
Kardinal Zuppi verurteilt Migrationsrhetorik und bestätigt vatikanische Diplomatenreisen nach Moskau
Beim Rimini-Treffen forderte der Präsident der Italienischen Bischofskonferenz, Matteo Zuppi, eine europäische Migrationsreform und bestätigte bevorstehende vatikanische Diplomatenbesuche in Moskau.
Migrationspolitik und europäische Aufnahme
In seiner Rede beim Rimini-Treffen am 23. August kritisierte Kardinal Matteo Zuppi die italienische und europäische Migrationspolitik und warf dem öffentlichen Diskurs vor, Rettungsbemühungen auf politische Spaltungen zu reduzieren. Zuppi, der die Italienische Bischofskonferenz leitet und Erzbischof von Bologna ist, bekräftigte die am Vortag von Papst Leo XIV. gemachten Äußerungen, dass Menschen Vorrang vor nationalen Grenzen haben. Er erinnerte daran, dass am 22. August 15 Menschen im Mittelmeer gestorben seien, und argumentierte, dass die Pflicht, Leben auf See zu retten, mit strukturierten legalen Wegen und nicht mit informeller Einreise einhergehen müsse. Er erklärte, dass die demografische Erneuerung sowohl auf Offenheit als auch auf Geburtenraten angewiesen sei, und verknüpfte die zukünftige Stabilität mit einer rechtlichen Integration, die von einem einheitlichen europäischen Rahmen gesteuert werde.
Alle zu retten bedeutet nicht, dass alle eintreten, wie eine gewisse dumme und vulgäre Polarisierung suggerieren will. Aber wir müssen alle retten und dann die Wege, die Ideen, die Regularisierung, die Legalisierung finden, um Illegalität mit Legalität zu bekämpfen. Es geht darum, ein System zu wählen, das in die Zukunft blickt. Es geht nicht nur um mehr Kinder, mehr Zukunft. Mehr Aufnahme ist auch mehr Zukunft.
Warnung vor Enklaven und Selbstisolation
In seiner Predigt auf dem Rimini-Messegelände warnte Zuppi davor, aus Angst physische und soziale Grenzen zu errichten, und verwies direkt auf die spanische nordafrikanische Enklave Ceuta. Er argumentierte, dass Sicherheit durch Ausgrenzung der christlichen Schrift widerspreche, und beschrieb die moderne Gesellschaft als zerrissen durch eine aggressive Kultur der Macht und konkurrierender Gruppierungen. Mit Blick auf humanitäre Helfer an der Front zitierte Zuppi Aufnahmen eines italienischen Küstenwächters, der einem barfüßigen, an der Küste ankommenden Kind seine eigenen Socken gab, als deutliches Zeichen grundlegender Menschlichkeit.
In der Welt ist es so leicht, sich sicher zu fühlen, indem man sich in eine Enklave einschließt, aber das ist das Gegenteil der Botschaft des Evangeliums.
Religiöse Mission versus humanitäre Bürokratie
Zuppi definierte auch die theologische Rolle der Kirche in aktuellen sozialen Debatten und erklärte, dass religiöse Institutionen ihre Identität nicht auf Nichtregierungsorganisationen reduzieren dürften. Er warnte, dass Rituale ihre Bedeutung verlören, wenn sie von praktischem Engagement losgelöst blieben, und sagte, dass liturgische Symbole wie Weihrauch ohne alltäglichen Kontakt leer würden. Unter Bezugnahme auf den russisch-orthodoxen Priester Aleksandr Men' warnte Zuppi die Gläubigen davor, Religion als spirituelle Süßigkeit zu behandeln, die nur das eigene Ego trösten solle. Er verwies auf das apostolische Schreiben Gaudete et exsultate, um die praktische Heiligkeit unter gewöhnlichen Bürgern zu betonen.
Vatikanischer Diplomatenplan für Moskau
Neben sozialen Themen bestätigte Zuppi den bevorstehenden Kalender für vatikanische diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine während eines Auftritts bei Tg2 Post. Der Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten des Vatikans, Monsignore Paul Richard Gallagher, soll in der letzten Augustwoche nach Moskau reisen. Zuppi bestätigte, dass er Ende September eine Folge-Diplomatenmission nach Russland durchführen wolle. Diese Reisepläne folgen auf die Wochenendbesuche von Papst Leo XIV. in San Marino und Rimini, bei denen die päpstlichen Reden direkte Diplomatie und Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien priorisierten.
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