Der ehemalige Schatzmeister der Volkspartei (PP), Luis Bárcenas, hat vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid über mutmaßliche Beweisvernichtung durch den früheren Ministerpräsidenten Mariano Rajoy berichtet. Am achten Prozesstag zur „Operation Kitchen“ schilderten Bárcenas und seine Ehefrau zudem die Rolle ihres Chauffeurs als Informant des Innenministeriums. Für den kommenden Donnerstag wird die Zeugenaussage Rajoys erwartet.

Beweisvernichtung durch Rajoy

Luis Bárcenas behauptet, Mariano Rajoy habe in seinem Beisein Dokumente über die Schattenbuchhaltung der PP in einem Aktenvernichter vernichtet.

Chauffeur als Spion

Der Fahrer Sergio Ríos erhielt mutmaßlich über 53.000 Euro aus staatlichen Geheimfonds, um die Familie Bárcenas für das Innenministerium auszuspionieren.

Verschwundene Tonaufnahmen

Drei brisante Tonaufnahmen, darunter eine von einem Treffen mit Rajoy, sind laut Bárcenas unauffindbar oder wurden gelöscht.

Prominente Zeugen geladen

Am 23. April 2026 sollen Mariano Rajoy sowie die ehemaligen Minister Cospedal und Zoido vor dem Nationalen Gerichtshof aussagen.

Das Gerichtsverfahren zur Operation Kitchen erreichte am 21. April 2026 seinen achten Sitzungstag. Vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid sagten der ehemalige Schatzmeister der Volkspartei, Luis Bárcenas, und seine Ehefrau Rosalía Iglesias aus. Bárcenas gab zu Protokoll, er habe drei Tonaufnahmen besessen: eine, in der er selbst die Schattenbuchhaltung der Partei beschreibt, eine zweite über ein Gespräch mit dem ehemaligen PP-Funktionär Javier Arenas und eine dritte, die ein Treffen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy dokumentierte. Er schilderte, dass er bei dem Treffen mit Rajoy in dessen Büro ein Kuvert mit den jüngsten Kontobewegungen der verdeckten Konten übergeben habe. Rajoy habe sich daraufhin in seinem Sessel umgedreht und das Dokument in einen Aktenvernichter geschoben. Bárcenas erklärte weiter, er habe später seine Frau angewiesen, den gemeinsamen Fahrer Sergio Ríos zu beauftragen, einen Mitgefangenen für das Löschen der Rajoy-Aufnahme aus einem Cloud-Speicher zu bezahlen. Alle drei Aufnahmen seien mittlerweile verschwunden.

Chauffeur erhielt über 53.000 Euro aus Staatsmitteln Die Aussage von Rosalía Iglesias konzentrierte sich insbesondere auf Sergio Ríos, den das Ehepaar Anfang 2013 als Fahrer eingestellt hatte und der nun Mitangeklagter ist.

„Wir sprachen in seiner Gegenwart, als wäre er ein weiteres Familienmitglied” — Rosalía Iglesias via EL PAÍS

Iglesias gab an, später eine deutliche Verhaltensänderung bei Ríos bemerkt zu haben: Er sei nervös geworden, habe einen rüden Fahrstil entwickelt und ein ungewöhnliches Interesse daran gezeigt, wen sie getroffen habe. Den Prozessakten zufolge soll Kommissar José Manuel Villarejo den Fahrer als Informanten angeworben haben, um an sensible Unterlagen über hochrangige PP-Vertreter zu gelangen, die sich im Besitz von Bárcenas befanden. Ermittlungen ergaben, dass Ríos für seine Beteiligung mehr als 53.000 Euro aus geheimen staatlichen Mitteln erhielt. Das Ehepaar gab zudem an, dass Ríos mit höchst sensiblen Aufgaben betraut wurde, darunter der Transport von Kisten mit Material aus der PP-Zentrale in der Génova-Straße sowie die Übergabe von Dokumenten an den damaligen Anwalt Javier Gómez de Liaño. Letzterer bestätigte dies und erklärte, Ríos habe „gelegentlich Papiere ins Büro gebracht“. Die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft fordert für Ríos eine Freiheitsstrafe von fast zwölfeinhalb Jahren.

