
Polens Generalstaatsanwalt bittet Europäisches Parlament um Aufhebung der Immunität von PiS-Abgeordnetem Patryk Jaki wegen Beförderung im Strafvollzug
Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek hat das Europäische Parlament gebeten, die Immunität des PiS-Europaabgeordneten Patryk Jaki aufzuheben, um seine Festnahme wegen einer angeblich rechtswidrigen Beförderung zu erwirken, die er als stellvertretender Justizminister angeordnet hatte.
Der Antrag
Am 2. Juni 2026 reichte Polens Generalstaatsanwalt und Justizminister Waldemar Żurek bei der Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, einen Antrag auf Aufhebung der Immunität des PiS-Europaabgeordneten Patryk Jaki ein. Der Antrag beinhaltet auch die Zustimmung zu Jakis Inhaftierung und zwangsweiser Vorführung. Der Schritt wurde von der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Anna Adamiak, bekannt gegeben.
Die Ermittlungen des Ermittlungsteams bei der Regionalstaatsanwaltschaft in Posen haben ausreichende Beweise erbracht, die den Verdacht rechtfertigen, dass der Europaabgeordnete Patryk Jaki das Vergehen des Machtmissbrauchs und der Pflichtverletzung begangen hat.
Die Vorwürfe
Der Fall betrifft Jakis Amtszeit als Staatssekretär im Justizministerium, wo er für den Strafvollzug zuständig war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, eine Anweisung an den Generaldirektor des Strafvollzugs erteilt zu haben, die zu einer Reihe von Personalentscheidungen bezüglich eines Beamten führte. Diese Entscheidungen umfassten Abordnung, Versetzung, Entsendung und Ernennung auf den Posten des stellvertretenden Direktors des Büros für IT und Kommunikation der Zentralverwaltung des Strafvollzugs – eine Stelle, die angeblich für diesen Beamten neu geschaffen wurde.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Entscheidungen getroffen, ohne dass die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt waren, und während gegen den Beamten ein Disziplinarverfahren lief. Die Folge war eine nicht genehmigte Beförderung und ein höheres Gehalt für den Beamten. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Maßnahmen hätten die rechtmäßige, objektive Personalpolitik des Strafvollzugs untergraben und das öffentliche Interesse geschädigt.
Die Beförderungsentscheidungen bezüglich dieses Beamten wurden getroffen, während gegen ihn ein Disziplinarverfahren lief, wodurch zum Nachteil des öffentlichen Interesses und zum Zweck der Erlangung finanzieller und persönlicher Vorteile gehandelt wurde.
Die politische Reaktion
Der Antrag löste scharfe Reaktionen von PiS-Politikern aus, die Żurek beschuldigten, die Befugnisse der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung der Opposition zu missbrauchen. Der Europaabgeordnete Maciej Wąsik nannte es ein brutales politisches Spiel, das für Premierminister Donald Tusk und Żurek schlecht enden werde. Der Abgeordnete Marek Wesoły sagte, die Staatsanwaltschaft sei nicht Żureks Privatbesitz. Der Abgeordnete Dariusz Matecki warnte, dass es 2027 nicht genug Handschellen für alle Entscheidungen der derzeitigen Staatsanwaltschaftsführung geben werde.
Das ist eine Verhöhnung des Staates. Der Vorwurf lautet, ich hätte meine Befugnisse überschritten, indem ich jemanden zum stellvertretenden Direktor einer Behörde befördert habe, was unter jeder Regierung gängige Praxis ist, und ich zitiere: Es war, ihrer Ansicht nach, nicht durch wichtige dienstliche Bedürfnisse gerechtfertigt. Punkt. Sind die normal? Und dafür wollen sie mit einer Festnahme einen Zirkus durch Europa veranstalten.
Rechtlicher Kontext
Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die von dem Antrag erfasste Handlung nicht mit der Ausübung von Jakis Mandat im Europäischen Parlament zusammenhänge und keine Meinungsäußerung oder Stimmabgabe im Rahmen seiner parlamentarischen Tätigkeit darstelle. Die Behörde erklärte, die Aufhebung der Immunität sei eine notwendige Voraussetzung für die Erhebung von Anklage und die Durchführung weiterer Verfahren. Der Antrag auf Zustimmung zur Inhaftierung wurde aus verfahrensrechtlicher Vorsicht gestellt, falls Jaki Maßnahmen ergreife, die die Bekanntgabe der Anklage und seine Vernehmung als Beschuldigten behinderten.
Der Anwalt Bartosz Lewandowski kommentierte, der Schritt sei ein gut vorbereiteter Ball für die Opposition im Europäischen Parlament, um zu zeigen, wie die Dinge in Polen funktionieren. Die ehemalige Vorsitzende des Landesjustizrats, Dagmara Pawełczyk-Woicka, bewertete, dass kein Gericht einer Inhaftierung aufgrund einer solchen Anklage zustimmen würde, das Spektakel einer Festnahme aber dennoch stattfinden könne.
Breitere Ermittlungen
Die Anklage gegen Jaki ist Teil der Arbeit eines Ermittlungsteams bei der Regionalstaatsanwaltschaft in Posen, das Unregelmäßigkeiten in der Funktionsweise des Strafvollzugs zwischen 2015 und 2023 sowie die Aufsicht des Justizministeriums über die Behörde untersucht. Das Team führt derzeit 15 Verfahren, die aufgrund zahlreicher Anzeigen möglicher Straftaten durch den Direktor des Strafvollzugs eingeleitet wurden.


