Das Festival der Italienischen Musik in Sanremo 2026 ist zur Arena heftiger politischer und ethischer Auseinandersetzungen geworden. Hauptstreitpunkt ist ein Lied von Ermal Meta über die Situation im Gazastreifen, das von Adriano Celentano unterstützt wird. Gleichzeitig hat die RAI Untersuchungsverfahren wegen mutmaßlicher Kryptowerbung für Kosmetikprodukte und Tabakerzeugnisse durch Top-Künstler, darunter Malika Ayane und Fedez, eingeleitet, was einen Schatten auf die künstlerische Dimension der Veranstaltung wirft.

Streit um das Thema Gaza

Ermal Meta kritisiert die Vermeidung des Nahostkonfliktthemas in öffentlich-rechtlichen Medien.

Vorwürfe der Kryptowerbung

Die RAI prüft die Bewerbung von Kosmetikprodukten durch Malika Ayane und Tabakerzeugnissen durch Fedez.

Fauxpas von Matteo Salvini

Der Vizepremier lobte die Integration des Künstlers, der seit drei Jahrzehnten in Italien lebt und arbeitet.

Unterstützung von Celentano

Die Ikone der italienischen Musik prophezeit Ermal Meta aufgrund der mutigen Botschaft seines Liedes einen Sieg.

Die diesjährige Ausgabe des Sanremo-Festivals steht im Zeichen tiefgreifender weltanschaulicher Gräben und Kontroversen um die Kommerzialisierung des Spektakels. Zur zentralen Figur wurde Ermal Meta, dessen Lied über das Leid im Gazastreifen eine landesweite Diskussion auslöste. Der Künstler kritisierte in seinen Äußerungen scharf die Selbstzensur in den Medien und betonte, dass Wörter wie „Gaza“ oder „Palästina“ nicht wie Kraftausdrücke behandelt werden sollten. Unterstützung für den Sänger kam von der Legende Adriano Celentano, der ihm einen uneingeschränkten Sieg prophezeite, was die Stimmung um die Finalentscheidungen weiter anheizte. Die Situation wurde durch eine Äußerung von Vizepremier Matteo Salvini verkompliziert. Der Politiker lobte Meta für seine „perfekte Integration“ und fließende Beherrschung der italienischen Sprache, was eine Welle des Spotts in den sozialen Medien und der Presse auslöste. Man erinnerte daran, dass der Künstler seit 30 Jahren in Italien lebt und Staatsbürger des Landes ist und sein Werk seit langem ein Grundpfeiler der dortigen Popszene darstellt. Der Fauxpas des Liga-Chefs wurde als bevormundend und dem Status des Musikers nicht angemessen empfunden. Das 1951 ins Leben gerufene Sanremo-Festival dient seit Jahrzehnten als Barometer für die gesellschaftliche Stimmung in Italien und wird oft zum Schauplatz politischer Manifestationen, die über den Rahmen reiner Unterhaltung hinausgehen. Parallel zu den politischen Themen kämpft das Festival mit Vorwürfen der Kryptowerbung. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RAI hat eine offizielle Untersuchung zur Kosmetiklinie „Animali notturni“ eingeleitet, die von Malika Ayane beworben wurde. Verdacht besteht auch gegenüber Fedez, dem vorgeworfen wird, Tabakerhitzer inoffiziell zu platzieren. Kritiker, darunter Verbraucherverbände, weisen auf die moralische Zweideutigkeit hin, schädliche Genussmittel zur Hauptsendezeit zu bewerben. „Non si può dire „Gaza” o „充分Palestina”, come se fossero bestemmie. Ma la vera bestemmia è il fatto che vengano cancellate” (Man kann nicht „Gaza“ oder „Palästina“ sagen, als wären es Flüche. Aber der wahre Fluch ist die Tatsache, dass sie ausgelöscht werden) — Ermal Meta Die Stimmung in den Straßen Sanremos heizte die römische Streetart-Künstlerin Laika an, die im Rahmen eines Protestes für Gaza von Barcelona an die ligurische Küste segelte. Ihre Installation bezieht sich direkt auf das Lied von Ermal Meta und verbindet visuelle Kunst mit musikalischer Botschaft. Trotz zahlreicher Kontroversen verzeichnet das Festival Rekordeinschaltquoten, insbesondere bei Comedy-Auftritten und Duetten, was die ungebrochene Bedeutung dieser Veranstaltung in der Populärkultur bestätigt.

Mentioned People

  • Ermal Meta — Sänger und Songwriter, Hauptfigur der diesjährigen politischen Kontroversen in Sanremo.
  • Matteo Salvini — Italienischer Vizepremier und Parteichef der Lega, Autor einer vielbeachteten Äußerung über die Integration von Meta.
  • Fedez — Italienischer Rapper und Prominenter, dem unerlaubtes Produktplacement vorgeworfen wird.
  • Malika Ayane — Sängerin, deren Kosmetiklinie Gegenstand der RAI-Untersuchung ist.