Kurz gefasst
Eva Gretzmacher, 76, und Claudia Abbt, 69, erreichten am Mittwoch, 21. Oktober, Bengasi, wie al-Masar berichtete, der die Freilassung in der Nacht auf Donnerstag bekannt gab.
Gretzmacher wurde im Januar 2025 entführt, Abbt im April 2025 in Agadez im Norden Nigers; damit waren sie mehr als ein Jahr in Gefangenschaft.
Al-Masar zufolge intervenierte Saddam Haftar, stellvertretender Oberbefehlshaber, auf Bitten der Familien; die Frauen dankten in einem Video Khalifa Haftar und dessen Sohn.
Schweizer und österreichische Vertreter bestätigten die Freilassung; für Donnerstag, 22. Oktober, wurde ein Flug aus Bengasi mit Zwischenstopp in Wien vor der Weiterreise in die Schweiz erwartet.
- Januar 2025Eva Gretzmacher, Österreicherin, in Niger entführt
- April 2025Claudia Abbt, Schweizerin, in Agadez in Niger entführt
- 21.10.Beide Frauen erreichen laut al-Masar Bengasi in Libyen
- 22.10.Flug aus Bengasi erwartet, Zwischenstopp zunächst in Wien
Freilassung in Bengasi
Zwei seit 2025 in Niger festgehaltene Europäerinnen sind freigelassen und am Mittwoch, 21. Oktober, in die ostlibysche Stadt Bengasi gebracht worden, wie der libysche Sender al-Masar berichtete, der die Freilassung in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bekannt gab. Bei der Österreicherin handelt es sich um Eva Gretzmacher, 76, die im Januar 2025 entführt wurde, bei der Schweizerin um Claudia Abbt, 69, die im April 2025 im nigrischen Agadez verschleppt wurde. Keine Seite hat die Entführer öffentlich benannt, die Umstände der Freilassung wurden nicht bekannt gegeben.
Verdienst der Haftars
Al-Masar schrieb die Freilassung der Intervention Saddam Haftars zu, des stellvertretenden Oberbefehlshabers im Osten Libyens, der auf Bitten der Familien gehandelt habe. In einem vom Sender ausgestrahlten Video saßen die beiden Frauen unter einem Porträt von Feldmarschall Khalifa Haftar und dankten ihren Befreiern auf Französisch. Abbt, die ihre Gefangenschaft mit einem Jahr und sechs Monaten angab, sagte, sie sei froh, frei zu sein.
„Jetzt bin ich froh, frei zu sein.“
Gretzmacher, die ihre Gefangenschaft mit einem Jahr und neun Monaten angab, dankte im selben Video dem Marschall und dessen Sohn.
„Ich danke von ganzem Herzen Feldmarschall Khalifa Haftar und seinem Sohn Saddam, die uns befreit haben.“
Reaktionen in der Schweiz und in Österreich
Der Sprecher des Schweizer Außenministeriums, Pierre-Alain Eltschinger, sagte, Abbt sei den Umständen entsprechend in guter Verfassung und auf dem Weg zurück in die Schweiz. Schweizer Mitarbeiter empfingen sie in Bengasi, wo sie medizinisch versorgt wurde. Außenminister Ignazio Cassis äußerte Erleichterung über ihre Freilassung nach mehr als eineinhalb Jahren und dankte den Beteiligten in der Schweiz und im Ausland. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hatte nach der Entführung einen Krisenstab eingerichtet, dem Polizei, Nachrichtendienste, weitere Bundesstellen und kantonale Behörden angehörten. RTS berichtete, das Departement habe sich bislang nicht öffentlich geäußert und Bundespolizisten seien mindestens einmal nach Niger gereist, um die Verhandlungen voranzubringen.
In Wien sagte die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, alle seien zutiefst erleichtert, dass Eva G. nach mehr als 21 Monaten endlich frei sei, und sie dankte den beteiligten österreichischen Diplomaten. Ein österreichisches Krisenteam habe Gretzmacher in Libyen in Empfang genommen, teilte das österreichische Außenministerium mit.
Diplomatie mit Niamey
Die Schweiz hielt nach dem Putsch vom Juli 2023 direkte Kanäle nach Niamey offen, anders als Frankreich, das seine Zusammenarbeit mit Niger nach der Machtübernahme des Militärs deutlich verringerte, wie RTS berichtete. Im Mai 2026 wurde Botschafter Philipp Stalder, Leiter der Abteilung Subsahara-Afrika und Frankophonie im Departement, in Niamey von Premierminister Ali Mahaman Lamine Zeine empfangen, den RTS als eine der führenden Figuren des Militärregimes beschrieb. Im September 2026 traf Cassis nigrische Vertreter in New York am Rande der UN-Generalversammlung.
Kontext Niger und Libyen
Niger steht seit 2023 unter militärischer Kontrolle, als General Abdourahmane Tchiani den gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum absetzte. Entführungen haben in Niger im vergangenen Jahr zugenommen, und dschihadistische Gruppen mit Verbindungen zu al-Qaida und dem Islamischen Staat verüben seit Jahren Gewalt in der gesamten Sahelzone. RTS berichtete, der Islamische Staat in der Sahelzone habe Abbt festgehalten, während die BBC anmerkte, einige frühere Berichte hätten die Entführung mit Kämpfern des Islamischen Staates in Verbindung gebracht. Libyen ist zwischen zwei Verwaltungen gespalten: der östlichen, die von Khalifa Haftar unterstützt wird, und der Regierung in Tripolis, die von der UN anerkannt wird und unter Premierminister Abdulhamid Dbeibah steht.
Nächste Schritte
Air Info Agadez berichtete, am Donnerstag, 22. Oktober, solle ein Flugzeug Bengasi verlassen, zunächst in Wien Zwischenstation machen, um Gretzmacher den österreichischen Behörden zu übergeben, und anschließend mit Abbt in die Schweiz weiterfliegen. Libysche Beamte erklärten, die Frauen würden den Behörden ihrer Heimatländer übergeben, sobald die nötigen Formalitäten abgeschlossen seien.