Vereine in Sachsen-Anhalt begleiten ehemalige Strafgefangene mit Wohnung, Arbeit und digitaler Hilfe in ein straffreies Leben
Ein Netzwerk von Vereinen in Sachsen-Anhalt, angeführt von der Kontaktstelle Zebra, unterstützte im vergangenen Jahr 684 inhaftierte Menschen und über 100 entlassene Strafgefangene, mit Schwerpunkt auf Wohnung, Arbeit und Leistungen, um Rückfälle zu verhindern.
Ein Netzwerk von Vereinen in Sachsen-Anhalt hilft Menschen, die aus dem Gefängnis entlassen werden, ein unabhängiges, straffreies Leben aufzubauen. Die zentrale Anlaufstelle namens Zebra (Zentrum für Entlassungsvorbereitung, Beratung, Resozialisierung und Kontaktstelle für gemeinnützige Arbeit) betreibt 11 Standorte in 13 Regionen mit 15 Mitarbeitenden. Im vergangenen Jahr beriet und unterstützte sie 684 noch inhaftierte Menschen und nahm über 100 entlassene Strafgefangene in die laufende Betreuung auf.
Wie die Unterstützung funktioniert
Entlassene Strafgefangene werden im Alltag begleitet, bei Bedarf oft gemeinsam mit ihren Familien. Ziel ist es, Struktur zu schaffen, einen Haushalt wieder aufzubauen und den Umgang mit Behörden zu bewältigen. Die Digitalisierung stellt eine besondere Hürde dar: Anträge auf Leistungen bei Jobcentern sind häufig nur online möglich, und Behördenterminals erfordern digitale Fähigkeiten, die vielen ehemaligen Strafgefangenen fehlen. Die Vereine nutzen ihre persönlichen Kontakte in öffentlichen Ämtern, um zu vermitteln und die Klienten durch diese Prozesse zu begleiten.
Wer nach einer Haftstrafe wieder Arbeit findet, eine Wohnung bekommt und soziale Stabilität entwickelt, hat deutlich bessere Chancen auf ein dauerhaft straffreies Leben.
Wachsender Unterstützungsbedarf
Schuldenmanagement, gesundheitliche Probleme und Sucht sind ebenfalls zentral. Psychische Belastungen und Substanzmissbrauch werden in fast allen Regionen bedeutsamer, und der Begleitungsbedarf steigt. Resozialisierung beginnt nicht erst nach der Entlassung: Bereits während der Haft werden Perspektiven entwickelt, Wohnungen gesucht, Anträge vorbereitet und Unterstützungsnetzwerke aufgebaut.
Resozialisierung beginnt nicht erst nach der Entlassung. Bereits während der Haft werden Perspektiven entwickelt, Wohnungen gesucht, Anträge vorbereitet und Unterstützungsnetzwerke aufgebaut.
Vermeidung von Haft durch gemeinnützige Arbeit
Zebra vermittelt auch gemeinnützige Arbeit, die eine Freiheitsstrafe abwenden kann. Im vergangenen Jahr wurden 990 Fälle bearbeitet, über 11.000 Tagessätze abgeleistet und 5.535 Hafttage vermieden.
Jeder vermiedene Hafttag bedeutet nicht nur eine finanzielle Entlastung für die Allgemeinheit. Vor allem bedeutet er die Chance für einen Menschen, Verantwortung zu übernehmen und einen neuen Weg einzuschlagen.
- Beratene Inhaftierte
- 684
- In Betreuung entlassen
- 100
- Fälle gemeinnütziger Arbeit
- 990
Nach Angaben des Justizministeriums wurden im vergangenen Jahr 1.392 Menschen aus Justizvollzugsanstalten in Sachsen-Anhalt nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen. Die Arbeit der Vereine umfasst sowohl die noch Inhaftierten als auch die bereits in die Gemeinschaft Zurückgekehrten.

