Digitale Gesundheitsanwendungen, umgangssprachlich als „Apps auf Rezept“ bezeichnet, werden seit 2020 von deutschen Krankenkassen bei psychischen Störungen wie Depressionen erstattet. Experten weisen jedoch auf ein grundlegendes Problem der geringen Retention hin, also des vorzeitigen Abbruchs der Therapie durch viele Patienten. Eine zentrale Empfehlung ist der Einsatz dieser Werkzeuge ausschließlich mit therapeutischer Begleitung und eine genaue Analyse der Abbruchgründe.

Erstattung von Apps auf Rezept

Das DiGA-System ermöglicht seit 2020 die Erstattung digitaler Therapie-Apps durch deutsche Krankenkassen. Im Register befinden sich über 75 Programme.

Hohe Abbruchquote

Das grundlegende Problem ist die mangelnde konsequente Nutzung der Apps durch Patienten. Viele von ihnen brechen die digitale Therapie in einem frühen Stadium ab.

Empfehlung therapeutischer Begleitung

Psychologen betonen, dass Apps unter der Betreuung eines Arztes oder Therapeuten verwendet werden sollten und nicht als eigenständige Behandlungsform.

Analyse der Abbruchgründe

Im Falle eines Abbruchs wird empfohlen, innezuhalten und über die Ursachen nachzudenken, die auf den Bedarf einer intensiveren, traditionellen Therapie hinweisen können.

Das deutsche Erstattungssystem für digitale Therapie-Apps, eingeführt im Jahr 2020, steht vor der Herausforderung der Wirksamkeit. Trotz der Verfügbarkeit von über 75 Programmen im offiziellen DiGA-Register, oft als „Apps auf Rezept“ bezeichnet, erweist sich die Patientenbindung als Kernproblem. Experten wie der Psychologe Enno Maaß weisen darauf hin, dass viele Nutzer diese Programme in einem frühen Stadium abbrechen, was ihre potenzielle Wirksamkeit bei der Behandlung von Störungen wie Depressionen infrage stellt.Digitale Werkzeuge zur Unterstützung der psychischen Gesundheit entstanden mit der Entwicklung mobiler Technologien im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Frühere, nichtstaatliche Apps mit Wellness- und Selbsthilfecharakter unterlagen keiner strengen medizinischen Regulierung, was sich mit der Einführung einer Zertifizierung für Werkzeuge mit nachgewiesener klinischer Wirkung änderte. Psychologen und Psychotherapeuten, darunter Lasse Sander, betonen, dass diese Apps nicht im luftleeren Raum funktionieren sollten. Ihrer Ansicht nach bringen DiGAs nur dann Nutzen, wenn sie als Teil eines umfassenderen therapeutischen Prozesses eingesetzt werden, der unter der Aufsicht eines Spezialisten durchgeführt wird. Die eigenständige Nutzung ohne Aufsicht erhöht das Risiko des Scheiterns. Die Empfehlung für Patienten, die einen Abbruch erwägen, ist klar: Sie sollten innehalten und analysieren, warum die App nicht mehr hilfreich ist. Eine solche Selbstanalyse kann aufdecken, dass das zugrundeliegende Problem tiefer liegt und eine direkte, professionelle Intervention erfordert, auf die die App allein nicht antworten kann. „Viele Nutzer brechen die Programme frühzeitig ab” — Psychologe, Psychotherapeut, kommentiert das Problem des Abbruchs von DiGA-Apps Das DiGA-System stellt einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung des Gesundheitswesens und zur Erhöhung der Verfügbarkeit bestimmter Hilfsformen dar. Die hohe Abbruchquote stellt jedoch die langfristige Wirksamkeit und Kosteneffizienz dieser Therapieform für den Kostenträger, die Krankenkassen, infrage. Die weitere Entwicklung dieses Sektors wird wahrscheinlich nicht nur die Verbesserung der Apps selbst erfordern, sondern auch eine bessere Integration in den traditionellen Gesundheitsversorgungspfad sowie Strategien, die Patienten motivieren, die Behandlung durchzuhalten. Ohne eine Lösung für das Problem der Adhärenz, also der regelmäßigen Befolgung der Empfehlungen, kann selbst das bestgestaltete digitale Werkzeug seine grundlegende therapeutische Funktion nicht erfüllen.

Mentioned People

  • Enno Maaß — Psychologe, Psychotherapeut, kommentiert das Problem des Abbruchs von DiGA-Apps
  • Lasse Sander — Psychologe, Psychotherapeut, empfiehlt die Nutzung von DiGA-Apps unter Aufsicht eines Spezialisten