
Zürich legt 195-Millionen-Franken-Rabatt für den öffentlichen Verkehr mit Defizitklausel vor
Der Zürcher Stadtrat hat seinen Umsetzungsplan für vergünstigte ÖV-Abonnemente vorgelegt und beantragt dafür jährlich 195 Millionen Franken. Das Modell sieht Rabatte für Einwohnerinnen und Einwohner ab frühestens Frühjahr 2028 vor, mit automatischen Kürzungen, falls das Defizit 100 Millionen Franken übersteigt.
Der Umsetzungsrahmen
Ein Jahr, nachdem die Zürcher Stimmberechtigten eine Initiative für ein subventioniertes Jahresabonnement des öffentlichen Verkehrs für einen Franken pro Tag angenommen hatten, präsentierte der Stadtrat am Mittwoch, 30. September 2026, sein Umsetzungsmodell. Die Stadtregierung kann kein eigenes Abo einführen, weil Zürich in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) integriert ist, dem die gesetzliche Alleinzuständigkeit für die regionalen Tarifstrukturen zusteht. Stattdessen gewährt die Stadt allen in Zürich gemeldeten Einwohnerinnen und Einwohnern, die Jahresabonnemente des öffentlichen Verkehrs oder nationale Generalabonnemente erwerben, direkte Preisnachlässe. Gemäss dem Zeitplan der Exekutive tritt das vergünstigte ÖV-Angebot frühestens im Frühjahr 2028 in Kraft. Der Vorschlag muss zunächst das Stadtparlament passieren, bevor er in eine bindende stadtweite Volksabstimmung geht.
Kreditbegehren und Kostenstruktur
Die finanziellen Eckwerte des Verordnungsentwurfs haben in der Zürcher Kommunalpolitik erhebliche Kontroversen ausgelöst. Der Stadtrat beantragt einen jährlichen Kreditrahmen von 195 Millionen Franken und damit mehr als die ursprünglich im Wahlkampf vor einem Jahr genannten 140 Millionen Franken. Die Stadtbehörden gehen weiterhin davon aus, dass die tatsächlichen jährlichen Ausgaben bei rund 140 Millionen Franken liegen werden. Die Exekutive wies jedoch darauf hin, dass das Haushaltsrecht sie verpflichte, ausreichende Mittel zu beantragen, um bei vollständiger Inanspruchnahme alle anspruchsberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner abzudecken. Da die genaue Nachfrage nicht im Voraus bekannt ist und die ursprüngliche Initiative als allgemeiner Vorschlag formuliert wurde, muss die neu festgelegte Finanzierungsobergrenze den Stimmberechtigten direkt zur abschliessenden Bestätigung vorgelegt werden.
- Beantragter Kreditrahmen
- 195 Mio. CHF
- Erwartete jährliche Kosten
- 140 Mio. CHF
- Auslöseschwelle für Kürzungen
- 100 Mio. CHF
Defizitbremse und finanzpolitischer Druck
Um die Stadtfinanzen vor wachsenden Defiziten zu schützen, hat der Stadtrat einen automatischen Sparmechanismus in die Verordnung aufgenommen. Nach dieser Klausel erhält die Exekutive die Befugnis, die Rabattbeiträge im folgenden Jahr um bis zu 50 Prozent zu kürzen, wenn die Stadtrechnung in einem Geschäftsjahr ein Defizit von mehr als 100 Millionen Franken ausweist. Sollten sich die finanziellen Verhältnisse weiter verschlechtern, hat das Stadtparlament die gesetzliche Kompetenz, Kürzungen von mehr als 50 Prozent anzuordnen. Diese Vorsichtsmassnahme folgt Warnungen der Exekutive vor kumulierten Ausgaben, nachdem Stimmberechtigte und Parlament zuvor im Rahmen eines breiteren Kaufkraftpakets Rabatte auf Krankenkassenprämien und zusätzliche Kinderbetreuungssubventionen bewilligt hatten.
Politische Reibungen in den Regierungsparteien
Der vorgeschlagene Rahmen stiess bei der Sozialdemokratischen Partei (SP), der politischen Urheberin der ursprünglichen Volksinitiative, auf heftigen Widerstand. Die Parteispitze richtete ihre Kritik auf Stadtrat Michael Baumer von der FDP, den Vorsteher des für den öffentlichen Verkehr zuständigen Departements.
Die Bevölkerung soll mit einer Fantasiezahl abgeschreckt werden.
Die Sozialdemokraten bezeichneten den Vorschlag als undemokratisch und inakzeptabel und argumentierten, die Zahl von 195 Millionen Franken blähe die Kosten künstlich auf, um die Stimmberechtigten abzuschrecken. Die politische Reibung spielt sich jedoch weitgehend innerhalb des links-grünen Regierungsbündnisses ab, da Sozialdemokraten und Grüne neben Baumer acht der neun Sitze im Stadtrat halten.
- Zürcher Stimmberechtigte nehmen die ÖV-Initiative «ein Franken pro Tag» an
- Der Stadtrat präsentiert den Umsetzungsrahmen und das Kreditbegehren
- Frühestmögliche Einführung der Abo-Rabatte für Einwohnerinnen und Einwohner

