
ZDF streicht Anti-Faschismus-Song von Danger Dan und Igor Levit in der 'Anstalt' – möglicher Gewaltaufruf als Begründung
Der öffentlich-rechtliche Sender strich die Aufführung von 'Keine Angst' kurz vor der Aufzeichnung der 100. Folge der Satiresendung und erntete von den Künstlern Zensurvorwürfe.
Die Absage
Am 15. Juli, in den Bavaria Filmstudios in München, sagte der öffentlich-rechtliche Sender ZDF einen geplanten Auftritt des Rappers Danger Dan (Daniel Pongratz, auch von der Band Antilopen Gang) und des Pianisten Igor Levit in der Satiresendung "Die Anstalt" ab. Die Absage erfolgte kurz vor der Aufzeichnung der 100. Folge der Sendung, die sich mit der zunehmenden politischen Radikalisierung und der Widerstandsfähigkeit der Demokratie befassen sollte. Die beiden Künstler sollten den Song "Keine Angst" vortragen, der sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus beschäftigt, gefolgt von einer Diskussion mit den Moderatoren Maike Kühl, Max Uthoff und Claus von Wagner. Die ZDF-Führung griff in letzter Minute ein, so eine Mitteilung der Künstler-Promotion-Agentur Check Your Head.
Die Begründung des Senders
Das ZDF erklärte, der Text von "Keine Angst" könne als Aufruf zur Gewalt interpretiert werden, was seinen Programmgrundsätzen widerspreche. Der Sender gab an, den Song während der Vorbereitung intensiv geprüft zu haben, unter Einbeziehung seiner Führung, und sei zu dem Schluss gekommen, dass der Widerspruch nach einem mehr als siebenminütigen Live-Auftritt nicht aufgelöst werden könne. Das ZDF präzisierte nicht, welche Passagen die Bedenken auslösten. Der Song, der in der Nacht zum 17. Juli veröffentlicht wurde, ist ein antifaschistisches Stück, das zu kollektivem Handeln gegen Nazis und Faschisten aufruft, mit Zeilen über geheime Kommunikation, die Recherche rechter Strukturen, die Dokumentation ihrer Taten und die Vermeidung von Überwachung: "Nie ohne Handschuhe, nie einen Fingerabdruck hinterlassen." Das ZDF kündigte an, den Song "an anderer Stelle im Programm dokumentarisch-journalistisch aufzubereiten."
Reaktion der Künstler
Danger Dan und Igor Levit kritisierten die Entscheidung scharf. In einem gemeinsamen Instagram-Post vom 16. Juli bezeichneten sie die Absage als "Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit" und "skandalös". Sie sagten, der Song sei dem Sender Wochen zuvor eingereicht worden und die eigene Rechtsabteilung des ZDF habe grünes Licht gegeben. Die Redaktion der "Anstalt" habe die Folge umgeschrieben, um den Song einzubauen, und gegen das Veto der Führung protestiert.
Das ist keine Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.
Die Künstler verwiesen auch auf frühere Konflikte mit dem ZDF. Als sie den Song "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" in Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" aufführten, gab es bereits Ärger mit dem derzeitigen Intendanten. Später wurde eine AfD-kritische Aussage aus ihrem Auftritt bei der OPUS-KLASSIK-Preisverleihung geschnitten; das ZDF stellte sie später in seiner Mediathek wieder ein und entschuldigte sich. Danger Dan und Levit warnten, dass der aktuelle Eingriff angesichts der politischen Lage und der Landtagswahlen im Herbst "kein gutes Zeichen" sei.
Wie es weitergeht
Die 100. Folge der "Anstalt" wird am 21. Juli um 22:15 Uhr ausgestrahlt, und die Moderatoren werden voraussichtlich auf die Kontroverse eingehen. Danger Dan und Levit kündigten an, "Keine Angst" am selben Tag gemeinsam in Berlin aufzuführen, und erklärten: "Wir lassen uns das nicht verbieten." Die vom ZDF geplante journalistische Aufbereitung des Songs ist noch nicht terminiert.
- Danger Dan und Levit reichen 'Keine Angst' beim ZDF ein; die Rechtsabteilung des Senders gibt grünes Licht.
- Die ZDF-Führung sagt den Auftritt kurz vor der Aufzeichnung der 100. Folge der 'Anstalt' ab.
- Künstler posten auf Instagram und bezeichnen die Absage als autoritären Akt; ZDF bestätigt und verweist auf möglichen Gewaltaufruf.
- Song 'Keine Angst' wird veröffentlicht.
- 'Die Anstalt' wird ausgestrahlt; Danger Dan und Levit planen, den Song in Berlin aufzuführen.


