — Tobias Goldschmidt via Frankfurter Allgemeine Zeitung

Buckelwale und andere große Walarten verirren sich gelegentlich in die Ostsee, obwohl die Region nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum gehört. Der geringe Salzgehalt der Ostsee, zurückgehende Fischbestände und flache Küstenbereiche machen das Gebiet für solche Tiere besonders riskant. Nach Angaben von Forschern, auf die sich die zugrunde liegenden Berichte stützen, sind einige dieser Irrgäste in der Vergangenheit erstickt, nachdem sie sich in Fischernetzen verfangen hatten. Strandungen von Pottwalen in der Nordsee und anderer großer Walarten an deutschen Küsten haben Einsatzkräfte bereits in früheren Jahren mit ähnlichen Abwägungen konfrontiert; Versuche, die Tiere zu ziehen, führten dabei oft zu schweren Verletzungen.

Mentioned People

  • Ursula Siebert — Kierująca Instytutem Badań nad Dzikimi Zwierzętami Lądowymi i Wodnymi (ITAW) na Uniwersytecie Medycyny Weterynaryjnej w Hanowerze
  • Carsten Mannheimer — Kapitan w organizacji ochrony mórz Sea Shepherd

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