Italien zählt über 7 Millionen Caregiver, von denen drei Viertel Frauen sind. Obwohl sie das Fundament des nationalen Pflegesystems bilden, haben sie immer noch keinen eigenen rechtlichen Status. Ihrem Alltag, ihren Hürden und ihrem Opfer ist der Dokumentarfilm „Parole in cerca d'autore” gewidmet, der gerade auf der Plattform Amazon Prime Video verfügbar wurde. Der Film, unterstützt von der Fondazione MSD, soll die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit eines speziellen Gesetzes lenken.

Rechtliche Anerkennung der Pflegenden

Obwohl pflegende Angehörige als Schlüsselelement des italienischen Gesundheitssystems angesehen werden, gibt es bis heute kein Gesetz, das ihren Status, ihre Rechte und Privilegien regeln würde. Marina Panfilo von der Fondazione MSD betont, dass sie zwar seit langem als „Ressource” des Systems anerkannt werden, aber immer noch auf gesetzgeberische Unterstützung warten.

Statistiken zur Familienpflege

Die italienische Gesellschaft stützt sich auf 7 Millionen Menschen, die sich regelmäßig um einen kranken oder nicht selbstständigen Verwandten kümmern. Über 75 % von ihnen sind Frauen. Bedeutend ist auch der Anteil junger Menschen, von denen 42 % ihre Großeltern und 30 % ihre Eltern pflegen, was die alternde Gesellschaftsstruktur widerspiegelt.

Premiere des Dokumentarfilms

Auf der Plattform Amazon Prime Video wurde der Dokumentarfilm „Parole in cerca d'autore” von Donatella Romani und Roberto Amato veröffentlicht. Die Produktion, unterstützt von der Fondazione MSD, zeigt durch mehr als zehn persönliche Geschichten die psychologischen Herausforderungen, bürokratischen Hindernisse und die tiefe Hingabe der Pflegenden.

Burnout und Hingabe

Der Film porträtiert Pflegende, die mit Burnout, mangelnder gesellschaftlicher und rechtlicher Anerkennung sowie Einsamkeitsgefühlen konfrontiert sind. Eine der Aussagen betont den paradoxen Aspekt der Pflege – dass „das Sich-Kümmern um andere in Wirklichkeit bedeutet, sich um sich selbst zu kümmern”, was als Versuch gelesen werden kann, Sinn im täglichen Mühen zu finden.

In Italien übernehmen über 7 Millionen Menschen die Rolle informeller Caregiver, indem sie zu Hause kranke, behinderte oder ältere Familienmitglieder pflegen. Die Statistiken sind unerbittlich: Etwa 75 % dieser Gruppe sind Frauen. Sie übernehmen am häufigsten die mit der kontinuierlichen Pflege verbundenen Pflichten und vereinbaren sie mit dem Berufsleben und eigenen Bedürfnissen. Bedeutend ist auch die Rolle der jungen Generation – 42 % der jungen Menschen pflegen ihre Großeltern und 30 % ihre Eltern, was das Phänomen der „Sandwich-Generation” und der alternden Gesellschaft veranschaulicht. Italien gehört zu den Ländern mit einer der höchsten Alterungsraten in Europa, bei gleichzeitig stark verwurzeltem familiärem Pflegemodell, wo das staatliche Pflegesystem oft nicht mit den Bedürfnissen Schritt hält. Obwohl diese unsichtbaren Pflegekräfte ein unverzichtbarer Pfeiler des nationalen Wohlfahrtsstaates sind, bleibt ihr rechtlicher Status unreguliert. Marina Panfilo, Direktorin der Fondazione MSD, betonte bei der Präsentation des Dokumentarfilms „Parole in cerca d'autore” in Rom dieses Paradox: „Das ist eine Figur, die seit langem als Ressource unseres Systems gilt, aber leider gibt es immer noch keine Vorschriften, die sie schützen würden”. Der Dokumentarfilm unter der Regie von Donatella Romani und Roberto Amato, realisiert mit Unterstützung der Fondazione MSD, zielt darauf ab, dieses gesellschaftliche Schweigen zu brechen. Der Film, verfügbar seit dem 26. Februar auf Amazon Prime Video, besteht aus einem Mosaik von über zehn Geschichten. Er zeigt nicht nur die Mühen und Herausforderungen – wie Burnout, bürokratische Hürden und Einsamkeitsgefühle –, sondern auch die tiefe Hingabe und Liebe, die dieser Rolle zugrunde liegen. Eine der Figuren ist der Frontmann der Band Elio e le Storie Tese, Vater eines autistischen Sohnes, der im Film seine Erfahrungen teilt und feststellt: „Sich um andere zu kümmern bedeutet in Wirklichkeit, sich um sich selbst zu kümmern. Das ist fast ein Akt des Egoismus”. Obwohl der Film versucht, Millionen von Pflegenden eine Stimme zu geben, hängt die reale Veränderung ihrer Situation immer noch vom Gesetzgeber ab. Das Fehlen eines umfassenden Caregiver-Gesetzes bedeutet für sie kein Recht auf Urlaub, finanzielle Unterstützung, Schulungen oder Alterssicherung. Der Dokumentarfilm, obwohl ein wichtiger Beitrag zur Diskussion, löst das systemische Problem nicht von selbst. Seine Premiere fällt mit einem wachsenden gesellschaftlichen Bewusstsein für die Notwendigkeit einer formalen Anerkennung dieser Gruppe zusammen, was Druck auf die Politiker ausüben könnte.

Mentioned People

  • Marina Panfilo — Direktorin der Fondazione MSD, kommentiert das Fehlen eines Gesetzes für pflegende Angehörige
  • Donatella Romani — Regisseurin des Dokumentarfilms "Parole in cerca d'autore"
  • Roberto Amato — Regisseur des Dokumentarfilms "Parole in cerca d'autore"
  • Elio — Frontmann der Band Elio e le Storie Tese, Vater eines autistischen Sohnes und einer der Protagonisten des Dokumentarfilms
  • Sabrina Paravicini — Schauspielerin, Erzählerin des Dokumentarfilms