
Zürcher Wähler stimmen voraussichtlich der SVP-Initiative ‚Stoppt die Prämienexplosion‘ zu, die Steuerabzüge an die Krankenkassenprämien koppelt
Erste Hochrechnungen deuten auf eine Zustimmung von rund 54 Prozent für die von der SVP geführte Massnahme hin, die den Steuerabzug automatisch erhöhen würde, sobald die Krankenkassenprämien steigen, und die kantonalen und kommunalen Einnahmen um schätzungsweise je 80 Millionen Franken pro Jahr schmälern würde.
Der Vorschlag
Die Initiative, angeführt von den SVP-Kantonsräten Paul Mayer und Stefan Schmid, zielt darauf ab, die derzeitige feste Abzugsobergrenze durch eine dynamische Formel zu ersetzen. Derzeit können alleinstehende Erwachsene bis zu 2'900 Franken und Ehepaare bis zu 5'800 Franken vom steuerbaren Einkommen abziehen. Diese Grenzen werden nur alle zwei Jahre angepasst und sind an die allgemeine Inflation gekoppelt. In der Stadt Zürich übersteigt die durchschnittliche Erwachsenenprämie jedoch bereits 7'000 Franken pro Jahr (rund 600 Franken pro Monat). Die SVP argumentiert, dass der Abzug weit hinter den tatsächlichen Kosten zurückgeblieben sei und stattdessen die tatsächliche Durchschnittsprämie widerspiegeln sollte, die jedes Jahr automatisch steigt, wenn die Prämien klettern.
Befürworter, darunter FDP und EDU, verweisen auf Nachbarkantone, die bereits höhere Abzüge gewähren. 2022 wurde eine ähnliche SVP-Initiative von den Stimmberechtigten angenommen, unterlag aber letztlich einem milderen Gegenvorschlag der Regierung; dieser Gegenvorschlag erhöhte den Abzug von 2'600 auf 2'900 Franken, gültig ab dem Steuerjahr 2024. Die aktuelle Initiative würde weiter gehen, indem sie die Kopplung an die Prämien dauerhaft und automatisch macht.
Opposition und fiskalische Auswirkungen
Alle anderen grossen Parteien (SP, Grüne, GLP, Mitte, EVP und AL) sowie die Kantonsregierung lehnen die Massnahme ab, hauptsächlich wegen der erwarteten Einnahmeausfälle. Gemäss im Wahlkampf zitierten Schätzungen würden sowohl der Kanton als auch die Gemeinden jährlich auf rund 80 Millionen Franken Steuereinnahmen verzichten. Eine Analyse, die das zwischen 2014 und 2024 beobachtete Prämienwachstum fortschreibt, prognostiziert einen kumulierten Fehlbetrag von 160 Millionen Franken über zehn Jahre.
- Kanton
- 80 Mio. CHF
- Gemeinden
- 80 Mio. CHF
Die Abstimmung
Die Wahllokale schlossen um 12 Uhr, und kurz darauf wurden die ersten Hochrechnungen des Statistischen Amtes veröffentlicht. Die Prognose vom späten Vormittag deutete auf einen Ja-Anteil von 53,1 Prozent hin, während eine spätere Hochrechnung rund 54 Prozent Zustimmung zeigte. Das Konfidenzintervall ist noch breit genug, dass ein Nein möglich bleibt, aber die Richtung der ersten Auszählung deutet darauf hin, dass die Initiative angenommen wird.
Die Hochrechnung zeigt derzeit 53,1 Prozent Unterstützung, aber die Unsicherheitsmarge bedeutet, dass eine Ablehnung noch nicht ausgeschlossen werden kann.
Was sich ändert
Im Falle einer Bestätigung würde die neue Regelung für künftige Steuerperioden in Kraft treten. Die Steuerzahler würden sehen, wie ihr zulässiger Abzug im Gleichschritt mit der Durchschnittsprämie steigt. Die Initianten argumentieren, dies sei eine Frage der Fairness: Die Prämien seien stetig schneller gestiegen als das allgemeine Preisniveau und hätten den realen Wert der bestehenden festen Obergrenze ausgehöhlt. Die derzeitige Obergrenze, die seit der Anpassung von 2024 im Prinzip unverändert ist, macht bereits nur einen Bruchteil der typischen Versicherungskosten in städtischen Gebieten aus.
- Abzugsobergrenze (2024–)
- 2900 CHF
- Durchschnittsprämie (2024–)
- 7000 CHF
Politische Signale
Der Wahlkampf ist das jüngste Beispiel dafür, wie die SVP erfolgreich traditionell linke Themen für sich nutzt, indem sie den Fokus auf die Lebenshaltungskosten mit Steuererleichterungen statt mit Prämienregulierung verbindet. Linke Parteien bevorzugen in der Regel eine direkte Deckelung der Prämien. Dass die Initiative in Zürich, einem Kanton, der oft als bürgerlich-progressiv gilt, auf dem Weg zur Annahme ist, wird als Signal dafür gewertet, wie dominant die Belastung durch steigende Krankenkassenprämien in den Köpfen der Wähler geworden ist. Ein endgültiges Ergebnis wird im Laufe des Tages erwartet.

