Wilke-Wurstskandal: Prozessauftakt in Kassel wegen elf Listeria-Toten
Drei ehemalige Führungskräfte des Wilke-Werks in Waldeck müssen sich ab Montag vor dem Landgericht Kassel wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Es ist einer der schwersten Lebensmittelskandale in Deutschland.
Der Ausbruch
Im Oktober 2019 schlossen die Behörden das Werk der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal (Hessen), nachdem in den Wurstprodukten Listeria-Bakterien nachgewiesen worden waren. Eine anschließende Inspektion der Verbraucherorganisation Foodwatch am 2. Oktober 2019, einen Tag nach der behördlich angeordneten Schließung, dokumentierte Schimmel an Decken, einen „Verwesungsgeruch“ in einem Aufzug für den Fleischtransport sowie bauliche Mängel, die „ideale Bedingungen“ für die Vermehrung von Listerien boten.
Die Anlage in ihrem derzeitigen Zustand bietet keine Gewähr für die Herstellung sicherer Lebensmittel.
Die Staatsanwaltschaft vermutet zudem, dass verdorbene Ware wiederaufbereitet und Produkte mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum mit neuen, falschen Verfallsdaten versehen an den Einzelhandel ausgeliefert wurden.
- Die Kreisbehörde ordnet die Schließung des Wilke-Werks an, nachdem in Wurstwaren Listerien gefunden wurden.
- Die Foodwatch-Inspektion dokumentiert Schimmel, Verwesungsgeruch und bauliche Mängel im Werk.
- Der Prozess gegen drei ehemalige Manager beginnt am Landgericht Kassel.
Die menschliche Bilanz
Listeria-Bakterien sind in der Natur weit verbreitet und können rohes Fleisch, Sushi oder nicht pasteurisierten Käse kontaminieren. Während gesunde Erwachsene meist nur milde grippeähnliche Symptome entwickeln, kann die Infektion für Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwerwiegend sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bei 37 Personen, die Wilke-Produkte verzehrt hatten, Listerien nachgewiesen. Elf von ihnen starben, wobei die Infektion als zumindest mitverursachend eingestuft wurde. Dutzende weitere erkrankten.
Die Angeklagten
Auf der Anklagebank des Landgerichts Kassel sitzen der ehemalige Geschäftsführer (57 Jahre), sein damaliger Stellvertreter (55 Jahre) und der frühere Produktionsleiter (58 Jahre). Die Anklage wirft ihnen fahrlässige Tötung in elf Fällen, fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen, das Verabreichen gesundheitsschädlicher Stoffe in vier Fällen, Betrug in 17 Fällen und das Inverkehrbringen unsicherer Lebensmittel in 18 Fällen vor. Allen drei wird vorgeworfen, dafür verantwortlich zu sein, dass mit Listerien kontaminierte Produkte zu den Verbrauchern gelangten.
Der Prozess
Die Verhandlung beginnt am Montag, dem 6. Juli 2026. Der Fall zählt zu den schwerwiegendsten Lebensmittelskandalen in Deutschland der letzten Jahre. Es wird erwartet, dass das Gericht die Hygienemängel im Werk, die Aufsichtspflicht der örtlichen Behörden und die Entscheidungskette, die dazu führte, dass kontaminierte Wurst weiterverkauft wurde, untersucht. Der Prozess wird von Verbraucherschützern und der Lebensmittelbranche gleichermaßen aufmerksam verfolgt.