Rajoy, Cospedal und Zoido sagen am Donnerstag aus In der Sitzung sagte auch Chefinspektor Gonzalo Fraga von der Abteilung für innere Angelegenheiten aus. Er untersuchte die Operation Kitchen und bestätigte die Existenz von Tagebüchern, Terminkalendern und Audiodateien, die „parapolizeiliche Aktionen“ der Führung des Innenministeriums belegten. Ziel sei die Beschlagnahmung von Dokumenten gewesen, die „Präsident Mariano Rajoy belasteten“. Fraga erklärte, die Tagebücher des ehemaligen Kommissars Villarejo würden die Operation „sehr detailliert und spezifisch“ beschreiben; Rajoy sei darin unter den Decknamen „der Asturier“ oder „der Bärtige“ geführt worden. Ebenfalls für den Nachmittag war die Aussage des Polizeibeamten José Manuel Benavides angesetzt. Am Donnerstag, den 23. April 2026, sollen der ehemalige Ministerpräsident Mariano Rajoy, die frühere PP-Generalsekretärin María Dolores de Cospedal und der ehemalige Innenminister Juan Ignacio Zoido als Zeugen erscheinen. Ihre Aussagen folgen auf die Behauptungen von Bárcenas, Rajoy habe direkte Kenntnis vom parallelen Buchhaltungssystem der Partei gehabt.

Die Operation Kitchen bezeichnet eine mutmaßliche verdeckte Operation im Jahr 2013 unter dem damaligen Innenminister Jorge Fernández Díaz während der Regierung von Mariano Rajoy (Ministerpräsident von 2011 bis 2018). Die Operation sollte unter Einsatz polizeilicher Mittel und staatlicher Gelder Dokumente von Luis Bárcenas sicherstellen, um eine Verwicklung der Parteiführung in die Korruptionsaffäre „Gürtel“ zu vertuschen. Die Gürtel-Affäre betraf ein Netzwerk illegaler Parteifinanzierung der PP und führte zu zahlreichen Verurteilungen. Die Ermittlungen im Fall Kitchen wurden von Richter Manuel García-Castellón abgeschlossen, der entschied, María Dolores de Cospedal nicht anzuklagen – eine Entscheidung, die teils auf Kritik stieß.

Notar nach Einstellung von Verfahren auf Menorca entlastet Zudem erschien der Notar Alberto Vela Rubio-Navarro als Zeuge. Ihm war ursprünglich vorgeworfen worden, den ehemaligen Staatssekretär für Sicherheit, Francisco Martínez, über die Ermittlungen informiert zu haben. Das zuständige Gericht in Mahón (Menorca) stellte das Verfahren gegen den Notar jedoch ein, was der Rechtskraft eines Urteils gleichkommt. Sowohl der örtliche Richter als auch die Staatsanwaltschaft wiesen die Argumentation des ehemaligen Nationalgerichtshofs-Richters Manuel García Castellón zurück, der den Fall wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat an die balearische Justiz verwiesen hatte. Dass der Notar nun als Zeuge und nicht als Angeklagter aussagte, resultierte aus diesem vorausgegangenen Justizprozess. Die Sitzung verdeutlichte das Ausmaß des Falles Kitchen, der Vorwürfe gegen das Innenministerium, die Polizeiführung und die obersten Ränge der PP umfasst.

Mentioned People

  • Mariano Rajoy — Registrator nieruchomości i były premier Hiszpanii w latach 2011–2018
  • Luis Bárcenas — Przedsiębiorca i były polityk, który pełnił funkcję zarządcy i skarbnika Partii Ludowej
  • Rosalía Iglesias — Żona Luisa Bárcenasa i świadek w procesie dotyczącym Operacji Kitchen
  • Sergio Ríos — Były kierowca Luisa Bárcenasa i domniemany informator policyjny
  • Jorge Fernández Díaz — Były hiszpański polityk Partii Ludowej i minister spraw wewnętrznych
  • José Manuel Villarejo — Były komisarz policji, rzekomo odpowiedzialny za zrekrutowanie informatora
  • María Dolores de Cospedal — Prokurator państwowa i była polityk, pełniąca funkcję ministra obrony oraz sekretarz generalnej PP
  • Juan Ignacio Zoido — Sędzia i polityk, który piastował urząd ministra spraw wewnętrznych do czerwca 2018 roku
  • Francisco Martínez Vázquez — Były sekretarz stanu ds. bezpieczeństwa
  • Alberto Vela Rubio-Navarro — Notariusz zeznający w charakterze świadka w sprawie potencjalnego przecieku informacji

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